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Hier wird besonders viel Stickstoffdioxid gemessen.

Neu-Isenburg

Brummis raus

Autos und Lastwagen sorgen für schlechte Luft in Neu-Isenburg. Die Stadt will jetzt ein LKW-Durchfahrtsverbot in der Friedhofstraße durchsetzen.

Von Achim Ritz

Die Luft wird schlechter. In Neu-Isenburg und dort konkret an der Messstation in der viel befahrenen Frankfurter Straße steigen die Stickstoffdioxid-Werte. „Der Trend ist leicht erhöht“, sagte gestern Peter Schönegge mit Blick auf die jetzt vorliegenden Messergebnisse von Januar bis Oktober des Jahres. Der promovierte Biologe beschäftigt sich mit den Daten, die die mit der Messung beauftragte Firma Infraserv Höchst der Kommune zusendet. Das Stickstoffdioxid gehe über die Lunge ins Blut und könne für Herz-Kreislauferkrankungen sorgen, sagt Schönegge.

Die Stadt habe nicht viel Handlungsspielraum, um die größtenteils vom Verkehr ausgehenden Schadstoffe zu reduzieren. Man müsse das Gesamtsystem betrachten. Die Stadt könne nicht einfach eine Straße sperren oder beispielsweise an einem Tag in der City nur die Durchfahrt von Fahrzeugen mit ungerader Zahl auf dem Kennzeichen erlauben. Wenn im Verkehrssystem an einem Rädchen gedreht werde, habe dies Auswirkungen an anderer Stelle.

Dennoch hat der Magistrat im Zusammenhang mit dem Luftreinhalteplan Ballungsraum Rhein-Main einige Punkte aufgelistet, die Entlastung bringen sollen. Beantragt wurde nach Auskunft von Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) beispielsweise beim Regierungspräsidium, dass die sogenannten Bedarfsumleitungen der A3 (U69 und U56) nicht mehr über die Friedhofstraße verlaufen sollen. Das habe das RP bisher zwar immer abgelehnt, doch nach Fertigstellung der Kreuzung Rathenaustraße und Frankfurter Straße könne der Verkehr jetzt auf den Bedarfsumleitungen über die A661, die Sprendlinger Querspange Nord und die Isenburger Rathenau- und Siemensstraße verlaufen. Er hoffe, dass das RP jetzt grünes Licht gibt. Somit könnte dann auch das gewünschte Durchfahrtsverbot für Lastwagen auf der Friedhofstraße durchgesetzt werden.

Lob vom Umweltministerium

Eine größere Verringerung der Schadstoffe werde aber auch in Neu-Isenburg erst in vier, fünf Jahren kommen, wenn die neue Abgasnorm Euro 6 für Neufahrzeuge gelte. Herbert Hunkel spricht von einem Durchbruch. Der Magistrat hat den Rhein-Main-Verkehrsverbund und die Kreisverkehrsgesellschaft aufgefordert, ihre Busse schon auf Euro 6 umzurüsten, um die Schadstoffe früher zu vermindern.

Das hessische Umweltministerium hat indes erkannt, dass die Grenzwerte beim Stickstoffdioxid nur schwer einzuhalten sind und deshalb bei der EU-Kommission beantragt, das Limit noch bis 2015 überschreiten zu dürfen. Die Verminderung der Stickstoffdioxid-Konzentration werde keine leichte Aufgabe, heißt es in einem Schreiben des Umweltministeriums an den Isenburger Magistrat, der aus Wiesbaden ein Lob für die selbst initiierte Messstelle in der Frankfurter Straße erhielt.

„Das Problem sind die Motoren“, sagt Biologe Schönegge. Bei Dieselmotoren habe man erfolgreich auf Rußpartikelfilter gesetzt und den gesundheitsschädlichen Feinstaub reduzieren können, doch gleichzeitig hätten sich die Stickstoffdioxid-Werte erhöht.

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