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Hospizhelfer stehen Sterbenden in den schwersten Stunden zur Seite.

Stadt und Kreis Offenbach

Begleiter auf dem letzten Weg

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Der Malteser Hilfsdienst braucht ehrenamtliche Hospizhelfer. Warum suchen Menschen freiwillig den Umgang mit Sterbenden? „Die Ehrenamtlichen gehen gestärkt aus der Arbeit hervor“, sagt Ute Kern-Müller von der Caritas.

Die Frau wollte zu Hause sterben. Ihr Mann sollte dabei am Bett sitzen. Obwohl er an Demenz erkrankt und auf Hilfe angewiesen war, konnte der Wunsch der Frau aus dem Kreis Offenbach erfüllt werden. Möglich wurde dies, weil Hospizhelfer seit zwei Jahren in einem Netzwerk mit Sozial- und Palliativdiensten, Hausärzten und Kliniken zusammenarbeiten.

Wenn das Leben sich dem Ende zuneigt, brauchen Schwerstkranke nicht nur medizinische Pflege. Für Menschen, die zu Hause sterben möchten, bietet der Malteser Hilfsdienst für Heusenstamm, Obertshausen und Neu-Isenburg einen ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst an. Ehrenamtliche Begleiter besuchen regelmäßig die Kranken, Sterbenden und deren Angehörige, und stehen ihnen in den schweren Stunden zur Seite.

„Die Hospizbegleiter sind Türöffner für Themen wie Trauer und Tod, die oft in den Familien tabuisiert werden“, sagt Koordinatorin Marion Perner. Dabei erinnern sie die Familien häufig an Traditionen und Rituale des Abschiednehmens. Zurzeit stehen dem Malteser Hospizdienst 23 Helfer bereit. 2009 begleiteten sie 60 Menschen, von denen 30 verstorben sind. Der Hilfsbedarf steigt.

Der Malteser Hilfsdienst sucht für den im Oktober beginnenden Ausbildungszyklus neue Freiwillige. Den Umgang mit den Sterbenden lernen sie an sechs Wochenenden in einer fundierten Ausbildung und einem 60-stündigen Praktikum in einer Pflegeeinrichtung. Die Teilnehmer müssen 350 Euro für ihre Ausbildung selbst zahlen. Danach bietet der Hospizdienst Supervisionen und Reflexionsarbeit an. Während der Begleitung Sterbender stimmen die Hospizhelfer ihre Besuche mit den anderen Diensten ab und geben Auffälligkeiten weiter.

Oft erhält der Hospizdienst aus dem Krankenhaus Bescheid, wer Hilfe braucht. „Wir klären bei der Entlassung der Schwerkranken ab, wie viel Pflege notwendig ist und was die Familie leisten kann“, erklärt Klaudia Stock vom Sozialdienst des Ketteler-Krankenhauses in Offenbach.

Dabei sei es wichtig, wenn die Familie früh Kontakt zu den Hospizhelfern aufnimmt, um die Begleitung professionell und zufriedenstellend zu gestalten. „Es reicht nicht, wenn die Schwiegertochter Zeit hat,“ sagt Stock. „Die Hospizhelfer werden gleichberechtigt in die Kommunikation mit den anderen Diensten eingebunden“, berichtet Ute Kern-Müller von Caritasverband.

Die meisten Hospizhelfer sind Frauen in der zweiten Lebenshälfte. Sie sollten für das Ehrenamt ein eigenes Auto und Zeit zur flexiblen Einteilung mitbringen. Natürlich sind auch Männer für die Ausbildung willkommen. Alle Bewerber müssen mindestens 25 Jahre alt sein. „Die Ehrenamtlichen gehen gestärkt aus der Arbeit hervor“, berichtet Kern-Müller von ihren Erfahrungen. Sie hätten oft mehr Kraft und einen neuen Blick auf die Gesellschaft.

Einen Info-Abend gibt es am Mittwoch, 22. September, um 19.30 Uhr im Malteser-Zentrum, Bieberer Straße 131, in Obertshausen.

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