Rödermark

Stadt lässt Kita von Investoren bauen

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Der Vertrag mit den Projektentwicklern läuft über 20 Jahre.

Rödermarks Bürgermeister Roland Kern (Andere Liste/Grüne) hätte am gestrigen Donnerstag aus Macht der Gewohnheit seine Unterschrift fast an falscher Stelle gesetzt: Er wollte dort signieren, wo der Vermieter unterschreiben sollte. Zur Entschuldigung sei gesagt, dass der Vertrag, den er zusammen mit dem Erstem Stadtrat Jörg Rotter (CDU) unterzeichnete, eine Premiere war: Die Stadt baut nicht selbst eine neue Kita, sondern mietet sich in einen Neubaukomplex an der Odenwaldstraße in Ober-Roden ein. Die Projektentwickler Früchtenicht GmbH aus Dieburg und Aumann GmbH aus Babenhausen errichten Räume für eine dreigruppige Ü3-Einrichtung, die Stadt wird sich dort quasi ins gemachte Nest setzen.

Die Anmietung der Kita-Räume ist ein Zusammenspiel von öffentlicher und privater Hand, ein sogenanntes Public-Private-Partnership-Projekt (PPP-Projekt), das im Kreis Offenbach seinesgleichen sucht. Und es ist für die Stadt „ein Glücksfall“, wie sich der Bürgermeister ausdrückte. 

Auf dem einst altlastenverseuchten, aber inzwischen aufwendig sanierten Gelände des Galvanikwerkes Hitzel & Beck entstehen vier neue Wohn- und Geschäftshäuser samt Tiefgarage. Die Baukosten liegen bei 13 Millionen Euro, der Rohbau steht schon. „Wir errichten 69 Eigentumswohnungen sowie 1000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für Praxen, Büros, Geschäfte – und eben auch die Kita“, sagt Investor Tim Früchtenicht und fügt hinzu: „Das ist die erste Kita, die wir bauen.“

Wenn Ende 2018 die ersten Eigentümer und Mieter einziehen, wird auch die Kindertagesstätte in der Odenwaldstraße 42 eröffnen. In einem der vier Gebäude entstehen auf 458 Quadratmetern im Erdgeschoss drei Gruppenräume, ein Differenzierungsraum, eine Küche, ein Restaurant und ein Waschraum. Mittels Deckendurchbruch sind im ersten Obergeschoss Räume für das Personal vorgesehen.
Die Projektentwickler schaffen Platz für 51 Kinder ab drei Jahren. Betreuungsplätze, die in Ober-Roden dringend gebraucht werden. Mitte des Jahres standen dort 42 Kinder für das Kindergartenjahr 2017/2018 auf der Warteliste – und der Stadtteil wächst. Familien mussten schon auf Einrichtungen im Stadtteil Urberach ausweichen. „Wir sind um jeden Platz froh, den wir bekommen können“, sagt der Erste Stadtrat.

„Wir stellen die Räume zur Verfügung und machen den Innenausbau mit Bodenbelägen, Wandtapeten, Nasszellen und Armaturen“, erklärt Früchtenicht. Die Stadt muss nur für die Möbel und die Küche sorgen, und plant dafür rund 120.000 Euro ein.

Die Kommune mietet die Räume zunächst für 20 Jahre an – für 12 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter; dazu kommen monatliche Nebenkosten von 350 Euro. Das heißt: Die Stadt, die noch unter dem kommunalen Schutzschirm steht, zahlt den Investoren pro Jahr 70.240 Euro für Miete und Nebenkosten. Sie   profitiert aber dennoch gewaltig: In Zeiten knapper Kassen spart sie sich die Investition in einen Neubau, muss nicht nach einem Bauplatz Ausschau halten und sich auch nicht um die Unterhaltung des Gebäudes kümmern. Die Bauunterhaltung schlage, so rechnet Jörg Rotter vor, normalerweise gewaltig zu Buche. Als Beispiel nennt er die neue U3-Einrichtung an der Carl-Zeiss-Straße: Für 36 Plätze auf 406 Quadratmetern sind jährlich 52 758 Euro angesetzt. 

Die Außenanlage der neuen Ü3-Einrichtung ist allerdings relativ klein bemessen. Doch auch hier wurde eine Lösung gefunden: Die Kinder sollen den Spielplatz an der Marienstraße nutzen, der nur wenige Minuten entfernt ist. Dort müssen noch alte Spielgeräte ersetzt werden. Die Spielfläche soll aber auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Die Geburtenzahlen in Rödermark steigen: Im vergangenen Jahr wurden 249 Kinder geboren – das sind 51 mehr als im Jahr 2015. Hinzu kommen Zuzüge von Familien und geplante Neubaugebiete.

2385 Kinder bis zehn Jahre lebten im Vorjahr in Rödermark. Im Juni dieses Jahres zählte man bereits 2474 Kinder in diesem Alter. Damit die Stadt dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für über Dreijährige gerecht werden kann, müssen zusätzliche Kindertageseinrichtungen geschaffen werden. Deshalb prüft die Verwaltung, ob der Ausbau der Kinderbetreuung zukünftig mit ähnlichen Modellen gelingen kann – also ebenfalls in Zusammenarbeit mit Investoren und freien Trägern.

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