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Wo bleibt die Aufenthaltserlaubnis?

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Von: Christoph Manus

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Der Palästinenser Hassan Khateeb
Der Palästinenser Hassan Khateeb © rolf oeser

Innenminister Rhein hatte der Flüchtlingsfamilie Khateeb schon vor Monaten eine Aufenthaltserlaubnis zugesagt. Doch bis jetzt ist nichts passiert. Zu allem Überfluss müssen die Kinder sogar die Kosten für Abschiebung des Vaters zahlen.

Eigentlich könnte alles gut sein. Nach Jahren der Angst vor der Abschiebung, einem Leben auf gepackten Koffern, erlaubte der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) Anfang Oktober der Dietzenbacher Familie auf Ersuchen der Härtefallkommission des Landtags, in Deutschland zu bleiben. Er ordnete die dauerhafte Aufenthaltserlaubnis für die Mutter Khateeb und ihre sieben Kinder an und begründete das mit der erfolgreichen Integration der Kinder. Die beiden ältesten Söhne studieren – Jura und Wirtschaftsrecht. Die älteste Schwester hat bald Abiturprüfung.

Doch auf diese Aufenthaltsgenehmigung wartet die Familie, die vor 18 Jahren nach Deutschland kam, noch immer. Noch ist sie nur geduldet. „Bürger zweiter Klasse“, nennt das Hassan Khateeb, der älteste Sohn der Familie, die in einer spartanisch eingerichteten Wohnung im Hinterhof einer Werkstatt lebt. „Keine Freizügigkeit, man darf nicht arbeiten“, erläutert der angehende Rechtswissenschaftler, der gerade die Zwischenprüfung an der Uni Frankfurt geschafft hat.

Die Ausländerbehörde des Kreises Offenbach habe die Aufenthaltserlaubnis an die Bedingung geknüpft, dass die Familie erneut versucht, sich bei der jordanischen Botschaft in Berlin Reisepässe ausstellen zu lassen, sagt Khateeb. Dort müssten alle vier Familienmitglieder über 18 Jahren persönlich erscheinen.

Hassan Khateeb hält die Forderung für nicht nachvollziehbar. Schließlich habe die Familie die Pässe auf Druck der Behörden schon vor zweieinhalb Jahren beantragt und nicht erhalten. Für die Khateebs ist das kein Wunder. Sie betonen seit ihrer Einreise, dass sie palästinensische Flüchtlinge sind. Weil die Ausländerbehörde die Familie jedoch für Jordanier hält, wollte sie die Familie schon 2007 abschieben lassen. Bis auf Hassan, der zufällig nicht zu Hause war, saß die gesamte Familie bereits im Flugzeug, das sie gegen ihren Willen in die vermeintliche Heimat bringen sollte. Doch der Pilot weigerte sich, die Verängstigten mitzunehmen. Der Vater wurde allerdings kurz darauf außer Landes geflogen. Er lebt seitdem in einem Flüchtlingscamp nahe der jordanischen Hauptstadt Amman.

Inzwischen hat er einen Antrag auf Wiedereinreise gestellt. Er darf allerdings nur nach Deutschland zurückkehren, wenn die Familie die Kosten für seine von fünf Polizisten begleitete Abschiebung bezahlt. Khateeb spricht von mehr als 10000 Euro. Ein Dietzenbacher Verein sammelt bereits für die Familie.

Beim hessischen Innenministerium heißt es auf Anfrage der FR nur „nicht zuständig“. Die Familie Khateeb habe noch verwaltungstechnische Voraussetzungen zu erfüllen, sagt Kreis-Pressesprecher Ralf Geratz-Krambs.

Der Sohn ist optimistisch

Trotz der neuen Hürden ist Hassan Khateeb optimistisch. „Das Gröbste ist vorbei“, sagt der 23-Jährige, der sich bei Pro Asyl und Jugend ohne Grenzen engagiert und Fußball-Kreisligaspiele pfeift. Bei jedem Klingeln an der Tür fürchtete die Familie lange, es sei wieder die Polizei. Seine Schwester Amal hatte einen gepackten Koffer unter dem Bett. „Die letzten Jahre waren nicht einfach“, sagt der älteste Sohn der Familie. „Das ging zum Teil auch an meine Substanz.“ Doch er hat weiter für sich und seine Familie gekämpft. Aufgeben werde er nicht, sagte er vor einigen Monaten, als es noch schlecht aussah für die Familie.

„Die Angst ist weg“, sagt Hassan Khateeb. „Ich kann planen für die Zukunft.“ Seine Schwester hat den Koffer ausgepackt.

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