Notfallseelsorge im Kreis Offenbach

Beistand in der größten Not

Kriseninterventionsdienst und Notfallseelsorge starten im Kreis Offenbach eine Zusammenarbeit.

Von Maurice Farrouh

Ihre Einsätze sind immer dort, wo Menschen gerade Schreckliches erleben: Wenn ein Kind stirbt oder der Lebenspartner, wenn Passanten oder Rettungskräfte Zeugen von schweren Unfällen werden, dann versuchen Kriseninterventionsteams und Notfallseelsorger aufzufangen und Halt zu geben. Im Kreis Offenbach soll ein neuer Zusammenschluss die Arbeit der Helfer auf eine noch professionellere Basis stellen als bisher. Seit Anfang des Jahres arbeiten der Kriseninterventionsdienst der Malteser (KID) und die Notfallseelsorger der christlichen Kirchen zusammen.

„So kann Betroffenen jetzt noch schneller geholfen werden“, sagt Ralf Ackermann, Kreisbrandinspektor und Leiter des Gefahrenabwehrzentrums beim Kreis. Die Betreuer werden bei Bedarf von der Leitstelle der Feuerwehr angefordert. Ziel sei es, dass mittelfristig immer Zweierteams aus KID und kirchlicher Notfallseelsorge gemeinsam in die Einsätze gehen. „In der Stadt Offenbach, wo die Notfallseelsorger mit dem Roten Kreuz zusammenarbeiten, wird das bereits praktiziert“, sagt der Leiter des ärztlichen Rettungsdienstes, Frank Naujoks.

Spezielle Ausbildung

Zurzeit sind 23 Notfallseelsorger im Kreis Offenbach unterwegs. Diese kirchlichen Seelsorger der evangelischen und katholischen Dekanate haben eine spezielle Zusatzausbildung. Dazu kommen noch die acht Ehrenamtlichen vom Kriseninterventionsdienst der Malteser, der seit 2004 besteht. Auch sie sind speziell für die Betreuung von Menschen in Extremsituationen ausgebildet.

90 Einsätze zählten KID und Notfallseelsorge 2010, 2011 waren es 75 und im laufenden Jahr bisher 15. Die Arbeit ist auch für die Helfer selbst nicht einfach. „Jeder kann erahnen, wie viel Einfühlungsvermögen, Professionalität und Engagement diese Aufgabe erfordert“, sagt Landrat Oliver Quilling. Daher sei es umso wichtiger, dass der Kreis Offenbach mit seinen Kooperationspartnern gut aufgestellt sei.

Jedem Einsatz folgt eine Nachbesprechung. Sowohl Kirchen als auch Malteser setzen erfahrene Supervisoren ein, die den Helfern beim Verarbeiten ihrer Erlebnisse zur Seite stehen.

„Es ist wichtig, dass man nach einem Einsatz wieder seinen inneren Frieden findet“, sagt der evangelische Notfallseelsorger Frithjof Decker. Viele Kollegen hätten dazu Rituale entwickelt. „Dem einen hilft der Sport, dem anderen eine Tee-Zeremonie oder das Fürbitte-Gebet.“ Es werde zudem darauf geachtet, wer zu welchem Einsatz geschickt wird. „Jemanden der selbst ein kleines Kind hat, lassen wir nicht zu einem Einsatz, bei dem es um den Tod eines Kindes geht. Das ist zu belastend.“

Notfallseelsorge sei kein Ersatz für Psychotherapie, betont Decker. Sie könne lediglich eine Art „Erste Hilfe für die Seele“ bieten, der aber weitere Hilfen folgen müssten.

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