+
In Obertshausen schon Realität, in Rodgau bisher noch Fiktion: ein CAP-Markt zur Lebensmittelversorgung.

Kreis Offenbach

CAP-Märkte gegen Verödung

  • schließen

Die CDU-Fraktion möchte soziale Vollsortimenter in leerstehenden Läden in Jügesheim und Nieder-Roden etablieren.

Seit Ende des vergangenen Jahres haben die Jügesheimer ein Problem: Nördlich der Kirche gibt es keinen Lebensmittelmarkt mehr. Noch härter trifft es die Nieder-Röder: Auf dem Puiseauxplatz herrscht schon lange gähnende Leere. Das könnte sich schon bald ändern – wenn die Rodgauer Stadtverordneten einem Antrag der CDU-Fraktion zustimmen, dort CAP-Märkte einzurichten. Diese Supermärkte mit den drei leuchtend roten Buchstaben auf gelbem Grund bringen Menschen mit Behinderung und ältere Arbeitssuchende in Brot und Arbeit und siedeln sich dort an, wo sich andere Anbieter zurückgezogen haben.

„Das ist keine Erfindung der CDU. Diese Supermärkte gibt es schon in anderen Orten“, sagt Ulrich Jung, Pressesprecher der Rodgauer CDU. Er verrät, dass im Magistrat schon vor einem Jahr erstmals über dieses Konzept gesprochen wurde. Da der Lebensmitteldiscounter Norma seinen Laden in der Ludwigstraße in Jügesheim geschlossen hat, verleiht die CDU dem Thema nun Nachdruck. Der Magistrat solle prüfen, ob und wie die Nahversorgung insbesondere für die Stadtteile Nieder-Roden und Jügesheim durch die Einrichtung von CAP-Märkten verbessert werden kann, heißt es im CDU-Antrag.

Nach dem Willen der Fraktion soll sich der Magistrat drei Punkten widmen: Ob und wie solche Märkte auf einer wirtschaftlichen Grundlage betrieben werden können, mit welchem Warenangebot eine bessere Versorgung in einzelnen Stadtteilen sichergestellt werden kann, und wie solche Modell in das Einzelhandelskonzept integriert werden können, das die Stadt im Vorjahr in Auftrag gegeben hat. Die Magistratsmitglieder sollen dabei mit Immobilieneigentümern, dem Landeswohlfahrtsverband, der Behindertenhilfe Stadt und Kreis Offenbach, den Werkstätten Hainbachtal und der Agentur für Arbeit sprechen.

Der Name der CAP-Märkte leitet sich von „Handicap“ ab, dem englischen Wort für Benachteiligung. Behinderte und nicht behinderte Menschen arbeiten dort Hand in Hand. Die Belegschaft rekrutiert sich auch aus älteren Arbeitssuchenden (über 50 Jahre) und schwer Vermittelbaren. Die Einkaufsmärkte beruhen auf einem Franchise-System und führen das gleiche Sortiment wie die großen Lebensmittelketten. Ihr entscheidender Vorteil: Sie müssen keine großen Gewinne abwerfen, ihnen genügt eine schwarze Null. Da sie Schwerbehinderte beschäftigen, erhalten sie staatliche Zuschüsse.

„Die Märkte sind Vollsortimenter mit 7000 bis 10 000 Artikeln“, weiß Margit Müller-Ollech, Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes. In Obertshausen hat sich schon im Jahr 2006 ein CAP-Markt angesiedelt. Dort sind die Werkstätten Hainbachtal Franchisenehmer. „Was in Obertshausen ins Leben gerufen wurde, hat uns mutig gemacht“, sagt sie, und erzählt, dass einige Mandatsträger ihrer Partei sich dort ein Bild gemacht haben.

Müller-Ollech hat schon konkrete Vorstellungen zu den Rodgauer Standorten: In Jügesheim verweist sie natürlich auf den leerstehenden Norma-Markt, der eine Verkaufsfläche von rund 300 Quadratmetern aufweist. „7000 Menschen wohnen im und rund um den Altort, also im östlichen Teil von Jügesheim“, sagt sie. Dort sei außer dem Bioladen Haller fußläufig keine Lebensmittelversorgung vorhanden.

In Nieder-Roden ist nach Meinung von Müller-Ollech der ehemalige Schlecker-Markt auf dem Puiseauxplatz geeignet, der rund 1000 Quadratmeter groß ist und schon seit drei Jahren leer steht. Sollte dann auch noch das Areal zwischen der Bahnlinie und der Heinrich-Böll-Schule als Wohngebiet entwickelt werden, könne sich das Einzugsgebiet des sozialen Supermarktes sogar noch vergrößern – „auch wenn die Kooperation derzeit dort keine Flächenentwicklung sieht“, so die Unionspolitikerin.

Über den Antrag beraten jetzt die Ausschüsse. Die Stadtverordneten werden am 17. Februar darüber entscheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare