Neu-Isenburg

200 Betten für die Ärmsten

In der ukrainischen Stadt Beregovo liegt die Arbeitslosigkeit bei 80 Prozent, Leidtragende der Armut sind vor allem Kinder. Das Projekt „Täglich Brot für Beregovo“ der evangelisch-reformierten Gemeinde am Marktplatz organisiert Hilfslieferungen, eine neuer Transport ist bereits auf dem Weg.

Von Maurice Farrouh

Der Platz in dem großen Laster reicht nicht aus. Als sich am Mittwochmorgen die letzten Lücken auf der 14 Meter langen Ladefläche füllen, stehen noch immer Matratzen und Lattenroste im Lagerraum auf dem früheren Betriebshofgelände an der Hugenottenallee. Sie können erst beim nächsten Mal verladen werden. Aber gut 200 Betten sind drin im Container und rollen seit gestern Richtung Osten ihrem 1600 Kilometer entfernten Ziel entgegen: der ukrainischen Stadt Beregovo.

Dort werden sie dringend gebraucht. „Viele Kinder müssen auf dem nackten Estrich schlafen, weil sie keine Betten haben“, sagt Jutta Loesch. Die Pfarrersfrau und frühere Lehrerin koordiniert das Projekt „Täglich Brot für Beregovo“ der evangelisch-reformierten Gemeinde am Marktplatz. Der gestern gestartete Laster ist die 19. Hilfslieferung im neunten Jahr. Schon im November soll der 20. Transport folgen. „Es geht nicht anders. Wir haben noch so viele Sachen in unserem Lager“, sagt Loesch. Die sollen noch vor dem Winter ankommen.

Mehrmals im Jahr fährt Loesch selbst nach Beregovo, um die Verteilung der Hilfsgüter zu begleiten und sich mit den örtlichen Partnern der Aktion auszutauschen. Die Armut in dem 20000-Einwohner-Ort in den Transkarpaten erschüttert sie immer wieder. „Das kann man sich hier in Deutschland kaum vorstellen, wie die Menschen dort zum Teil leben müssen“, sagt Loesch. Die Arbeitslosigkeit liege bei 80 Prozent, die Inflationsrate bei 30 Prozent. Leidtragende seien besonders die Kinder. Selbst im tiefsten Winter seien viele von ihnen ohne Schuhe und nur spärlich bekleidet auf den völlig im Schlamm versunkenen Straßen unterwegs. Eltern könnten ihren Kindern oft nichts zu essen mit in die Schule geben.

Hotel spendierte die Betten

Das Hilfsprojekt ist inzwischen zu einem ökumenischen Projekt geworden, bei dem auch Helfer aus anderen Gemeinden mitarbeiten. Beim Beladen des jüngsten Transports waren unter anderem Helfer der katholischen Kolpingfamilie dabei. Der Kreis der Spender umfasst mittlerweile über tausend Personen und Firmen. Viele Kleiderspenden kommen von Gemeindemitgliedern. Die gerade auf den Weg geschickten 200 Betten hatte ein großes Frankfurter Hotel spendiert.

Die Hilfsgüter gehen an das Zentrum der Diakonie in Beregovo, wo sie an Schulen, Kindergärten, Krankenstationen und Bedürftige verteilt werden. Zusätzlich erhält das Zentrum Geld aus Neu-Isenburg, mit dem Zutaten gekauft werden, um täglich bis zu 1000 Brote zu backen und 400 Portionen Suppe zu kochen. Tägliches Essen gibt es auch für eine Schule in einem Vorort. Zudem unterstützt das Projekt ein nahe gelegenes Zigeunerdorf, in dem die Armut besonders groß ist.

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