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Silke Bentlin und Markus Striegl in ihrem Café Beans am Langener Lutherplatz.

Langen

Großer Preis für kleine Kneipe

Silke Bentlin und Markus Striegl vom Café Beans werden von der Stadt mit dem Kulturpreis ausgezeichnet.

Von Janos ERkens

Neulich waren Silke Bentlin und Markus Striegl in Berlin. „Ihr seid doch die beiden vom Café Beans“, rief ihnen eine junge Frau am Brandenburger Tor zu. „Ich hab gedacht, das kann doch nicht wahr sein“, erzählt Silke Bentlin und grinst. Ihr Bekanntheitsgrad verwundert die beiden offensichtlich immer noch – dabei betreiben Bentlin und Striegl das Langener Café bereits seit zehn Jahren.

Ihren eigenen unverwechselbaren Stil hätten sie allerdings erst vor ungefähr fünf Jahren gefunden, erzählt Bentlin: Damals bauten sie zum ersten Mal eine Bühne in dem nur 27 Quadratmeter großen Gastraum auf und ließen einen befreundeten Musiker spielen – das erste einer langen Reihe von wöchentlichen Konzerten, zu denen mittlerweile bis zu hundert Besucher kommen. Weil sich das Café Beans dadurch zu einer festen Größe in Langen entwickelt hat, werden Bentlin und Striegl morgen mit dem Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet.

Dabei ist Silke Bentlin eher aus Not zur Gastronomie gekommen oder, wie sie sagt: „Wie die Jungfrau zum Kinde“. Schon ihre Großeltern hatten in den Räumen am Lutherplatz eine Metzgerei, später betrieben die Eltern dort eine Grillstube, zuletzt war dort die Kneipe „Türmchen“. Als Bentlins Mutter dem damaligen Pächter kündigte, beschloss die Tochter, den Laden zu übernehmen: „Ich war sowieso unzufrieden mit meinem Job als Groß- und Außenhandelskauffrau.“

2005 eröffnete sie ein Frühstückscafé, in dem sie auch Kuchen verkaufte, den ihre Mutter täglich buk. Nach drei Jahren wurde Bentlin jedoch klar, dass die Konkurrenz der umliegenden Bäckereien zu groß ist. Zwei Jahre machte sie „mehr schlecht als recht“ weiter, dann krempelte sie das Konzept des Cafés um – diesmal gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Markus Striegl.

Der studierte Tontechniker und leidenschaftliche Gitarrist brachte seine Liebe zur Musik mit – und dekorierte das Inventar so sehr um, dass fast nur noch der Name übrigblieb. „Das Schlagzeug-Fell hat mir ein Mitglied der Band Böhse Onkelz gespendet“, erzählt Striegl über die „Devotionalien“, aus denen die opulente, an ein Hardrock-Café erinnernde Einrichtung besteht: In einem goldenen Rahmen hängt ein elektronischer Bass, den ein befreundeter Gitarrenbauer zur Verfügung gestellt hat, in einer Vitrine ruht eine Flokati-Jacke, die vom Comedian Kay Ray stammt, der ebenfalls zu Bentlins und Striegls Freundeskreis gehört.

Anfangs stammten auch die meisten Bands, die donnerstags auf der kleinen Bühne im Beans standen, aus eben diesem Freundeskreis. Mittlerweile hat sich das Einzugsgebiet allerdings deutlich erweitert, wie Striegl stolz erzählt: „Wir müssen gar nicht mehr Bands anfragen – die kommen von alleine.“ Darunter sind auch relativ prominente Musiker wie etwa der „Voice of Germany“-Sieger Andreas Kümmert. Der wird auch im kommenden Jahr wieder im Beans auftreten.

Das Publikum besteht laut Bentlin zwar überwiegend aus Stammgästen, allerdings werden sie und Striegl auch gelegentlich von Szene-Prominenz überrascht: „Einige Bands, die in der Stadthalle auftreten, vertreiben sich bei uns die Wartezeit bis zum Konzert – oder kommen nach dem Auftritt hierher, um Aftershow zu feiern“, erzählt Striegl.

Das Café Beans ist mittlerweile der Ort, an dem beide den Großteil ihres Lebens verbringen, nämlich jeden Tag spätestens ab 16 Uhr und oft bis spät in die Nacht. Für andere Dinge bleibt da kaum Zeit: Ihre beiden Harley-Davidsons stehen mit leeren Batterien in der Tiefgarage, und in den vergangenen sieben Jahren war das Paar erst ein einziges Mal im Urlaub. „Aber dafür ist hier im Laden immer Action“, findet Striegl. „Ich musste mich noch nie zwingen, das Café aufzumachen.“

Verliehen wird der Kulturpreis an Silke Bentlin und Markus Striegl am morgigen Samstag, 21. November, 19.30 Uhr, in der Neuen Stadthalle Langen. Im Anschluss folgt ab etwa 21 Uhr die Party „Rock am Sterzbach“.

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