Maintal

Angst vor Stellenabbau bei Norma in Maintal

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Der Umsatz des Zulieferers Norma sinkt. Der Konzern versichert, dass kein Sparkurs geplant ist. In Maintal macht man sich Sorgen.

In der Belegschaft der Norma Group in Maintal ist die Stimmung im Moment schlecht und die Unruhe groß, berichten Mitarbeiter. Sie befürchten einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen. Aktuelle Auslöser sind eine erneute Gewinnwarnung des auf Verbindungstechnik spezialisierten Industrieausrüsters sowie der Wechsel in der Chefetage im Juli: Michael Schneider hat Eigengewächs Bernd Kleinhens, der fast 30 Jahre beim Autozulieferer tätig war, als Konzernchef abgelöst. Beschäftigte befürchten, Schneider, der vorerst interimsweise übernimmt, könnte einen strikteren Sparkurs fahren.

Statt mit ein bis drei Prozent bereinigtem Umsatzwachstum kalkuliert Norma hier nun mit einem Ergebnis zwischen minus eins und plus eins Prozent. Die operative Rendite soll 2019 bei 13 statt 15 Prozent liegen. Wie andere Zulieferer leidet auch Norma unter der schwächelnden Autoindustrie. Hinzu kommen die weltweiten Handelskonflikte und Sanktionen. Das führt bei Investitionen zu Zurückhaltung, nicht zuletzt im Asien-Geschäft.

Anfang August gab Schneider der Nachrichtenagentur Reuters ein Interview. Darin kündigte er „weitere Optimierungsschritte“ an, die die Struktur des Unternehmens , aber auch die Standorte betreffen könnten. Hauptsitz ist Maintal, wo es laut Betriebsrat rund 500 feste Stellen gibt.

Fokus auf E-Mobilität

„Wir werden unser Portfolio mittel- und langfristig sehr fokussiert ausrichten auf die Wachstumsbereiche E-Mobilität und Wasser“, sagte Schneider: „Und wir werden uns sicherlich im Hinblick auf die Organisationsstruktur in den nächsten Monaten adjustieren.“

Bereits im Mai hatten sich Norma, IG Metall und Betriebsrat darauf geeinigt, dass in Maintal etwa 50 Stellen „sozialverträglich“ abgebaut werden. Gleichzeitig verpflichtete sich das Unternehmen, die Kernbereiche in Maintal bis Ende 2023 zu erhalten und betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Darüber hinaus sollen bis zu diesem Zeitpunkt pro Jahr mindestens vier Millionen Euro in die langfristige Wettbewerbsfähigkeit investiert werden, zum Beispiel in Felder wie E-Mobilität und Digitalisierung. Die Abhängigkeit des Maintaler Werks von der Verbrennertechnologie im Automobilbereich soll weiter reduziert werden.

Betriebsratschef Klaus Ditzel bestätigt auf FR-Anfrage, dass viele Beschäftigte in Sorge seien. Die Arbeitnehmervertreter klärten derzeit, was genau die jüngsten Nachrichten bedeuten und welche Schritte das Management erwäge. Er machte deutlich, dass es Widerstand gegen einen erneuten Stellenabbau gebe. Die Arbeitsbelastung sei hoch, auch weil neben den 50 Festangestellten etwa 60 Leiharbeiter nicht mehr beschäftigt würden. Den Einbruch in der Autobranche spürten die Beschäftigten daher nicht.

Norma-Sprecherin Daphne Recker sagt, es gebe keinen Sparkurs. Das Unternehmen müsse, wie zahlreiche andere, die aktuellen Herausforderungen bewältigen und dazu sowohl seine Struktur als auch seine Prozesse weiter optimieren. Konkrete Maßnahmen stünden noch nicht fest. Interims-Chef Schneider sei schon seit Jahren im Unternehmen und diesem eng verbunden. Ziel sei es, den Standort Maintal langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Schneider zeigt sich zuversichtlich: Trotz der aktuell schwierigen Bedingungen „sehen wir uns mit unserem diversifizierten Produktangebot und unserem Fokus auf die Zukunftsmärkte Elektromobilität und Wassermanagement weiterhin gut aufgestellt.“

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