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Große Ingenieurskunst: Ein Drittel des Gebäudes ist freischwebend, hängt quasi in der Luft.

MHK-Group in Dreieich

Kühnes Meisterwerk der Architektur

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Mit der neuen Europazentrale seiner MHK Group hat sich Firmenchef Hans Strothoff am Ortseingang von Sprendlingen selbst ein Denkmal gesetzt

Wer dieses Bauwerk zum ersten Mal sieht, dem bleibt der Mund offen stehen: Am Ortseingang von Dreieich-Sprendlingen hat sich Hans Strothoff quasi selbst ein Denkmal gesetzt. Der Firmengründer und Chef der MHK Group hat nicht nur neue Standards in Dreieich gesetzt, seine neue Europazentrale ist ein Meisterwerk der Architektur. Anfang dieser Woche sind die Mitarbeiter in das spektakuläre Gebäude an der Frankfurter Straße 155 umgezogen, und wenige Tage später konnte die Frankfurter Rundschau bei einem Gesprächstermin einen Blick unter das Dach des monumentalen gläsernen Firmensitzes werfen.

Das Herausragende zuerst: 32 Meter des 112 Meter langen Gebäudes hängen quasi frei schwebend in der Luft. „Auskragung“ nennt Marc Uhlenbrauck, Geschäftsführer der Allgemeinen Immobilien Treuhandgesellschaft (AIT), einer Tochtergesellschaft der MHK Group, bei der Führung durch das Gebäude den unglaublichen Überhang. 

Gleich noch einen Superlativ obendrauf: Das Gebäude sei erst einmal „schief“ gebaut worden, berichtet Uhlenbrauck. Erst durch das Gewicht der Möbel und der Mitarbeiter stelle es sich gerade. „Jedes Haus setzt sich. Stahlkonstruktionen auch – erst recht, wenn sie so frei hängen.“ Trotzdem sei es eine beeindruckende Leistung der Statiker, denn die Kombination mit den starren, riesigen Glasscheiben war eine architektonische Herausforderung. Das renommierte Frankfurter Büro Albert Speer & Partner hat die Pläne für den 60 000 Quadratmeter großen Gesamtkomplex erstellt.

In der Mitte der neuen Firmenzentrale weitere Hingucker: zwei große Lichthöfe aus Glas, die unter einem transparenten Dach von Etage zu Etage für Helligkeit sorgen.

An der Unterseite der Auskragung spiegelt sich die 80 Meter lange, grau geflieste Wasserfläche, die vor dem Haupteingang angelegt wurde. Kein Springbrunnen, sondern einfach ein vier Zentimeter tiefes Wasserfeld, das bei Wind leichte Wellen aufwirft. Understatement pur.

Diese Einschätzung kommt einem auch in dem großen, weißen Raum im Erdgeschoss in den Sinn, der die Bezeichnung Kantine eigentlich nicht verdient: weiße Ledersessel und Sitzbänke, moderne Kronleuchter an der Decke, riesengroße Fensterscheiben, die den Blick auf die schöne Parkanlage freigeben. „Restaurant-Charakter“, sagt Kirk Mangels, Vorstandsmitglied der MHK-Group, und erklärt, Strothoff sei es wichtig, dass sich seine Mitarbeiter hier wohlfühlen. Schließlich sei das ein Ort der Begegnung. Aramark, der Caterer der Commerzbank-Arena, sorgt für das leibliche Wohl mit Gerichten wie dem Schweinerückensteak vom Hohenloher Landschwein, das dank Subventionierung für 4,50 Euro zu haben ist.

Zum Wohlfühlen gehören auch: helle Räume mit bester Aussicht, Klimaanlage und ergonomische Schreibtische, Wände, die den Schall schlucken, ein hochwertiges Mittagessen zum günstigen Preis, Teeküchen für jedermann, ein Park zum Flanieren vor der Haustür. Da sollte einem die Arbeit doch leicht von der Hand gehen.

Das war sicher die Intention von Hans Strothoff, als er Ende November 2015 beim Spatenstich erklärte: „Wer Zukunft einfordert, muss Zukunft schaffen.“ In der neuen Europazentrale würden alle seine Konzerngesellschaften unter einem Dach zusammenarbeiten, hatte Strothoff erklärt. 

Der Firmenchef hat den interessanten Angeboten anderer Städte widerstanden, die ihm Areale für die Europazentrale offeriert hatten. Er blieb Dreieich treu, hat peu à peu die notwendigen Grundstücke aufgekauft und laut Landrat Oliver Quilling (CDU) 100 Millionen Euro in den Neubau investiert. Seine Heimatstadt hat damit nicht nur ein elegantes Entree bekommen, sondern auch zusätzliche Veranstaltungsräume. Direkt neben seiner Europazentrale hat Strothoff nämlich noch das „area3“ geschaffen, ein 1650 Quadratmeter großes Forum, das für Veranstaltungen, Messen, Kongresse und Tagungen genutzt werden soll. Das Gebäude ist auch für die Allgemeinheit anmietbar.

Die Bauten auf dem Campus setzen auch energetisch Maßstäbe: Auf allen Gebäuden sind Photovoltaikanlagen installiert, rund 90 Prozent der Stromkosten werden über die Sonnenenergie abgedeckt. Die neue Firmenzentrale hat eine Doppelfassade: Hinter den acht Meter langen Glasscheiben sitzt im Abstand von 50 Zentimetern eine zweite Scheibe, dazwischen sind die Jalousien eingebaut. Die Klimatisierung erfolgt über den Boden, wird unterstützt von Deckensegeln, über die kalte und warme Luft strahlen kann. Geheizt wird mit Gas und Pellets, Das Wasser für die Pflanzen im Park kommt aus Zisternen, die unter der Erde das Regenwasser von den Dachflächen sammeln. Die neue Firmenzentrale – auch ökologisch ein Vorzeigeprojekt.  

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