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Bücherei soll an den Güterbahnhof

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Von: Sigrid Aldehoff

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Ehemaliger Güterbahnhof in Neu-Isenburg
Ehemaliger Güterbahnhof in Neu-Isenburg © Monika Müller

Neu-Isenburgs Kulturdezernent Theo Wershoven will auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs ein Bildungszentrum einrichten - inklusive VHS und Stadtbücherei.

Ein Bildungsintegrationszentrum, in dem unter anderem die Stadtbücherei und die Volkshochschule ein neues Domizil finden sollen, möchte Kulturdezernent Theo Wershoven (CDU) mittelfristig auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs errichten. Damit reiht er sich ein in die Liste derer, die für dieses Gebiet Nutzungsvorschläge machen.

„Wer keine Visionen hat, der kann auch nichts bewegen“, sagte Wershoven gestern bei einer Pressekonferenz. Die Stadtbücherei neben der Hugenottenhalle, die mit ihrem Angebot seit Jahren hessenweit an der Spitze liege, brauche für ihre jährlich 140000 Nutzer mehr Platz. Sie könne mit einem Neubau zu einem Bildungszentrum für Leseförderung, Fort- und Weiterbildungsangebote und Integrationsprojekte ausgebaut werden.

Die Veranstaltungsorte der vielfältigen Kurse der VHS seien über das gesamte Stadtgebiet verstreut und böten den rund 5000 Kursteilnehmern nicht immer genügend Parkplätze. Beide Einrichtungen „würden sich an diesem Standort gut machen“, sagte Wershoven, und wies auch auf die städtebaulichen Möglichkeiten mit einem Neubau an dieser prominenten Stelle an der Carl-Ulrich-Straße hin.

Der Kulturdezernent hat mit seinem Vorschlag einen Überraschungscoup gelandet: Er habe seinen Vorschlag noch nicht politisch diskutiert, „das wird für meine Partei eine kleine Überraschung sein“, lächelte er.

Seine Aufgabe als Kulturdezernent bestehe aber auch darin, Initiative zu entwickeln. Gesprochen hat er schon mit Jutta Duchmann, Leiterin der Stadtbibliothek. „Bei uns rennt er damit natürlich offene Türen ein“, sagte sie. Eine solche Zusammenfassung von Bildungsangeboten in der Bücherei entspreche schon lange den Vorstellungen des Büchereiteams, „aber das ist bei allen Büchereien so, es gibt aber nur wenige Beispiele, wo das realisiert worden wäre.“

Mit einem Neubau könnte die Interessenkollision von verschiedenen Nutzern durch eine bessere Raumaufteilung entschärft werden: Junge Leute, die das Internet nutzten oder gemeinsam Referate erarbeiteten, könnten von stillen Lesern getrennt werden.

„Ich persönlich finde die Idee der Bibliothek an dieser Stelle sehr sympathisch“, sagte gestern der SPD-Vorsitzende Markus Munari. Seine Partei fordert, dass das Agfa-Gelände, das ehemalige Gelände des DLB und der Güterbahnhof als zusammenhängende Fläche für die Stadtentwicklung genutzt wird. Stattdessen werde für die Geländenutzung „von der Stadt alle drei Monate ein neuer Vorschlag vom Fachärztezentrum über ein Autohaus bis hin zur Wohnbebauung mit einer Halbwertzeit von einer Woche gemacht“, kritisierte Munari.

Verhalten reagierte Nick Timm von den Grünen. Seiner Partei gehe es vor allem darum, dass für die drei Filetstücke ein stadtplanerisches Gesamtkonzept entwickelt werde und diese zu einem Zentrum zusammenfüge. In dem Gebiet könne eine neue Stadtmitte mit Gewerbe und bezahlbarem Wohnraum für Normalverdiener entstehen, mit Flaniermeile für attraktives urbanes Leben. Vorrangig gehe es darum, dort Menschen anzusiedeln, „nicht nur Institutionen, die gerade Raumnot haben“.

Für nicht finanzierbar hält hingegen Bürgermeister und Kämmerer Herbert Hunkel (parteilos) das Projekt, „das mehrere Millionen kosten würde“. Vorrang hätten die anstehenden Projekte Hallenbadsanierung und Neubau einer Sporthalle sowie diverse Straßenbaumaßnahmen. „Für die Stadtbibliothek gibt es Erweiterungsmöglichkeiten, wir dürfen jetzt keine Luftschlösser bauen.“

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