Die neuen Züge sind nicht nur komfortabler, sondern auch lauter.

Dreieich / Rödermark

Diesellok der Dreieichbahn: Neu und ziemlich laut

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Die neuen Pesa-Dieseltriebwagen auf der Strecke der Dreieichbahn stehen in der Kritik. Einige Anwohner beschweren sich über den Lärm.

In den Orten an der Strecke der Dreieichbahn wird zunehmend Kritik an den neuen Zügen laut, die die Deutsche Bahn seit Februar dort einsetzt. Die Dieseltriebwagen des polnischen Herstellers Pesa bieten zwar mehr Reisekomfort, strapazieren aber die Nerven von Anwohnern in Dreieich, Rödermark, Eppertshausen und Dieburg, weil sie so laut sind. Auch Pendler sind enttäuscht, weil die neuen Züge die alten Probleme – wie etwa Verspätungen – nicht beheben können.

Die neuen Züge seien sogar noch lauter als die alten, beschweren sich lärmgeplagte Anwohner. In der Hauptsache sind es drei Lärmquellen, die vor allem Dreieicher Bürger identifiziert haben – dort liegt die Strecke teilweise direkt an Wohngebieten: aufheulende Dieselaggregate beim Bremsen auf der Fahrt in den Bahnhof, laute Geräusche der Lüfter sowie quietschende Räder in den Kurven.

„Ich bin keiner, der mit dem Messgerät auf der Terrasse sitzt“, sagt André Krebs, einer der Anrainer in Dreieich, der auch schon Bürgermeister Martin Burlon (parteilos), den RMV und das Umweltbundesministerium in dieser Sache angeschrieben hat. Man könne sich kaum noch unterhalten, wenn die neuen Züge vorbeifahren. Er habe dann das Gefühl, „dass Außerirdische landen“.

Dreieichbahn: Das Heulen der Dieselaggregate zermürbt Anwohner

Das Heulen der Dieselaggregate sei schon bekannt, schreibt die Bahn in einer Stellungnahme. Wie sich Optimierungen erreichen lassen, prüfe man derzeit zusammen mit dem Hersteller Pesa. Die Fahrzeugführer seien auf jeden Fall bereits angewiesen, ihr Bremsverhalten so anzupassen, dass möglichst wenig Lärm entstehe.

Die lauten Geräusche der Motorenlüfter seien ein Mangel, der bei einem der neuen Fahrzeuge aufgetreten sei, heißt es vonseiten der Bahn. Der Lüfter auf dem Dach sei ständig mit höchster Belastung gelaufen, obwohl dies gar nicht nötig war. Der Mangel sei Pesa bereits angezeigt worden und werde „schnellstmöglich behoben“.

Das Quietschen der Räder in den Kurven werde keinesfalls von einem höheren Tempo der neuen Züge verursacht, so eine Bahnsprecherin. Die zulässigen Geschwindigkeiten auf der Strecke würden nämlich unverändert eingehalten. Vielmehr erzeugten die Räder, die starr miteinander verbunden sind, die Geräusche. Bei der Kurvendurchfahrt könne nur eines der Räder optimal abrollen, das andere werde an die Schiene gedrückt, was Lärm erzeugen könne. Außer dem Kurvenradius und der Geometrie der Schiene könnten auch Luftfeuchtigkeit und Temperatur einen Einfluss nehmen.

Dreieichbahn: Verspätungen liegen an der eingleisigen Strecke

30 Millionen Euro hat die Deutsche Bahn in insgesamt zehn neue Pesa-Dieseltriebwagen investiert. Die Anrainerkommunen der Dreieichbahn wurden bei der Planung der Millioneninvestition aber nicht mit ins Boot geholt. DB Regio Mitte begründet das damit, dass der RMV der Vertragspartner für diese Linie sei und die Bedingungen deshalb mit diesem Unternehmen ausgehandelt wurden.

Auf zusätzliche Schallschutzmaßnahmen an der Strecke geht die Bahnsprecherin nicht ein. Die Fahrzeuge würden alle gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte erfüllen, heißt es lapidar. Dennoch würde man ihr Lärmverhalten „noch einmal intensiv überprüfen“.

Dass die Züge auf der Dreieichbahn trotz neuer Technik nach wie vor verspätet sind, liegt, so die Bahn, an der weitgehend eingleisigen Strecke. Es gebe nur wenige Bahnhöfe, an denen überholt werden könne. Verspätungen anderer Züge würden damit unweigerlich zu Folgeverspätungen auf der Dreieichbahn führen. „Die neuen Fahrzeuge können durch höhere Motorisierung und Spurtstärke Verspätungen abfedern, aber nicht komplett vermeiden“, so die Bahnsprecherin.

Drei Pesa-Züge sind aktuell zwischen Frankfurt und Dieburg unterwegs, die restlichen sieben sollen sukzessive eingesetzt werden. Wann das sein wird, ist noch nicht klar. Klar ist nur: Die restlichen Dieseltriebwagen werden laut DB Regio erst dann fahren, wenn die aktuellen Mängel und Auffälligkeiten beseitigt sind. Mit mehr Personal in der Werkstatt und mit zusätzlichen Ausbildern auf dem Fahrzeug will man den Problemen beikommen.

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