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Fünf Minuten Schrankenschließzeit führt in der Ober-Rodener Ortsdurchfahrt zu langen Autoschlangen. 

Rödermark

Bahnunterführung als Zankapfel in Rödermark

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Rödermarks Bürgermeister will prüfen lassen, ob der Umbau des Bahnübergangs in Ober-Roden gefördert werden kann. Ausgerechnet der Koalitionspartner ist dagegen.

Es ist ein Vorstoß, den ausgerechnet der Koalitionspartner Andere Liste/Die Grünen nicht mitgehen will: Rödermarks Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) will sich dafür einsetzen, dass der Bahnübergang auf der Dieburger Straße, der Ortsdurchfahrt im Stadtteil Ober-Roden, verschwindet. Schließlich stellen die Schrankenschließzeiten die Autofahrer schon seit vielen Jahren auf eine harte Geduldsprobe. Ein vom Bundesverkehrsministerium angekündigtes Bundesgesetz könnte nun den Durchbruch für eine Bahnunterführung bringen, meint Rotter, weil Bahn, Bund und Land komplett die Kosten für den Umbau übernähmen.

Am Mittwoch hat das Bundeskabinett einem Gesetzentwurf zugestimmt, den das Bundesverkehrsministerium vorgelegt hatte. Der wichtigste Inhalt: Städte und Gemeinden werden bei der Beseitigung von Bahnübergängen finanziell vollständig entlastet. Der Bund zahlt künftig die Hälfte der Kosten, die Bahn ein Drittel und das Land ein Sechstel der Kosten. Bisher trugen Bund, Bahn und Kommune jeweils ein Drittel der Kosten. In Zukunft müssen die Kommunen kein Geld mehr in die Hand nehmen, wenn sie Bahnübergänge beseitigen und durch Brücken oder Unterführungen ersetzen wollen.

Nach dem Willen von Bürgermeister Rotter soll die Bauverwaltung nun prüfen, ob der Bahnübergang in Ober-Roden in das Bundesförderprogramm aufgenommen werden kann.

Bei AL/Grünen, dem Koalitionspartner der CDU in Rödermark, ist man über diesen Vorstoß nicht glücklich – auch wenn man dem Bürgermeister durchaus zugesteht, „seine Fühler auszustrecken“, wie sich AL-Vorstandssprecher Stefan Gerl ausdrückt. Eine Bahnunterführung in Ober-Roden würde den Zugverkehr um keine einzige Sekunde pünktlicher oder schneller machen, verlautbart die Partei in einer Presseerklärung. Die Fördermittel des Bundesverkehrsministeriums seien dazu gedacht, die Bahnstrecken zu beschleunigen, erklärt Gerl. Eine Bahnunterführung dagegen beschleunige in Ober-Roden den Individualverkehr. „Die Stoßrichtung dieser Förderung, die unter Klimaschutz-Gesichtspunkten angekündigt wurde, würde ad absurdum geführt“, sagt Gerl.

Mit einer Bahnunterführung hole man sich noch mehr Verkehr in die Stadt, leite Autofahrer durch den Ortsteil, die normalerweise die Umfahrung über den – meist überlasteten – Rödermarkring wählen würden. „Man würde eine Umfahrung der Umfahrung bauen“, so Gerl.

Darüber hinaus gebe es in Ober-Roden städtebaulich zu wenig Platz. Das sei schon vor 24 Jahren erkannt worden, als die Ur-Entscheidung für den Bahnübergang fiel. Damit ein Feuerwehrauto oder ein Bus durch eine Unterführung passe, müsse die Rampe schon rund 150 Meter vor den Schienen beginnen. „Eine Menge Gebäude stehen an der Bürgersteigkante. Die wären von der Ortsdurchfahrt völlig abgeschnitten“, so Gerl.

Im Stadtumbauprogramm, das die Stadtverordneten beschlossen hatten, seien der Erhalt und die Belebung der Ortskerne als tragende Elemente festgeschrieben. Eine Bahnunterführung würde den Ober-Rodener Ortskern nicht beleben, sondern zerstören, meinen AL/Grüne.

„Die Lösung des Problems wären kürzere Schrankenschließzeiten“, sagt Gerl. Die Schranke in Ober-Roden werde nämlich schon geschlossen, bevor der Zug in den Bahnhof Rollwald einfahre. Eine Änderung schlägt laut Bahn allerdings mit 500 000 Euro zu Buche, da die Software im elektronischen Stellwerk in Offenbach-Ost umzuprogrammieren sei und auch die Einschaltkontakte verlegt werden müssten.

Bei der SPD dagegen steht man voll hinter den Plänen des Bürgermeisters. „Wir waren schon vor 30 Jahren für die Unterführung“, sagt Fraktionsvorsitzender Norbert Schultheis. Die Partei hatte Anfang dieses Jahres auch eine Machbarkeitsstudie beantragt, die jedoch von der Parlamentsmehrheit abgelehnt wurde. Die Unterführung solle nicht in Verlängerung der Dieburger Straße gebaut werden, meint Schultheis, sondern „dorthin, wo niemand wohnt“ – also in einem Rechtsschwenk an der Kulturhalle vorbei und im Bereich des Bahnhofs wieder nach oben.

Von Annette Schlegl

Ein Autofahrer hat einen Radfahrer zu Sturz gebracht. Nach dem Unfall in Rödermark fuhr er einfach davon.

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