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Walther Ludwig ist im Langener Rathaus seit rund 20 Jahren für den Waldsee zuständig.

Interview mit Sicherheitsexperte Ludwig

Bei Panik in den Wald

Walther Ludwig ist seit Jahren für die Sicherheit bei den großen Open-Air-Partys am Langener Waldsee zuständig. Im FR-Interview spricht der Sicherheitsexperte über Massenveranstaltungen unter freiem Himmel.

Herr Ludwig, am Langener Waldsee gibt es am kommenden Wochenende und am 12. September wieder große Open-Air-Partys mit Tausenden von Menschen. Werden Sie nach der Massenpanik in Duisburg das Sicherheitskonzept überarbeiten?

Nein, das müssen wir nicht. Wir haben mit der Polizei, mit der Feuerwehr, der DLRG und anderen alles gut abgestimmt. Die Örtlichkeiten in Duisburg und am Langener Waldsee kann man nicht vergleichen. Bei uns am See haben wir viel mehr Platz, es gibt keinen Tunnel, stattdessen aber drei Zugangstore und ausreichend Waldfläche, die ohne Barrieren zu erreichen sind.

Bei den Partys am Wochenende werden jeweils rund 1500 Leute erwartet und zum Cocoon Green & Blue Festival im September kommen noch mehr Leute. Was schätzen Sie wie viele?

Der Veranstalter rechnet mit 10.000 bis 12.000 Personen. Das dürfte aber kein Problem geben, denn beim Start des Ironman sind morgens ja auch immer ungefähr 10.000 Zuschauer am Waldsee.

Reicht der Platz am Waldsee aus? Könnte dort ein Nadelöhr wie der Tunnel in Duisburg auftauchen?

Bei uns gibt es kein Nadelöhr. Außerdem haben wir die lange Kleinseeschneise, auf der sich die Menschenmasse entzerrt. Daneben ist gleich der Wald, in den man gehen könnte, falls es zu einer Massenpanik kommen würde. Aber diese Gefahr sehen wir bei den bevorstehenden Festivals am Waldsee nicht.

Vielleicht wird es auf dem Areal zeitweise doch sehr eng, wie verhindern Sie, dass die Raver in den See gedrängt werden oder selbst weit hinausschwimmen?

Bei der großen Party am 12. September gilt ein Badeverbot. Wir werden die Leinen der Nichtschwimmerabgrenzung so nah ans Ufer ziehen, dass man davor noch im Wasser stehen kann. Hinter der Leine patrouillieren dann die Rettungsboote der DLRG. Damit haben wir alle Vorkehrungen getroffen, damit nichts passiert.

Das Gelände am See ist mit einem Eisenzaun umgeben. Kann man diesen im Falle einer Panik an einigen Stellen öffnen?

Der Zaun ist zwar verschraubt, aber er besteht aus einzelnen Feldern und die könnte man relativ schnell rausnehmen. Wir werden Vorsorge treffen, damit das möglich ist.

Sie haben durch den Ironman und die Partys viele Erfahrungen mit Events unter freiem Himmel gesammelt. Wird am Ende bei Massenveranstaltungen immer ein Risiko bleiben, müssen Eltern von jungen Techno-Tänzern sich Sorgen machen?

Massenveranstaltungen sind meiner Meinung nach immer mit einem Risiko verbunden, doch die Veranstalter müssen Auflagen beachten und Vorkehrungen treffen, damit in einer Paniksituation genug Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind. Bei der Love Parade in Berlin ging das gut, weil es eine lange Straße gab und man zum Tiergarten hin ausweichen konnte. Man muss bei großen Veranstaltungen schauen, dass man nicht in die Enge getrieben werden kann. Es gab in Duisburg Leute, die vorher gewarnt haben. So ein Tunnel ist eine gefährliche Geschichte. Bei großen Partys muss man sich nicht generell Sorgen machen, aber vorsichtig sein.

Interview: Achim Ritz

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