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Die Künstlerin Uschi Heusel hat die Werbung auf den drei Midi-Niederflurbussen gestaltet.

Dieselbusse

Busse mit Dieselaggregaten statt Batterien in Dietzenbach

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Die Stadtwerke Dietzenbach haben drei Midi-Busse mit Dieselmotoren gekauft. Elektroantrieb lohne sich derzeit in der Stadt noch nicht, heißt es.

Es steckt nicht drin, was außen drauf steht: „EDIE-Strom“ ist in weißen Lettern auf rotem Grund auf den Seitenscheiben der drei neuen Stadtbusse in Dietzenbach zu lesen – aber unter den Motorhauben arbeiten die Diesel. Beim Austausch der 15 Jahre alten Vorgängermodelle haben die Stadtwerke Dietzenbach den Umweltaspekt außer Acht gelassen, könnte man meinen. Aber so ganz stimmt das nicht.

Andere Städte gehen mit bestem Beispiel voran: In Frankfurt wurde eine Buslinie im Dezember auf elektrischen Betrieb umgestellt, Wiesbaden und Darmstadt wollen so viele E-Busse bestellen, dass sie den Busverkehr bis 2025 elektrisch betreiben können, in Offenbach ersetzen die Stadtwerke alte Diesel schrittweise durch „Stromer“, beginnend mit dem Fahrplanwechsel Ende 2019. In Dietzenbach dagegen kommen nun im Nahverkehr auf den Linien 56 und 57 erneut Dieselomnibusse zum Einsatz. Sie haben aber zumindest einen AdBlue-Tank zur Abgasreinigung, erfüllen somit die Abgasnorm Euro 6.

Den Ausschlag für die Anschaffung der dieselbetriebenen Variante gab ein E-Coach-Berater des Landes Hessen, erklärte Nadja Lubrich, Prokuristin der Stadtwerke. Er beriet das Unternehmen 2017 in Sachen E-Mobilität, berechnete die Wirtschaftlichkeit von Elektrobussen beim Einsatz in Dietzenbach, rechnete auch die Förderprogramme mit hinein. Ergebnis: „Elektroantrieb hätte sich gelohnt, wenn der Fuhrpark größer gewesen wäre“, so Lubrich.

Es hapert an der Reichweite

Die Gremienbeschlüsse seien zwar Ende 2017 gefallen, doch es hapere nach wie vor an der Reichweite: E-Busse schaffen im Schnitt rund 200 Kilometer – aber nicht, wenn es wie auf den Hexenberg bergauf geht oder wenn die Heizung oder Klimaanlage läuft. „Wir können uns also nicht darauf verlassen, dass batteriebetriebene Busse unsere Rundläufe schaffen, hätten einen zusätzlichen Bus gebraucht“, erklärte Lubrich.

E-Busse seien durchaus im Angebot gewesen, sagte Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) bei der „Jungfernfahrt“, für die er sich mitsamt Ehrengästen auf einem Übungsplatz hinter das Steuer eines neuen Busses klemmte. „Aber die sind doppelt so teuer.“ Pro MAN-Midi-Bus mit 30 Sitz- und 52 Stehplätzen habe man nun 230 000 Euro netto bezahlt.

Trotzdem wollten sich die Stadtwerke der batteriebetriebenen Technologie nicht verschließen. „Wir haben nach fünf Jahren die Möglichkeit, die Busse an MAN zu einem feststehenden Preis zurückzugeben und auf die elektrobetriebene Variante umzusteigen“, sagte Lubrich. Im Gegensatz zu anderen Stadtwerken in der Region hätten die Dietzenbacher Stadtwerke die Linien nicht ausgeschrieben, seien Eigentümer der Busse und könnten sie damit auch jederzeit auf dem freien Markt verkaufen, so Geschäftsführer Christian Locke.

Optisch sind die neuen Busse auf jeden Fall eine Augenweide: Der Comic-Drache EDIE, den die Dietzenbacher Künstlerin Uschi Heusel entworfen hat, fliegt auf den Seitenscheiben.

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