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Buchstaben und Bohnentiere

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Auf dem „Bücherspielplatz“ können Kinder den Spaß am Lesen entdecken. Die Nassauische Heimstätte Frankfurt, das Forum Sprendlingen-Nord, der Börsenverein des deutschen Buchhandels und die Stadtbücherei Sprendlingen haben den „Bücherspielplatz“ gemeinsam ins Leben gerufen.

Von János Erkens

"Il-lus-tra-to-rin“. Den Beruf von Nina Dulleck können die wenigsten Kinder schon aussprechen, die zur Lesung der Kinderbuchautorin gekommen sind. Das liegt zwar weniger an mangelnden Deutschkenntnissen als vielmehr am zarten Kindergartenalter, aber einen gewissen Lerneffekt soll der Nachmittag in der Sprendlinger Stadtbücherei doch auch haben.

Seit Mittwoch gibt es auch im Dreiecher Stadtteil einen „Bücherspielplatz“, den die Nassauische Heimstätte Frankfurt, das Forum Sprendlingen-Nord, der Börsenverein des deutschen Buchhandels und die Stadtbücherei Sprendlingen gemeinsam ins Leben gerufen haben. „Wir wollen mit dem Angebot auch Kinder aus eher bildungsferneren Familien für das Lesen begeistern“, erzählt Angela Reisert-Bersch, die das Sozialmanagement bei der Nassauischen Heimstätte leitet. Mehr als 1700 Wohnungen hat das Wohnungsunternehmen in Sprendlingen und möchte daher auch soziale Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner machen, erklärt Reisert-Bersch weiter.

Im vergangenen Jahr hatte die Heimstätte das Pilotprojekt des Bücherspielplatzes gestartet. Pünktlich zur Buchmesse 2014 gab es im Frankfurter Stadtteil Fechenheim die erste Autorenlesung für Kinder von drei bis neun Jahren, derweil die Eltern Kaffee trinken und sich austauschen konnten. Auch in Sprendlingen sollen die Eltern einen Ansprechpartner finden, wenn sie Fragen beispielsweise zur Einschulung haben oder wo sie eine Hausaufgabenbetreuung für ihre Töchter und Söhne finden.

Im Vordergrund steht aber, den Spaß und das Interesse der Kinder am Lesen zu wecken – und am Basteln oder Zeichnen. Die etwa 25 Kindergartenkinder des Kiga Wilhelmshof und des Kiga Gravenbruchstraße sehen und hören beim ersten Bücherspielplatz nicht nur das Bilderbuchkino von „Die Schluckaufprinzessin“, das Nina Dulleck präsentiert.

Zeichen-Tricks

Nach der detailverliebt illustrierten Geschichte um die Prinzessin Rosa Klitzeklein, die verschiedene Tricks ausprobiert, um ihren hartnäckigen Schluckauf loszuwerden, gibt die Illustratorin den Kindern auch ein paar Zeichen-Tricks: „Wer eine Bohne zeichnen kann, kann jedes Tier malen“, verspricht Dullek und zeigt auf einer großen Flip Chart, wie aus der Silhouette einer Kidney-Bohne ein Elefant, ein Kamel oder eine Katze entstehen kann.

Eine Autorenlesung wie die mit Nina Dulleck soll es beim Bücherspielplatz alle drei Monate geben. Zu allen anderen Terminen des wöchentlichen Angebots lesen ehrenamtliche Paten den Kindern vor.

Um auch tatsächlich Kinder zu erreichen, die sonst eher weniger Kontakt mit Büchern haben, soll die Bibliothek nicht der einzige Veranstaltungsort sein – auch, wenn Angela Reisert-Bersch das Engagement der Büchereimitarbeiterinnen schätzt, die am Mittwochnachmittag außerhalb der Öffnungszeiten für den Bücherspielplatz da sind. „Kinder, die zu unseren Lesungen und Bilderbuchkinos kommen, haben meist schon Eltern, die bei uns regelmäßige Nutzer sind“, erzählt Doris Bohländer-Schäfer. Die Bibliothekarin will das Angebot mit ihrem Wissen um vorlese-geeignete Kinderbücher unterstützen, wie sie sagt. Dass an dem Projekt mehrere Organisatoren aus verschiedenen Initiativen beteiligt sind, sei auch für die Bibliothek nur von Vorteil: Neben der Arbeitsteilung erhofft sich Bohländer-Schäfer schließlich auch ein paar neue Büchereinutzer sowie möglicherweise Kinderbücher in Fremdsprachen.

Das erste Projekt in Fechenheim habe gezeigt, dass einige Eltern sich Bücher in ihrer Herkunftssprache wünschen, weil sie die ihren Kindern leichter selbst vorlesen können als deutschsprachige Kinderliteratur, erzählt Angela Reisert-Bersch: „Wenn sich zeigt, dass so ein Bedarf auch in Sprendlingen besteht, schaffen wir diese Bücher auch hier an.“

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