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Dietzenbach Flüchtlinge

Debatte ohne Hetze

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Die Dietzenbacher Stadtverwaltung hatte zur Bürgerversammlung eingeladen und beinahe schien es, als sei die ganze Stadt gekommen. Auf dem Programm stand die Debatte über die künftige Flüchtlingsunterbringung in der Stadt. Die fiel überraschend sachlich und mitfühlend aus.

Man könnte glauben, die halbe Stadt sei an diesem Mittwochabend auf den Beinen. Der Sitzungssaal im ersten Stock des Dietzenbacher Rathauses platzt aus allen Nähten. Wer bei der Bürgerversammlung einen Sitzplatz erwischt hat, kann sich glücklich schätzen. Ein Großteil der Interessierten muss draußen bleiben und sich damit begnügen, zuzuhören, was auf dem Podium im Saal diskutiert wird.

Es geht um die künftige Unterbringung von Flüchtlingen in der Kreisstadt. Und auch wenn die Grundzüge dafür schon feststehen und durch die Presse gegangen sind, scheinen viele Menschen dazu noch Fragen zu haben.

Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Mehr als 700 Flüchtlinge wird der Kreis Offenbach in diesem Jahr voraussichtlich aufnehmen müssen. Auf die Stadt Dietzenbach entfallen 98. Für diese soll am Kindäcker Weg eine Gemeinschaftsunterkunft entstehen. Bis zu deren Fertigstellung sollen provisorische Notunterkünfte im Gebäude einer ehemaligen Gärtnerei in der Nähe des Friedhofs sowie an der Grenzstraße, unweit der Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie, für Entlastung sorgen.

Solche Bürgerversammlungen sind derzeit in Deutschland fast an der Tagesordnung – überall dort, wo neue Flüchtlingsunterkünfte entstehen. Auf dem Podium sitzen Lokalpolitiker. Im Falle Dietzenbachs sind das Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos), der Erste Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU), der Kreisbeigeordnete Carsten Müller (SPD) und Sandra Homberg vom Bau- und Immobilienmanagement der Stadt. Sie alle bemühen sich, den anwesenden Bürgern, die Planungen schmackhaft zu machen. „Es wird so kommen, ob wir es wollen oder nicht“, sagt Carsten Müller. Dass die Stadt am liebsten nicht will, steht außer Frage. Nicht nur weil die Kommune unter den Sparvorgaben des Rettungsschirms ächzt, sondern auch weil sich Dietzenbach aufgrund seiner Sozialstruktur gegenüber anderen, reicheren Kommunen übermäßig belastet fühlt. Zwar wird bei der Verteilung der Flüchtlinge auch ein sogenannter Sozialindex berücksichtigt, doch sei dieser aus seiner Sicht viel zu niedrig angesetzt, erklärt Bürgermeister Rogg: „Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass unsere Belastung zu hoch ist.“

Das Publikum scheint diese Einschätzung zu teilen. Immerhin aber bleibt Dietzenbach ein Phänomen erspart, dass man aus ähnlichen Bürgerversammlungen kennt: Kaum verbrämte Hetze gegen die Flüchtlinge. Es gibt Anwohner, die kritisieren, dass am Kindäcker Weg eine von vielen Familien genutzten Grünfläche wegfällt. Andere wollen wissen, welche Konzepte die Stadt zur Integration der Flüchtlinge verfolgt.

Gegen die Tatsache, dass Flüchtlinge nach Dietzenbach kommen, erhebt an diesem Abend niemand Widerspruch. Im Gegenteil. Ein Bürgerin bietet einen Teil ihrer Wohnung als Unterkunft für zumindest einen Flüchtling an. Eine andere möchte an diesem Abend darüber reden, wie man die Flüchtlinge willkommen heißen könnte.

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