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Bitte einsteigen: Der Hopper könnte bald auch in Mühlheim, Obertshausen und Heusenstamm fahren.

Kreis Offenbach

Bald könnte im Kreis Offenbach noch mehr „gehoppert“ werden

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Die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach will in drei weiteren Städten Busse auf Abruf einsetzen. Im Herbst könnten sie auch in Heusenstamm, Mühlheim und Obertshausen unterwegs sein.

In einigen östlichen Kommunen des Landkreises Offenbach hat sich ein neues Wort etabliert: Dort wird „gehoppert“. Das heißt: Die Bürger steigen an einem Haltepunkt, der höchstens 130 Meter entfernt ist, in einen kleinen Bus ein, legen zusammen mit Anderen ihren Weg zurück und können dann direkt vor ihrer Haustür aussteigen. Der Hopper der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Offenbach wurde vor einem halben Jahr als Pilotprojekt in Betrieb genommen – und ist ein Erfolgsmodell, das in diesem Jahr im Kreis Offenbach sogar noch ausgeweitet werden könnte. Die Städte Darmstadt und Wiesbaden sowie der Kreis Darmstadt-Dieburg und der Main-Taunus-Kreis haben sich ein Beispiel genommen und starten jetzt ebenfalls mit dem sogenannten On-Demand-Verkehr durch.

Aktuell sind die Hopper in Hainburg, Mainhausen und Seligenstadt – also in Kommunen ohne S-Bahn-Anschluss – bis nach Hanau unterwegs. Bald sollen die Busse auf Abruf auch in den bevölkerungsreicheren Kommunen Mühlheim, Obertshausen und Heusenstamm verkehren. Die Städte haben allesamt S-Bahn-Anschluss, in Mühlheim fährt sogar der Stadtbus. „Mit einem Stadtbus trifft man nicht immer den Kundenwunsch“, begründet KVG-Geschäftsführer Andreas Maatz, warum man dort für den Hopper trotzdem ein Klientel sieht. Die Busse auf Abruf fahren kleinteiliger und seien flexibler, weil sie nicht nach starren Fahrplänen verkehren. Bisher sind über 1000 Haltestellen über das Betriebsgebiet verteilt.

Fahrt mit dem Hopper

An sämtlichen Wochentagen sind die Hopper der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Offenbach von 5.30 Uhr morgens bis 1.30 Uhr nachts in Hainburg, Mainhausen und Seligenstadt sowie über Klein-Auheim zum Hanauer Hauptbahnhof unterwegs.

Der Kunde loggt sich in die kvgOF-Hopper-App ein, gibt Abhol- und Zielort an und bekommt den nächstgelegenen Haltepunkt angezeigt. Der Abholort ist auch telefonisch zu erfahren. Ein Algorithmus optimiert die Route in Echtzeit.

Die Fahrt kostet 1,60 Euro Grundpreis plus ein Euro Komfortzuschlag für die Haustürbedienung. Wer weiter fährt als zwei Kilometer, zahlt zusätzlich 20 Cent pro Kilometer.

Für Inhaber von Jahres-, Monats- oder Wochenkarten entfällt der Grundpreis. Die 20 Cent pro Kilometer zahlen sie erst ab dem sechsten Kilometer.

Die Zahlung erfolgt bargeldlos per EC-Karte, Kreditkarte oder PayPal. ann

„Im März tagt der Aufsichtsrat, dann wird eine Entscheidung über die Ausweitung auf die drei Städte fallen“, sagt Maatz. In dem 28-köpfigen Gremium gebe es unterschiedliche Meinungen, ob es sinnvoll ist, den Bus-auf-Abruf-Verkehr auszubauen und ob man sich das leisten kann. Der Hopper ist bisher nämlich ein Zuschussgeschäft, fährt defizitär. „Auch der ÖPNV trägt sich nicht selbst, ist auf Zuschüsse angewiesen, und wir wollen Teil des ÖPNV sein“, sagt Maatz. Die KVG sei beim Fahrpreis bewusst „niedrigschwellig“ eingestiegen, der Hopper solle ja nicht so teuer sein wie ein Taxi. Immerhin hat der Bund im Dezember im Rahmen der Luftreinhalte-Initiative eine Anschubfinanzierung von 3,6 Millionen Euro gewährt. Trotzdem muss „das Verhältnis von Aufwand und Ertrag verbessert werden“, sagt Maatz. Er hat auch schon eine Idee: Die Fahrt im Hopper könnte teurer werden, wenn es zusätzliche Bus- und Bahnangebote gibt. In Orten ohne eine solche Anbindung wäre die Hopper-Nutzung billiger.

„Unser Ziel wäre es, in den Herbstferien mit der zweiten Phase zu starten“, so Maatz. Vorher müssten Betrieb und Software noch in einem Vergabeverfahren ausgeschrieben werden.

Mehr als 21 000 Kunden haben die kleinen Busse seit Juni bereits genutzt, 7000 haben sich für die App registriert, 700 buchen telefonisch. Die Nachfrage sei mittlerweile höher als die Kapazitäten, sagt Projektleiter Marcell Biederbick. „Wir können nicht alle Fahrgäste befördern.“ Es sei sogar möglich, dass ein Fahrgast einen ganzen Abend lang gar kein Fahrzeug bekommt. An den Wochenenden seien die Hopper vor allem bei der Jugend gefragt – laut einer im Dezember durchgeführten Erhebung sind 47 Prozent aller Fahrgäste unter 25 Jahre alt. Freitags und samstags ab 19 Uhr sind deshalb alle sechs Fahrzeuge im Einsatz. „Auch für die Eltern ist der Hopper toll, weil sie sich nicht die Nacht um die Ohren schlagen müssen, um die Tochter oder den Sohn irgendwo abzuholen“, sagt Maatz. Der Hopper lade den Sprössling gefahrlos vor der Haustür ab.

S-Bahn- oder Linienbus-Pendler nutzen den Hopper bisher wenig. Grund: Der Kunde bekommt in der App zwar die Abholzeit angezeigt, kann jedoch den gewünschten Ankunftszeitpunkt nicht eingeben. Das soll sich aber demnächst ändern.

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