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Was die Burgherren speisten

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Von: Christoph Manus

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Vergangenes Jahr gingen die Ausgrabungen auf der feuchten Wiese los. Viele freiwillige Helfer packten mit an.
Vergangenes Jahr gingen die Ausgrabungen auf der feuchten Wiese los. Viele freiwillige Helfer packten mit an. © Chris Hartung

Ausgrabungsfunde in Hainhausen erhellen die Geschichte einer adeligen Familie. Die Archäologen legen Teile des Innenhofes einer Burganlage frei. Dabei finden sie auch Tierknochen, die verraten, was die Burgbewohner gegessen haben

Die Herren von Hainhausen legten Wert auf Komfort – und konnten ihn sich auch leisten. Anderswo wärmte man sich bestenfalls an einem offenen Kamin, die Adeligen, die später als Eppsteiner große geistliche und weltliche Macht erlangten, hatten einen Kachelofen.

Doch nicht nur der Fund von Becherkacheln, die dazu dienten, die Hitze des Ofens länger zu erhalten, weist für die Kreisarchäologinnen Dagmar Kroemer und Gesine Weber darauf hin, dass die Burganlage, die sie seit vergangenem Jahr nach und nach freilegen, einer hochstehenden mittelalterlichen Familie gehört haben muss. Dafür sprechen etwa Bodenfliesen, aber auch Tierknochen. Die Bewohner der Burg auf einer ganzjährig feuchten Wiese in Nähe der Rodau verspeisten nicht nur Schweine und Rinder, sondern auch Hirsche. „Das ist spannend, weil das Jagdrecht damals nur der höhere Adel hatte“, sagte Kroemer gestern bei der Präsentation der Funde.

Nachdem die Kreisarchäologinnen, unterstützt vom Geschichts- und Kulturverein Hainhausen und weiteren freiwilligen Helfern, im vergangenen Jahr auf eine Mauer und Eichenholz aus den Jahren um 1150 gestoßen waren, legten sie diesmal Teile des Innenhofs der Burganlage frei. Dieser war einst aus kleinteiligen Basaltstücken gepflastert.

Wohnturm noch nicht entdeckt

An anderen Stellen hatten die Bewohner versucht, den allzu sumpfigen Boden mit Knüppelhölzern zu befestigen. Das Forscherteam stieß innerhalb der immerhin 2,10 Meter dicken Ringmauer zudem auf den Schwellbalken eines Fachwerkhauses. Ob dieses von Bediensteten der Herren von Hainhausen bewohnt war oder ob es als Werkstatt oder Stallung diente, ist offen.

Bisher noch nicht entdeckt haben die Kreisarchäologinnen den bereits im 19. Jahrhundert erwähnten Wohnturm der hochmittelalterlichen Burganlage. „Er ist auch irgendwo“, sagt Kroemer. „Wir haben erst einen ganz kleinen Schnippel der Burg erwischt“, vermutet sie.

Auch deshalb gab Landrat Oliver Quilling (CDU) gestern in Hainhausen grünes Licht, dass die Grabungen im kommenden Jahr fortgesetzt werden können. Roland Schlitt, Vorsitzender des Geschichts- und Kulturvereins und Initiator der Grabungen drängt es ebenfalls zum Weitermachen. „Wir haben jetzt Blut geleckt“, sagt er.

Gesucht werden kann erst wieder im Spätsommer. Nur dann ist die Wiese trocken genug, dass die Arbeiten möglich sind. Bis dahin werden die Mauerreste wieder zugeschüttet.

Was aus der Niederungsburg an der Rodau wurde, nachdem die Herren von Hainhausen diese aufgaben, die besser gelegene und repräsentativere Burg Eppstein im Taunus übernahmen und allein vier Mainzer Erzbischöfe stellten, glaubt Schlitt zu wissen. Die nur wenige Meter von der Grabungsstelle aufgetürmten Steine der früheren Dorfmühle von Hainhausen seien denen in der Burgmauer nämlich sehr ähnlich. Dieses erstmals 1508 belegte Gebäude stand nach Schlitts Angaben immerhin noch bis 1990. Dann wurde es abgerissen.

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