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Die Pioneers mussten sich nicht groß verkleiden. Sie trugen einfach ihre Football-Trikots.

Ratsherr, Prinz und König

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Rodgau Tausende feiern in Jügesheim den Abschluss der Straßenfastnacht

Selbst in närrischen Zeiten demonstriert die Rathausspitze Gemeinsamkeit. Bürgermeister Jürgen Hoffmann trägt roten Hut, rote Jacke und rote halbhohe Hose, unter der eine weiße Strumpfhose hervorlugt. Ein Pirat? „Nein, ein Ratsherr“, sagt er, bevor er die Ehrentribüne am Jügesheimer Bahnhof erklimmt, in deren Mitte sich der frühere Bürgermeister Paul Scherer (CDU) postiert hat, Stadtrat Michael Schüßler hat sich für genau dasselbe Kostüm entschieden. Nicht mal bei der Farbe hat er variiert. FDP-Gelb steht offenbar derzeit auch beim Fastnachtsumzug nicht allzu hoch im Kurs.

Knapp zehntausend Menschen sind zum Abschluss der fünften Jahreszeit gekommen. „Mehr als 1111 Narren“ will Zugmarschällin Melanie Meyer-Marbach allein an Teilnehmern ausgemacht haben. Die ziehen als Legosteine vorüber, als Popcorntüten oder gar als Schallplatten. Ein König von „Haahause“, Rodgaus schönstem Town“, gibt sich die Ehre, für den Nieder-Röder Musikverein haut Jens Joneleit, ein inzwischen weltweit bekannter Komponist, auf die Pauke.

„Fastnachtszug im Herzen der Stadt“ hat die Interessengemeinschaft der Jügesheimer Ortsvereine als Motto ausgewählt. Zumindest an Fastnacht ist es mit der Stadtwerdung aber noch nicht allzu weit. „Giesem helau!“, hallt es durch die Straßen. Rodgau-Rufe sind wenig zu hören, obwohl sogar das Prinzenpaar längst als Rodgauer firmiert. Eine Variation des Fastnachtsgrußes haben „Peter und seine Hippies“ auf Lager. Sie rufen nicht Helau, nicht Olau oder gar Alaaf. Sie schmettern den nach Bonbons gierenden Kindern und all den anderen Narren ein fröhliches „Hellblau!“ entgegen. Die Rodgauer Stadtpolitik wird diesmal nicht groß aus Korn genommen, dafür die Bundeskanzlerin. „Die Knallkepp“ zeigen sie in einem Regenschirm sitzend im offenen Meer. Und die Schuldenwelle schwappt schon heran.

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