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Die Finanzbeteiligungen des Kreises Offenbach am Urlaubsresort Fleesensee und an der Wohnanlage Sonnengarten Glienicke sind seit zehn Jahren heftig umstritten. Landrat Peter Walter (CDU) zieht vier Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit eine positive Bilanz. Der Kreis habe mit seinen Anlagen weitsichtig gehandelt und eine angemessene Rendite erzielt.

Umstrittene Kreisbeteiligungen

Heute würde er nicht mehr kaufen

Landrat Walter rechtfertigt die Beteiligung an der Ferienanlage Flessensee und der Villensiedlung Glienicke trotz der Wertminderung. Die Opposition kritisiert ihn deshalb heftig. Von Achim Ritz

Von Achim Ritz

Um die umstrittenen Finanzbeteiligungen des Kreises Offenbach am Urlaubsresort Fleesensee und an der Wohnanlage Sonnengarten Glienicke zu erklären und Journalisten einen Überblick zu verschaffen, braucht Landrat Peter Walter (CDU) an diesem Vormittag im Kreishaus in Dietzenbach mehr als eine Stunde.

Immer wieder verlässt er in seinem Zimmer den Platz am Holztisch, geht zur Flip-Chart an der Wand, wo Millionensummen aufgelistet sind. Hinter den Zahlen stehen Wörter wie Investitionen in Geldmarktfonds, Steuerersparnisse oder aktuelle Wertberichtigung.

Am Ende seiner Erläuterungen eines scheinbar intransparenten Konglomerats an Beteiligungen zieht der Landrat vier Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit eine positive Bilanz. Der Kreis habe mit seinen Anlagen weitsichtig gehandelt und eine angemessene Rendite erzielt.

Die seit Jahren wegen der angeblich risikoreichen Investitionen "laufende Hysterie der Opposition im Kreistag", so Walter, erweise sich aus seiner Sicht als Potemkinsches Dorf. Da sei viel Lärm um etwas Normales gemacht worden.

Auf die Frage der Frankfurter Rundschau, ob er heute wieder eine Summe von 56 Millionen Euro in Berliner Wohnanlagen, einen Freizeitpark in Mecklenburg-Vorpommern und in Geldmarktfonds stecken würde, schüttelt Walter den Kopf.

Aus heutiger Sicht wäre es besser, eine konservative Lösung zu finden. "So einen Weg zu gehen wie 1999, das würde sich heute verbieten", sagt der Landrat.

Mit diesem Statement gesteht Peter Walter allerdings keine Fehler ein. Und schon gar nicht gibt er der Opposition recht, dass durch die Beteiligungen Steuergeld vernichtet worden sei oder gar der Totalverlust des Anlagevermögens bevorstehe. Andere Kommunen hätten im gleichen Zeitraum mit ihrem Beiteiligungsmodellen viel Geld verloren.

Der Kreis Offenbach aber hat nach Ansicht des Landrates Erträge in Höhe von 17 Millionen Euro erzielt. Das sei die Summe der Ausschüttungen aus den Geldmarktfonds, aus den Wohn- und Freizeitanlagen sowie aus Steuerersparnissen. Das Geld sei verwendet worden, um die Defizite der Kreisverkehrsgesellschaft zu finanzieren.

zwei Wahrheiten - Ertrag und Wertverlust

Der Ertrag von 17 Millionen ist eine Wahrheit, die aus dem jetzt von Wirtschaftsprüfern vorgelegten Bericht gelesen werden kann. Bei der anderen Wahrheit stehen 6,2 Millionen Euro Verlust unterm Strich, denn der Kreis investierte 56 Millionen. Die Beteiligungen sind aber nur noch rund 50 Millionen Euro wert.

Der Kreis hatte vor rund zehn Jahren seine Anteile an der Energieversorgung Offenbach (EVO) an die Mannheimer MVV Energie AG verkauft und bei einem Buchwert von 21 Millionen 78,7 Millionen Euro eingenommen. Das Geld ging an die Tochter des Kreises, die Kreisversorgungsbeteiligungsgesellschaft. Da diese und nicht der Kreis das Geld in die Anlagen steckte, mussten nur 22 statt 30 Millionen Euro Steuern gezahlt werden.

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