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Diensthund für traumatisierte Kinder

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Von: Andreas Hartmann

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Romeo und seine Besitzerin Cornelia Conradi arbeiten jetzt in der Dezentralen Schule

Die Kreisverwaltung in Dietzenbach hat einen neuen Mitarbeiter. Das wäre nicht unbedingt erwähnenswert, wäre der fünf Jahre alte Romeo nicht der erste hier arbeitende Diensthund. Seine Ausbildung, so bestätigt die Kreisverwaltung, sei ausgezeichnet – wie man das ja von einem Verwaltungsmitarbeiter auch erwarten darf. Romeo habe, so heißt es, ein freundliches, ruhiges Wesen und habe bereits mit Erfolg die Junghundeschule sowie einen Erziehungskurs absolviert. Und schließlich arbeitet der Neue, das dürfte den gebeutelten Kreis-Kämmerer erfreuen, tatsächlich zum Nulltarif.

Romeos Besitzerin Cornelia Conradi, 54, ist Lehrerin an der Dezentralen Schule (DSE) des Kreises Offenbach, die gerade ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert hat. Zwar sitzt die DSE in Dietzenbach, die Lehrer arbeiten aber an Schulen im ganzen Kreis. Sie unterstützen die dortigen Lehrer, beraten Eltern und kümmern sich um einzelne verhaltensauffällige Schüler, aber auch um ganze Klassen. Auch für notorische Schulverweigerer und für psychisch kranke Kinder gibt es Programme.

Conradi, die den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung hat, arbeitet aktuell an zwei Grundschulen und an zwei weiterführenden Schulen im Kreis mit insgesamt fünf Mädchen und Jungen. Der Hund soll nun die soziale und emotionale Kompetenz der Kinder stärken. Tiergestützte Pädagogik nennt sich der Ansatz. Er eignet sich besonders für Schüler, die unter Bindungsstörungen leiden, emotionale, soziale oder motorische Entwicklungsverzögerungen aufweisen oder traumatisiert sind. „Romeo spürt die Individualität der Kinder und nimmt sie an, wie sie sind“, sagt Conradi.

Einmal pro Woche assistiert Romeo seinem Frauchen entweder in Einzelstunden, in der Conradi zunächst den Unterrichtsstoff durcharbeitet, bevor sich der jeweilige Schüler mit Romeo beschäftigen darf, oder gleich in einer ganzen Klasse. Die ersten Erfahrungen sind durchweg positiv. „Hunde entspannen allein durch ihre Anwesenheit im Klassenzimmer das Unterrichtsklima“, erzählt Conradi. „Sie vermitteln Spaß und Freude, das Aggressionspotential wird vermindert. Die Zufriedenheit der Schüler steigt, was sich automatisch auf die Lernerfolge niederschlägt.“

Romeo hilft den Kindern dabei, sich in ein anderes Wesen hineinzuversetzen. „In einer Klasse wurde beispielsweise nur noch sehr ruhig gesprochen, weil die Schüler mitbekommen haben, dass Romeo ein wesentlich besseres Gehör und damit auch ein anderes Lautstärkeempfinden hat und knallende Türen ihn erschrecken“, erzählt Conradi. Landrat Oliver Quilling jedenfalls ist begeistert von dem neuen Mitarbeiter: Das sei ein Beispiel für „praktische Inklusion“, die die DSE leiste, sagt er.

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