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Die Züge, die von Dieburg nach Dreieich und Frankfurt im Einsatz sind, stehen auch in anderen Bahnnetzen in der Kritik. 

Dreieich

Dreieich: Bahn räumt Qualitätsmängel ein

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Die Deutsche Bahn ist mit der Qualität der Dieseltriebwagen des polnischen Herstellers Pesa unzufrieden - und will trotzdem für die Dreieichbahn zehn Züge einsetzen.

Laut seien sie, die drei neuen Dieseltriebwagen des polnischen Herstellers Pesa, die die Deutsche Bahn seit Februar auf den Gleisen der Dreieichbahn einsetze. Das monierten zahlreiche Anwohner an der Strecke. Aller Kritik zum Trotz sind aus den drei Zügen seit Juni nun neun geworden. Ein zehntes Fahrzeug werde die Flotte bald wie geplant ergänzen, verlautbart eine Bahnsprecherin des DB-Regionalbüros Frankfurt. Derweil wurde bekannt, dass die Bahn mit der Qualität der Dieseltriebwagen selbst nicht zufrieden sein soll und keine weiteren Fahrzeuge abrufen werde.

Im Internet-Forum „ICE-Treff“ war kürzlich zu lesen, dass die Bahn keine weiteren Züge des polnischen Herstellers mehr kaufen werde. Als Quelle nennt der Autor die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Dort wird ein Bahnsprecher mit den Worten zitiert, die Qualität der Pesa-Züge sei nicht das, was die Bahn erwartet habe. Deshalb bleibe es deutschlandweit bei den 71 Zügen, die der Hersteller bisher ausgeliefert habe. Im Sauerlandnetz, wo die polnischen Triebwagen ebenfalls unterwegs sind, kam es wie auf der Dreieichbahn zu zahlreichen Beschwerden der Anwohner wegen zu lauten Dieselaggregaten, Lüftern und Bremsen.

Dreieichbahn: Lokführer verwenden Spezialbremsen nicht mehr

Laut Sven Heydecke von der Nutzerinitiative Dreieichbahn gibt es mittlerweile eine Direktive für die Lokführer, nicht mit dem neuen verschleißfreien Retarder zu bremsen. Dabei handelt es sich um eine Nutzbremse, die mit Öl arbeitet und in den neuen Zügen zusätzlich zu den Scheibenbremsen verbaut ist. Das Ölgefäß dazu müsse gekühlt werden, und diese Kühlanlage verursache die lauten Geräusche. Die Lokführer seien nun angewiesen, stattdessen mit den normalen Bremsklötzen zu bremsen.

Auch die Klimatisierung sei problematisch, so Heydecke. „Die Klimaanlage kann nicht moduliert werden, sie läuft entweder volle Pulle oder gar nicht“, sagt er. Im Inneren der Triebwagen erzeuge das einen Geräuschpegel von 80 Dezibel.

Das deckt sich mit der Aussage von Jörg Holl. „Die Klimaanlage rasselt sehr laut“, sagt der Dieburger, der regelmäßig sein Rad mit in die Bahn nimmt. „Vor ein paar Tagen war es eiskalt, und heute Morgen waren es bestimmt 30 Grad im Waggon.“ Außerdem quietsche der Zug immer noch, wenn er in die Kurve fahre. Und anstelle von drei zusammengekoppelten Waggons komme oft nur einer zum Einsatz. „Die Leute stapeln sich da drin und würden mich als Radfahrer wohl am liebsten lynchen.“ Auch Karin Arnold, Anwohnerin der Bahn in Dreieichenhain, spricht von einem Quietschen der Räder, das „nicht besser, sondern eher schlechter“ geworden sei.

Laut Heydecke hatte die Bahn im Jahr 2012 mit dem Unternehmen Pesa einen Rahmenvertrag für die Lieferung von bis zu 470 Fahrzeugen des Typs „Pesa Link“ abgeschlossen. Bestellwert: 1,2 Milliarden Euro. Der Rahmenvertrag lief zum 31. Dezember 2018 aus. Die Bahn rufe nun aber nur 71 der vereinbarten 470 Fahrzeuge ab, die auf der Dreieichbahn, im Sauerlandnetz und im Dieselnetz Allgäu zum Einsatz kommen. „Darüber hinaus wird es keine weiteren Pesa-Züge mehr geben bei der Deutschen Bahn“, sagt er.

Deutsche Bahn: Zusammenarbeit mit Hersteller Pesa geht weiter

Die Bahn habe die Zusammenarbeit mit der Firma nicht eingestellt, erklärt eine Sprecherin von DB Regio auf FR-Anfrage. Sie werde auch weiterhin bei Ausschreibungen prüfen, ob Fahrzeuge des polnischen Unternehmens in Betracht kämen. Die im Rahmenvertrag genannte Zahl sei eine Option, die darauf basiere, welches Potenzial der Markt voraussichtlich in den kommenden Jahren habe. Damit solle sichergestellt werden, dass während der Laufzeit des Vertrags bei Bedarf schnell Fahrzeuge nachbestellt werden könnten.

Im übrigen würden die Züge auf der Dreieichbahn derzeit „stabil“ laufen, so die Bahnsprecherin. Noch im März waren die Proteste der Nutzer und Anwohner gegen die drei neuen Züge groß, auch im Dreieicher Rathaus gingen Beschwerden ein. Im Juni erklärte DB Regio der FR, die Flotte werde erst dann aufgestockt, wenn die aktuellen Mängel und Auffälligkeiten beseitigt seien. Bei Bürgermeister Martin Burlon (parteilos) sind in den vergangenen Wochen keine Beschwerden mehr eingegangen. „Ich will aber keine Entwarnung geben.“

Hintergrund zum Thema: Lange protestierten schon Anwohner an der hessischen Dreieichbahn und der westfälischen Sauerlandbahn. Erst spät gab die Deutsche Bahn ihnen recht: Die Regionalzüge des Typs Pesa Link sind lauter als geplant. 

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