Dietzenbach

Bürogebäude als Behelfsschule

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Helen-Keller-Schule ist wegen Setzrissen nicht mehr reparabel.

Die Schüler der Helen-Keller-Schule in Dietzenbach werden nicht mehr in ihr Schulgebäude zurückkehren können, das seit Oktober wegen plötzlich aufgetretener Setzrisse gesperrt ist. Fachleute, die der Kreis Offenbach mit der Begutachtung betraut hatte, stellten in der vergangenen Woche fest, dass das in den 1980er Jahren errichtete Gebäude irreparabel ist. Es soll abgerissen werden. 

Laut Landrat Oliver Quilling (CDU) versucht der Kreis aktuell, ein Bürogebäude an der Voltastraße 6 in Dietzenbach, das ursprünglich für Flüchtlinge vorgesehen war, als längerfristiges Provisorium für Schulzwecke herzurichten. Das Haus, in dem einst das IT-Unternehmen Controlware saß, stand über Jahre leer. Die auf zwei Standorte verteilten rund 120 Förderschüler sollen am 1. Februar kommenden Jahres wieder zusammengeführt werden.

Zu Beginn der Herbstferien waren plötzlich Risse im Mauerwerk der Schule mit Förderschwerpunkt Lernen festgestellt worden. Die Schüler erhielten deshalb eine zusätzliche Woche schulfrei. Ab 22. Oktober kamen sechs Klassen in der benachbarten Heinrich-Mann-Schule unter, die Schüler von vier Klassen fahren seitdem täglich gut 30 Minuten nach Seligenstadt zur Don-Bosco-Schule, die ebenfalls auf den Förderschwerpunkt Lernen ausgerichtet ist.

„Die Spannungs- und Setzungsrisse sind außen nicht zu erkennen, aber im oberen Stockwerk an der Decke gut zu sehen“, sagte Schulleiter Berthold Geist auf FR-Nachfrage. Das Gebäude, das Anfang der 80er-Jahre gebaut wurde, sei im linken Teil etwas nach hinten gekippt, und auch der Boden sei schräg, berichtet er. 

Statiker seien „vom ersten Tag an beauftragt“ worden, erklärte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU). Es liefen immer noch Untersuchungen. Man könne aber mutmaßen, dass der lange, trockene Sommer ursächlich sei für die Risse. Eine Lehmlinse unter der Helen-Keller-Schule sei wahrscheinlich ausgetrocknet, der lehmige Untergrund deshalb brüchig geworden und gerissen.

Der benachbarten Heinrich-Mann-Schule konnte die Trockenheit jedoch nichts anhaben. „Die hat einen Keller und damit eine andere Bodengründung. Unser Haus hat nur eine Bodenplatte“, so Schulleiter Geist.

„Wir werden wohl eine neue Schule am alten Standort bauen“, blickte Jäger voraus. Der Boden müsse aber noch genauer untersucht werden, und als Bauzeit müsse man mindestens zwei Jahre ansetzen. „Die Nutzung des Bürogebäudes in der Voltastraße hat für uns Priorität“, sagte Quilling. Wenn das nicht möglich sei, würde eine Containerlösung am alten Standort angedacht. Der Kreistag hatte in seiner Sitzung am 31. Oktober überplanmäßige Ausgaben von 500.000 Euro für Containerbauten beschlossen.

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