Rödermark

Auf den Spuren der 68er

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Bürgermeister Roland Kern erinnert sich an die „Revolte“ in Urberach. Einer der Autoren des Buches „Das Jahr der Revolte - Frankfurt 1968“ liest am Montag im Schillerhaus.

Linksanwalt – so wird Rödermarks Bürgermeister Roland Kern im Buch „Das Jahr der Revolte - Frankfurt 1968“ bezeichnet. Damals hatte er ein eigenes Anwaltsbüro in Darmstadt, gehörte mit zu den Menschen, die sich mit der 68er-Protestbewegung identifizierten.

Am Montag, 5. November, liest Bernd Messinger um 20 Uhr im Schillerhaus in Urberach aus dem Buch, das von ihm und von Claus-Jürgen Göpfert, leitender FR-Redakteur, verfasst wurde. Roland Kern haben die zwei Autoren dabei ein eigenes Kapitel gewidmet. Der Bürgermeister wird in der Lesung auch der Frage nachgehen, was von den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen der 68er geblieben und was heute im Zeichen des Rechtspopulismus wieder bedroht ist.

Die Forderungen der außerparlamentarischen Opposition fielen auch in Rödermark auf fruchtbaren Boden – wenn auch nicht gleich im Jahr 1968. Kern erinnert sich an die „Gruppe Y“, die sich im März 1971 in Urberach gründete. 13 junge Leute im Alter von 16 bis 24 hatten sich darin zusammengeschlossen und forderten ein Jugendzentrum in Selbstverwaltung. „Da waren CDU- und SPD-Mitglieder drin, die später Stadtverordnete wurden, aber auch DKP-ler“, sagt Kern, der mit 23 Jahren zu den Gründern der Gruppe gehörte. Den Rödermärker Kulturveranstalter Alternatives Zentrum hätte es wohl ohne die Gruppe Y nicht gegeben, meint Kern.

Die „Baader-Meinhof-Bande Urberach“

„Wir waren eine aufmüpfige Truppe, wollten von der Stadt Räume haben“, erinnert er sich. Die Gruppe sei deshalb von manchen als „Baader-Meinhof-Bande Urberach“ bezeichnet worden. „Aber wir waren absolut friedlich. Kein Kieselsteinchen wurde hier geworfen.“ Die Mitglieder der Gruppe Y hätten halt anders ausgesehen, seien einfach gegen die bestehenden Autoritäten gewesen.

Walter Faust (CDU), der Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Urberach, sagte den jungen Leuten eigene Räume zu. Allerdings dort, wo jeder Andere die Nase gerümpft hätte: im früheren Faselstall, in dem die Gemeinde die für die Zucht und Besamung bestimmten Bullen hielt. „Das war ein Haus mit besonderem Geruch“, erinnert sich Kern. „Der Bürgermeister dachte damals wahrscheinlich, wir würden die Räume deshalb nicht wollen.“

Das Uralt-Gebäude, das schon seit 1957 leer stand, sollte eigentlich abgerissen werden. Stattdessen räumte die Gruppe Y die Räume in wochenlanger Knochenarbeit aus, entkernte, verputzte, verlegte Boden und schuf sich so ihr Jugendzentrum. Später bekam die Jugend Räume in der Halle Urberach zugewiesen. Seit 1984 ist das damalige Jugendzentrum nun Töpfermuseum.

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