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Weg vom Buch

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Von: Claudia Isabel Rittel

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Stadtbücherei Dietzenbach
Stadtbücherei Dietzenbach © Sascha Rheker/attenzione

Die Bibliotheken in Rödermark und Dietzenbach beobachten einen Wandel des Nutzerverhaltens - nicht mehr das Buch aus Papier ist der Renner, sondern Medien mit Bits und Bytes.

"Am besten laufen in der Stadtbücherei Rödermark die „Nicht-Bücher“ – also CDs, DVDs und Software. Weil immer mehr Hörbücher ausgeliehen werden, hat die Bücherei im vergangenen Jahr den Bestand aufgestockt. Das muss Verfechtern des Lesens aber keine Angst machen. Auch manches Buch ist sehr gefragt. So haben sowohl die Bücherei in Rödermark als auch die in Dietzenbach inzwischen eine Ecke für die Spiegel-Bestseller – wie sie auch in vielen Buchhandlungen zu finden sind.

In Dietzenbach sind die Bücher der Spiegel-Liste sogar so gut nachgefragt, dass sie schon automatisch bestellt werden. Dass die Nachfrage nach Sachbüchern in Rödermark um zehn Prozent eingebrochen ist, führt die Bibliothek darauf zurück, dass sich viele Nutzer übers Internet informieren. Nützliches steht aber noch immer hoch im Kurs. So war in der Dietzenbacher Bibliothek etwa die CD-Rom „Quick Steuer“ ein Ausleih-Hit. In beiden Bibliotheken werden noch immer Kinder- und Jugendbücher am häufigsten ausgeliehen. Doch der demografische Wandel zeichnet sich in den Statistiken schon langsam ab.

So haben sich in Rödermark erstmals mehr Erwachsene als Kinder neu angemeldet. Dort gibt es jetzt etwa gleich viele erwachsene und jugendliche Leser. Eine Entwicklung, die möglicherweise zum Trend wird. Bisher waren Kinder und Jugendliche bei den Lesern deutlich in der Überzahl. Rödermark hatte 2010 rund 2400 aktive Leser, Dietzenbach etwa 50 weniger. In Dietzenbach stieg die Zahl der Leser über 60 im vergangenen Jahr mit 28 Prozent überdurchschnittlich stark an.

Angebote für Jugendliche

Trotzdem ist das Durchschnittsalter mit 809 aktiven Nutzern unter 12 Jahren gegenüber 230 Nutzern, die älter als 60 sind, noch sehr jung. Das ist sicher eine Folge der Angebote vor allem für Kinder und Jugendliche. Autorenlesungen, Gruppenführungen und andere Veranstaltungen nahmen besuchten in Dietzenbach mehr als 3100 Nachwuchsleser teil. In Rödermark waren es 1380.

Dass die Dietzenbacher Bibliothek so konstante Zahlen aufweisen kann, ist nicht selbstverständlich. Schließlich schrumpfte der Gesamtetat um rund 24600 auf 121900 Euro, die fast vollständig beim Personal gespart wurden.

Die Rödermärker Bibliotheksleiterin Brigitte Stenske bemerkt zudem einen Bruch zu dem Zeitpunkt, wenn die Kinder auf eine weiterführende Schule kommen. Sie liehen dann weitaus seltener Bücher aus. Dies sei wohl vor allem ein Zeitproblem. Die Jugendlichen seien mit vielen anderen Dingen ausgelastet. Außerdem nutzten viele verstärkt die Schulbibliothek.

Es würde aber zu kurz greifen, die Büchereien nur an der Anzahl der Ausleihen zu messen. Vielmehr sind sie auch Treffpunkt zum Spielen. Ältere Leute kämmen auch, um Zeitungen oder Zeitschriften zu lesen, heißt es im Jahresbericht der Stadtbücherei.

Und auch manche Kinder hielten sich täglich in der Bücherei Rödermark auf , weiß der Bericht– vor allem solche, die aus Familien mit Migrationshintergrund kommen. Für Mädchen aus muslimischem Elternhäusern sei die Bibliothek oft der einzige Ort, an dem sie sich ohne familiäre Aufsicht mit Gleichaltrigen treffen könnten.

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