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Vor der 17. Ausgabe des Musikfestivals Open Doors, das am zweiten Juni-Wochenende in Neu-Isenburg wieder 15.000 Menschen anziehen könnte, ist der Blick vieler auf den Veranstaltungsort Friedrichstraße 43 gerichtet. Im Club Voltaire gab es beim Festival 2009 eine Schlägerei. Augenzeugen sprechen davon, dass eine Gruppe junger Leute den Laden regelrecht gestürmt und mit Fäusten und Flaschen um sich geschlagen habe.

Neu-Isenburg

Magistrat verbietet Punk-Konzert im Voltaire

2009 gab es beim Festival Open Doors Club eine Schlägerei, bei der ein junger Mann ein Auge verlor. Deshalb soll es in diesem Jahr kein Punk-Konzert geben - prophylaktisch. Von Achim Ritz

Von Achim Ritz

Vor der 17. Ausgabe des Musikfestivals Open Doors, das am zweiten Juni-Wochenende in Neu-Isenburg wieder 15.000 Menschen anziehen könnte, ist der Blick vieler auf den Veranstaltungsort Friedrichstraße 43 gerichtet. Im Club Voltaire gab es beim Festival 2009 eine Schlägerei. Augenzeugen sprechen davon, dass eine Gruppe junger Leute den Laden regelrecht gestürmt und mit Fäusten und Flaschen um sich geschlagen habe.

Es gab mehrere Verletzte und eine Massenpanik. Ein 21-jähriger Techniker der Musikgruppe Dolf, die an dem Abend im Club auf der Bühne stand, verlor bei der Schlägerei ein Auge. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen vier mutmaßliche Täter erhoben.

Um solche brutalen Szenen zu verhindern, hat der Magistrat entschieden, dass es im Club Voltaire beim nächsten Open Doors vom 11. bis 13. Juni kein Konzert einer Punk-Rockband geben soll. "Das war ein einstimmiger Beschluss", betonte Erster Stadtrat Herbert Hunkel gestern.

Das prophylaktische Nein des Magistrates zu Punkrock in der Friedrichstraße schließt ein, dass während des Musikfestivals an diesem Veranstaltungsort keine Getränke in Flaschen verkauft werden dürfen. "Wenn wir nicht reagieren würden, und es passiert wieder etwas, fragen uns die Leute hinterher, warum habt ihr das erlaubt", sagte Herbert Hunkel, der bei der Bürgermeister-Direktwahl am 30. Juni als Parteiloser antritt. Die CDU hat den 65-Jährigen auf den Schild gehoben.

SPD-Kandidat reagiert mit Unverständnis auf Magistratsbeschluss

Hunkels Kontrahent, SPD-Kandidat Christian Beck, reagiert mit Unverständnis auf den Beschluss des Magistrates, der von seinen Parteifreunden mitgetragen wurde, und er ist über Hunkels Äußerungen verärgert. Diese zeugten von einer völligen Unkenntnis der Musikrichtungen, die junge Menschen hörten. Der Erste Stadtrat suggeriert nach Ansicht von Beck, dass diejenigen, die ihre Musik präsentieren und dazu tanzen, für aggressive Stimmung sorgen.

"Das ist völliger Quatsch", meint der SPD-Bürgermeisterkandidat, der auch der Fraktion im Stadtparlament voransteht. Die Wahrheit sei, dass die Musiker von Dolf vergangenes Jahr Opfer von brutalen Schläger geworden seien. Die Opfer werden nach Darstellung von Christian Beck ein zweites Mal bestraft, wenn ihre Konzerte jetzt gestrichen würden.

Michael Kercher, Organisator von Open Doors und Schlagzeuger der Gruppe Gypsys, hat für den Club Voltaire zwar andere Bands gefunden, doch er hält nichts von dem Verbot des Auftritts von Dolf. "Das ist doch gar keine Punkband", sagte Kercher gestern. Schlägereien gebe es leider ab und an, doch das sei unabhängig von der Musikrichtung. Mit den Streetworkern und den Sicherheitsleuten, die im Club Voltaire für aufpassen sollen, habe er gesprochen. Es werde dieses Jahr auf jeden Fall mehr Personal geben.

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