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"Gnadenlos gerecht - Sozialfahnder ermitteln" heißt die Serie. Manchmal sind die Sheriffs jedoch zu eifrig.

"Gnadenlos gerecht"

Rechtsbruch in Sat1-Sendung

Der Kreis Offenbach muss einem Mann, der in der Sat1-Sendung „Gnadenlos gerecht“ zu sehen war, wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts Schmerzensgeld zahlen.

1000 Euro erhält der Kläger von der Kreisverwaltung. Das hat Richter Norbert Habermann vom Offenbacher Amtsgericht entschieden. Die Gerichtskosten tragen die Parteien jeweils selbst.

Der damalige Hartz-IV-Empfänger sei in der Sendung, die zeigte, wie Ermittler der Kreisverwaltung Jagd auf mutmaßliche Sozialhilfebetrüger machten, zu erkennen gewesen, sagte Habermann. Teile von Auto, Haus und Firmenschild waren in einem Ausschnitt zu sehen, den der Richter beim vorigen Verhandlungstermin zeigte. Auch dass der Kläger ein orangefarbenes Oberteil trug, war zu sehen. Der Kreis hätte verhindern müssen, dass der Mann zu erkennen ist, urteilt Habermann.

Eine Einigung zwischen Kläger Markus A. und dem Kreis war gescheitert. Der Kläger hatte vorgeschlagen, dass Sat1 die Sendung nicht mehr ausstrahlt, der Kreis 1000 Euro an ihn zahlt, die er spenden werde, und weitere 1000 Euro direkt spende.

Die im Sommer 2008 ausgestrahlte Doku-Soap mit zwei Sozialermittlern des Kreises schlug damals auch politisch Wellen. Der Arbeitslosenverband Deutschland sprach von einer „öffentlichen Hetzjagd auf Hartz-IV-Empfänger“. Die Opposition im Kreistag griff den damaligen Landrat Peter Walter (CDU) scharf an. Die Grünen sahen in der Zusammenarbeit mit dem Privatsender einen Amtsmissbrauch, weil sensible Daten der Betroffenen veröffentlich geworden seien. Sie sprachen zudem von Hetzerei. ( cm)

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