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Vorbildlich verhalten: Polizeioberkommisarin Jennifer Nawek.

Zivilcourage in Rödermark

Polizeibeamtin wird belobigt

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Vorbildlich hat sich Jennifer Nawek verhalten, als sie einen verunglückten Radfahrer wiederbelebte. Dafür ist die Polizeibeamtin jetzt von Landrat Oliver Quilling öffentlich belobigt worden.

Ein dreiviertel Jahr ist es jetzt her, aber Jennifer Nakew erinnert sich noch ziemlich genau an die damalige Situation. „Überwältigend“ sei es gewesen, als unter ihrer Hand ein Herz wieder zu schlagen begann. Die 30-Jährige hatte damals nicht lange gefackelt, sondern beherzt hingelangt. Sie reanimierte einen Radfahrer, der in einem Park im Rödermärker Stadtteil Urberach regungslos am Boden lag. Gestern erhielt sie dafür eine öffentliche Belobigung „als Signal an die Gesellschaft, dass wir Zivilcourage brauchen“, wie Landrat Oliver Quilling (CDU) sagt.

Viele sehen weg

Jennifer Nakew ist Polizeibeamtin, arbeitet seit zwei Jahren auf der Dienststelle in Dietzenbach. „So eine vorbildliche Hilfeleistung ist bei Weitem nicht üblich – auch wenn sie Polizistin ist“, meint der Landrat, der ihr die Urkunde und ein Geschenk des Landes Hessen überreicht. Er selbst sei in Erster Hilfe ausgebildet und habe sogar einen Defibrillator im Auto. „Trotzdem weiß ich nicht, ob ich das Richtige getan hätte“, gibt er zu, und lobt: „Sie haben genau richtig gehandelt.“ Viele Menschen würden wegsehen, nicht einmal die Polizei rufen.

„Das, was Sie hier geleistet haben, ist auch mit dem normalen Dienst bei der Feuerwehr nicht zu vergleichen“, findet auch der Mühlheimer Bürgermeister Daniel Tybussek, der es wissen muss: Er ist aktiver Feuerwehrmann in Dietesheim. Er spricht von einer besonderen psychischen und emotionalen Situation. Und auch die Polizeivizepräsidentin Anja Wetz ist stolz auf die junge Kollegin.

Nakew war am 14. April 2013 mit ihrem Kollegen zu einem Unfall in Rödermark-Urberach gerufen worden. Ein Radfahrer sei gestürzt und liege verletzt und regungslos am Boden, hieß es. „Wir waren zufällig in der Nähe, als der Funkspruch reinkam“, sagt die Mühlheimerin. Innerhalb von einer Minute war sie vor Ort.

„Ich habe schon von Weitem gesehen, dass sein Kopf in einer Blutlache lag“, erinnert sie sich. Beim Eintreffen sei der Puls noch spürbar gewesen. „Aber von einer Sekunde auf die andere war er weg, und das Gesicht des Mannes lief blau an.“

Zurück ins Leben geholt

Die Polizeioberkommissarin begann sofort mit der Herzdruckmassage und holte so den Radfahrer, der gegen einen Baum gefahren und mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufgeschlagen war, zurück ins Leben. „Ich habe ihn reanimiert, bis er komplett stabil war – auch als der Notarzt schon da war“, sagt sie. Dann konnte er mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht werden.

Dass der Verunglückte seine Kopfverletzungen trotzdem nicht überlebt hat, stimmt Nakew heute noch traurig. „Er lag im Koma, aus dem er nicht mehr aufgewacht ist.“ Die Polizistin hatte noch mehrere Male im Krankenhaus angerufen, um sich nach seinem Zustand zu erkundigen.

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