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Nicht nur zum Sushi empfiehlt Thomas Bick frischen Wasabi.

Existenzgründer

Scharfe Wurzeln aus Fernost

Thomas Bick hat sich mit dem Import von Wasabi aus Japan selbstständig gemacht. Frisch ist das Gewürz in Europa bisher nur selten zu finden - das will der 31-Jährige aus Dreieich ändern.

Von Dirk Rüsing

Mit Existenzgründern kennt sich Thomas Bick aus. Als Mitarbeiter einer Finanzinvestfirma hat der 31-Jährige aus Dreieich „dauernd Businesspläne von Leuten gelesen“, die für ihre Geschäftsidee Kapital brauchten. Deren Enthusiasmus habe ihn stets beeindruckt, sagt er. „Irgendwie wollte ich mir auch immer was Eigenes aufbauen.“

Nun hat Thomas Bick seine eigene Firma. Als er im Januar arbeitslos geworden ist, hat er die Gelegenheit genutzt und den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Mit seiner Firma Agrodirect importiert er seit Juni frischen Wasabi aus Japan und vertreibt ihn an Restaurants und Feinkosthändler. Dabei unterstützt ihn Geschäftspartnerin Ora Wan, die von Tokio aus den Kontakt zu den Wasabi-Farmen hält.

Sie hat auch den Impuls für Bicks Geschäftsidee gegeben. „Bei einem Sushi-Essen nörgelte sie über die Wasabi-Paste, die in Deutschland zum Fisch gereicht wird“, sagt Bick. Aus Japan sei sie den frischen Wasabi gewohnt, der übers Sushi gerieben werde.

Daraufhin hat Bick recherchiert. Sein Ergebnis. „Wasabi liegt im Trend.“ Audi verkauft Autos in Wasabi-Grün. Snacks schmecken nach Wasabi. Wasabi-Würzpaste ist gefragt. Letztere habe aber mit dem Original kaum etwas zu tun. „Solche Pasten enthalten maximal zwei Prozent Wasabi, der Rest ist Meerrettich, der den Originalgeschmack imitieren soll“, sagt Thomas Bick.

Sein Plan ist, die japanische Gewürzwurzel als Frischeprodukt auf dem deutschen und europäischen Markt zu etablieren. „Wir wollen reine, ursprüngliche Qualität anbieten“, sagt Bick. Er schwärmt von der frischen Schärfe der Wurzel, die den Geschmack von Speisen zusätzlich betone.

In den vergangenen Monaten hat der 31-Jährige sein Geschäft vorbereitet. Mittlerweile ist er mit Zollbestimmungen, Einfuhrverordnungen und Marketingmethoden vertraut. Derzeit bemüht er sich vor allem um die Kundenakquise.

Bis zum Jahresende will er sein Importgeschäft so weit vorangetrieben haben, dass er davon leben kann. Der Existenzgründer ist zuversichtlich, mit seinem Nischenprodukt Erfolg zu haben. Dabei setzt Thomas Bick vor allem auf den Zeitgeist: „Wasabi ist dabei, Chili als Trendgewürz abzulösen.“ Er berichtet von Anfragen aus Frankfurt, Düsseldorf, Köln und London, wo Restaurants und Feinkosthändler an seinem frischen Wasabi interessiert seien. „Nun gilt es, einen Basiskunden-stamm aufzubauen“, sagt Bick.

Die Wasabi-Knollen bietet er mit einem Gewicht zwischen 30 und 150 Gramm an. Pro Gramm verlangt Bick durchschnittlich 23 Cent. „Für eine Portion Sushi braucht man etwa zwei Gramm Wasabi“, sagt er.

Nicht nur mit der reinen Gewürzwurzel will Geschäftsmann Bick Geld verdienen. „Von unserem Produkt lässt sich einiges ableiten“, sagt er. So bietet er zum Wasabi bereits feinkörnige Reiben an, die er ebenfalls aus Japan kommen lässt. „Auch Kochkurse mit Wasabi ließen sich organisieren.“

Wenn alles gut läuft, will Bick mittelfristig auch mit dem Import exotischer Früchte aus Thailand wie der Drachenfrucht beginnen. Dabei wird wieder Ora Wan helfen. „Sie ist gebürtige Thai und hat Kontakte zu den entsprechenden Farmen.“

Bicks Kalkül: „Wenn wir direkt beim Erzeuger bestellen, können wir für die Qualität der Ware bürgen und diese günstig anbieten, weil beim Import Zwischenschritte wegfallen.“

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