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Rödermark

Europa und die Nationalstaaten

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Die Rödermärker Hochschultage finden mit namhaften Wissenschaftlern statt. Historiker Wirsching ist beim 20. Hochschultag zu Gast. Seit 1996 gibt es hochkarätig besetzte Symposien.

Zerstreuung und Unterhaltung suchen die meisten Menschen, wenn sie Komödien, Musicals oder Konzerte in der Rödermärker Kulturhalle besuchen. Doch mindestens einmal im Jahr geht es dort um komplexe Themen wie die Relativitätstheorie, den Urknall oder die Finanzkrise. Und die Halle ist trotzdem proppenvoll.

Das wird wahrscheinlich auch am 18. April der Fall sein, wenn sich der Historiker Andreas Wirsching (München) beim 20. Rödermärker Hochschultag mit der aktuellen Frage „Gibt es eine europäische Rettung des Nationalstaats?“ befassen wird. Denn in der Kleinstadt mit ihren rund 27 000 Einwohnern, die keine Universität oder Fachhochschule hat, ist es gelungen, eine anspruchsvolle Veranstaltungsreihe mit hochkarätigen Referenten zu etablieren.

Auf Initiative der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule fand 1996 erstmals das gleichnamige Symposium statt, das seitdem hochrangige Wissenschaftler nach Rödermark brachte. Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne) sagt, diese Symposien seien einmalig in Deutschland und ein Ereignis, das Stadt, Bürgerschaft und Schule zusammenführe. Sie finden alle drei Jahre statt und widmen sich an zwei Tagen Themen aus den Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften.

Anspruchsvolle Vorträge

Anfangs ging es eher um soziale Themen wie die Veränderung der Arbeitswelt und die Agenda 21. Danach überwogen naturwissenschaftliche Fragestellungen etwa zu Gentechnologie, Hirnforschung und Erderwärmung. Beim 7. Symposium im Oktober 2014 ging es um „Kosmos und Mensch – Weltbilder im 21. Jahrhundert“. Der Termin für das 8. Symposium steht bereits fest. Es findet am 28./29. April 2017 zum Thema „Wem gehört die Welt – Macht und Herrschaft“ statt.

Kern räumt ein, dass die Vorträge anspruchsvoll seien und „große geistige Flexibilität“ erforderten. Wessen Konzentration während der Referate vielleicht nachgelassen hat, kann alle Beiträge aber auch nachlesen. Denn zu allen Symposien gibt es Veröffentlichungen. Der jüngste Band zu „Mensch, Natur und Kosmos“ versammelt acht Aufsätze und zwei künstlerische Beiträge. Er ist im Buchhandel erhältlich.

Die Hochschultage wurden als Ergänzung zu den Symposien 2004 ins Leben gerufen. Sie werden in diesem Jahr bereits zum 20. Mal veranstaltet. Zu den Referenten gehörten unter anderem der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach, der Politikberater Bert Rürup, der Astrophysiker Wolfram Winnenburg und zuletzt der Leiter der Rosetta-Mission Paolo Ferri.

Oberstudienrat Dietmar Herdt ist seit Beginn mitverantwortlich für die Hochschultage. Er weist darauf hin, dass die Nell-Breuning-Schule eine anerkannte Europaschule und dem Gedanken der europäischen Einigung verpflichtet sei. Nach seinen Worten gehört Wirsching, der am 17. April in Rödermark spricht, zu den bedeutendsten Historikern für neue und neueste Geschichte. Er ist Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, das jüngst mit der Veröffentlichung seiner kommentierten Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ Aufsehen erregte.

Nähere Informationen zu den Oswald-von-Nell-Breuning-Symposien und den Rödermärker Hochschultagen unter www.nellbreuningsymposium.de

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