Prävention in Rödermark

Arm in einer reichen Stadt

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Armut wird immer mehr ein Thema in Rödermark, besonders in Kindereinrichtungen. Obwohl die Bewohner eher wohlhabend sind. Die Stadt und kirchliche Verbände laden zu einer Tagung über Prävention ein.

Dass Armut in Dietzenbach, aber auch der einnahmestarken Stadt Neu-Isenburg seit Jahren ein Thema ist, bestreitet niemand. Aber in Rödermark? Die Stadt ist zwar verschuldet. Doch ihre Bewohner sind eher wohlhabend. Nur in Dreieich sind die Durchschnittseinkommen noch höher.

Deutlich weniger Menschen als im Kreisdurchschnitt beziehen nach Zahlen des 2009 erschienenen Sozialstrukturatlanten Grundsicherung im Alter oder Arbeitslosengeld II. Während in Neu-Isenburg jedes fünfte Kind von Hartz IV lebt, in Dietzenbach mehr als jedes vierte, beziehen in Rödermark nur die Eltern von jedem zehnten Kind Leistungen nach Sozialgesetzbuch II. Das sind aber immerhin 451 Kinder.

Auch die Zahl der Alleinerziehenden und der besonders kinderreichen Familien ist in Rödermark vergleichsweise gering. Nur für die deutlich kleineren Kommunen Egelsbach, Heusenstamm, Seligenstadt und Mainhausen schätzt der Kreis die sozialen Risiken noch niedriger ein als in Rödermark.

Kein Geld für Winterkleidung

Offen sichtbar sei Armut in Rödermark kaum, sagt Edith Itta, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Senioren. Besonders in den Kindereinrichtungen werde das Thema aber immer mehr präsent. So fielen den Erzieherinnen häufiger als früher Kinder auf, die – offenbar auch aus Kostengründen – nicht der Jahreszeit entsprechend gekleidet sind, die also etwa keine Winterstiefel haben. Eltern hätten zudem Schwierigkeiten, ihren Kindern das Geld für einen Ausflug zu bezahlen. Kochkurse in Kinder- und Jugendeinrichtungen seien auch begehrt, weil es wieder Heranwachsende gibt, die offenbar an Hunger leiden.

16,5 Prozent der Kinder in den städtischen Kitas bekommen ihr Mittagessen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket bezahlt – und das, obwohl die Mahlzeit nur gefördert wird, wenn die Eltern arbeiten. Lebensmittelausgaben wie der Brotkorb der evangelischen Petrusgemeinde würden immer häufiger aufgesucht.

Eine kindgerechte Stadt

„Sind es nur Einzelbeobachtungen oder verändert sich wirklich etwas?“ – das wollen Itta, der Caritasverband Offenbach und das evangelischen Dekanat Rodgau bei einer Fachtagung am Freitag, 30. November, herausfinden, bei der die Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Armutsprävention diskutiert werden. Über dieses Thema wird Walter Hanesch, Professor am Institut für soziale Arbeit und Sozialpolitik an der Hochschule Darmstadt, sprechen. Er leitet ein Forschungsprojekt, das sich mit den Teilhabemöglichkeiten von älteren, sozial benachteiligten Bewohnern des Seewaldgebiets in Urberach beschäftigt. Georg Horcher, Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie und Soziales in der Kreisverwaltung, wird Zahlen zur Situation in Rödermark präsentieren, Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Auswirkungen der Kinderarmut beschreiben.

„Wie kann man eine kindgerechte Stadt aufbauen, damit Armutszirkel nicht entstehen?“, sei eine entscheidende Frage, der die Projektpartner nachgehen müssten, sagt Christa Gehring vom Caritasverband. Kirchen, Politik und und Unternehmen hätten den Auftrag, gemeinsam soziale Ungerechtigkeiten anzugehen , sagt Boris Slamka vom Dekanat Rodgau.

Wer teilnehmen will, meldet sich bei Miriam Brockmann, 06074/911622, miriam.brockmann@roedermark.de.

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