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Das Bürogebäude im Dietzenbacher Theodor-Heuss-Ring soll zu einer Moschee der Ahmadija umgebaut werden.

Dietzenbach

Anwohner gegen Moschee

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Eine Dietzenbacher Bürgerinitiative fürchtet Verkehr, Lärm, aber auch die Ideologie der Ahmadiyya. Die muslimische Gemeinde will im Theodor-Heuss-Ring eine Moschee eröffnen. Von Christoph Manus

Anwohner des Theodor-Heuss-Rings in Dietzenbach haben eine Initiative gegründet, um die von der Ahmadiyya-Gemeinde geplante Nutzung des Gebäudes Theodor-Heuss-Ring 48 als Moschee und Gemeindezentrum zu verhindern. Sie haben nach eigenen Angaben bereits 211 Unterschriften gegen die Nutzungsänderung gesammelt.

Die Bürgerinitiative Haus 48 fürchtet zum einen zunehmenden Verkehr, Lärm und Parkplatznot. Vor allem stört sie aber die Ideologie der Ahmadiyya. Auf ihrer Homepage behauptet die Initiative etwa, die 1889 in Indien gegründete Religionsgemeinschaft plane die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und die Einrichtung des Kalifats mit Scharia-Recht. Sie beruft sich dabei auf Aussagen der Sozialwissenschaftlerin Hiltrud Schröter.

Ahmadiyya-Frauen dürften nur mit Erlaubnis ihres Mannes am Berufsleben teilnehmen, die Frauen dürften außerdem durch "negative Zärtlichkeiten" diszipliniert "und somit offen geschlagen werden", heißt es weiter auf der Homepage der Initiative.

Kein Treffen mit Ahmadiyya-Vertretern

Ein Treffen mit Vetretern der Ahmadiyya-Gemeinde lehnt Klaus Höfer von der Bürgerinitative ab. Er sehe keine Veranlassung mit einer "antidemokratischen Gemeinschaft Gespräche zu führen", sagte er am Montag. Die Initiative betont, sie richte sich nicht "gegen die Muslime", sie sei für den Erhalt des christlich-europäischen Werteverbundes. Rechtsextremisten und Ausländerfeinde würden in der Initiative nicht geduldet.

Der Vorsitzende von Ahmadiyya Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, sagte der Frankfurter Rundschau am Montag, die Vorwürfe seien ihm bekannt. Sie stammten aus der politisch rechten Ecke und seien "Schwachsinn". Die Ahmadiyya würden auch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Niemand dürfe zudem seiner Frau Vorschriften zu ihrer Berufstätigkeit machen. Auch Gewalt gegen Frauen sei tabu. "Wenn wir mitbekommen, dass jemand seine Frau schlägt, kann er exkommuniziert werden", sagte Wagishauser.

Die Gemeinde sei derzeit dabei, die baurechtlichen Fragen für die Umnutzung des von der Gemeinde gekauften Gebäudes in eine Moschee zu klären. Bauantrag und Antrag auf Nutzungsänderung sind noch nicht bei der Kreisverwaltung eingegangen. Man plane zudem eine Informationsveranstaltung zum Thema Moschee.

Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) kündigte am Montag ein Treffen mit der Bürgerinitiative noch in dieser Woche an. Er habe die Gemeinde gebeten, die Nachbarn über das Vorhaben zu informieren und klarzustellen, mit wie vielen Besuchern man rechnet. Beides sei nicht geschehen, kritisierte er. Er werde großen Wert darauf legen, dass die Stellplatzsatzung eingehalten wird.

Zu den Vorwürfen der Bürgerinitiative, Ahmadiyya plane die Abschaffung der freiheitlichen Grundordnung, sagte Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU), die Gemeinde sei nicht verboten, weil sie keine rechtsstaatlichen Prinzipien verletze. Rogg hatte die Ahmadiyya Anfang des Monats gegenüber der FR als eine "sehr friedvolle" Gemeinde bezeichnet, die sich auch am gesellschaftlichen Leben in Dietzenbach beteilige.

Die Ahmadiyya-Gemeinde plante bereits vor Jahren, in Dietzenbach eine Moschee zu bauen. 2003 scheiterte ein Vorhaben unter anderem an den Bauvorschriften.

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