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Aus dem Bildband: Adam Vetter vor seinem Betrieb.

Langen

Arbeitswelt vergangener Tage

Ein neuer Bildband beleuchtet die Geschichte alter Gewerbebetriebe in Langen. Und im Buch sind nur die Hälfte all der Bilder, die die Macher hätten nutzen können.

Von Laura Eßlinger

Es ist fast wie bei einem Mitmach-Quiz, als Herbert Bauch die Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit dem Projektor an die Wand wirft. „Ach, das ist doch das Bügeleisenhaus“, ruft ein Mann aus dem Publikum, als er das Foto eines mehrstöckigen Wohnhauses sieht, das mit seiner dreieckigen Form tatsächlich an ein Bügeleisen erinnert. Viele der knapp 100 Gäste, die in die Langener Stadtbücherei gekommen sind, murmeln zustimmend. „Sie haben Recht. Das sogenannte Bügeleisenhaus wurde 1902 von Langener Handwerkern für den Bauunternehmer und späteren Besitzer Johannes Werner V. gebaut“, löst Herbert Bauch auf. Die Zuhörer nicken zufrieden.

Zusammen mit Inge und Horst Helfmann hat Stadtarchivar Bauch gerade den dritten lokalhistorischen Bildband veröffentlicht, den sie nun dem Publikum präsentieren: „Langen. Betriebe, Geschäfte und Unternehmen“. Auf 96 Seiten finden sich 160 Abbildungen, die allesamt ein Stück Gewerbegeschichte zwischen 1880 und 1980 zeigen.

„Neben kleinen und mittleren Unternehmen wollen wir mit diesem Band auch Industriebetriebe und Großhändler zeigen“, erklärt Bauch die Auswahl. Aufnahmen von Elektrogeschäften wie das Elektrohaus-West oder Radio Werner sind genauso im Bildband zu bestaunen, wie die Traditionsgeschäfte Adam Hill oder Werner & Dutiné, deren Besitzer stolz in die Kamera lächeln.

"Einen Teil der Geschichte konservieren"

Viele der abgelichteten Betriebe gibt es heute nicht mehr – entweder, weil sie wirtschaftlich kaum noch rentabel waren, oder weil sie der städtebaulichen Entwicklung zum Opfer fielen und abgerissen wurden. Gerade diese wollen die Autoren zeigen: „Wir wollen Einblick in die Arbeitswelt von früher geben und einen Teil unserer Geschichte konservieren“, sagt Inge Helfmann.
Fast 60 Langener und Langenerinnen haben die Hälfte des Fotomaterials zum dritten Band von Bauch und Ehepaar Helfmann beigesteuert. Die andere Hälfte kommt aus dem Stadtarchiv. Viele der Aufnahmen haben die Autoren schon im vergangenen Jahr bei ihrer Ausstellung „Handwerk, Handel und Gewerbe in Langen“ im Alten Rathaus gezeigt.

„Danach sind viele Bekannte auf uns zugekommen und haben uns dazu ermuntert, doch noch mal ein Buch darüber zu machen“, sagt Inge Helfmann. Seit vielen Jahren befasst sich die gebürtige Langenerin mit Ahnenforschung und durchkämmt das Stadtarchiv nach Schätzen aus der Vergangenheit.

Die Qual der Wahl

Genügend Bilder zu finden, sei nicht sehr schwierig gewesen, meint die 71-Jährige: „Man kennt sich in Langen und weiß, wer vielleicht noch das ein oder andere Foto von früher besitzt.“ Ihr Mann Horst ergänzt: „Manche der Bildgeber haben uns ganze Fotoalben gezeigt und viel dazu erzählt.“ Der 72-Jährige ist mit der Veröffentlichung zufrieden, alles hat reibungslos funktioniert. Stadtarchivar und Autorenkollege Herbert Bauch nickt zustimmend.

Wirklich schwierig und anstrengend sei nur gewesen, jeweils die besten Aufnahmen auszusuchen. Denn immerhin waren es fast doppelt so viele, wie am Ende ins Buch passten. „Das ein oder andere Stück Kuchen ist bei der Fotorecherche aber auch für uns abgefallen, das hat die Anstrengung ausgeglichen“, sagt Helfmann und grinst.

Das Buch „Langen. Betriebe, Geschäfte und Unternehmen“ von Inge und Horst Helfmann und Herbert Bauch ist im örtlichen Buchhandel erhältlich und kostet 18,95 Euro.

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