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Mit Popcorn und Fläschchen: Familie Fischer im Langener Schnuller-Kino.

Langen

Mit Nucki vor der Leinwand

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Beim ersten Langener Schnuller-Kino wird Rücksicht auf die Kleinsten genommen.

"Wir waren lange nicht im Kino und Lena noch nie“, sagen Nicole und Markus Gerhardt aus Langen. Das ist kein Wunder, denn Lena ist erst zarte acht Monate alt, liegt im Kinderwagen und schläft. Ihre Eltern werden sich gleich „Das Geheimnis der Bäume“ im Lichtburg Cinema in Langen ansehen. Lena wird währenddessen hoffentlich weiterschlafen. Aber wenn sie aufwacht und schreit, dann ist das auch nicht so schlimm. „Im normalen Kino würde das die anderen Besucher ärgern, aber hier wird es keinen stören“, sagt Nicole Gerhardt.

Sanfte Filme statt Action

Schreiende Kleinkinder im Kino? Was für den Normal-Gucker tatsächlich den Kinobesuch zur Horrorvorstellung werden ließe, nennt sich am Sonntagmorgen um 10 Uhr Schnuller-Kino und unterscheidet sich noch in anderer Hinsicht von einer normalen Kinovorstellung: Der Saal ist nur abgedunkelt, aber nicht völlig dunkel, und die Lautstärke ist moderat. Zugeständnisse an die besondere Zielgruppe macht Kinobesitzer Bruno Ugazio auch bei der Filmauswahl: „Im Schnuller-Kino können wir natürlich keine Actionfilme zeigen und auch keine allzu langen. Ich versuche, sanfte Filme auszuwählen, keine Blockbuster.“ Denn die Kleinen sollen ja nicht erschreckt werden, etwa durch grelle und laute Actionszenen. Perfekt ist es, wenn sich die Kinder vielleicht sogar schon ein bisschen für die Bilder interessieren, selbst dann, wenn sie den Film noch nicht verstehen.

Beim gestrigen ersten Schnuller-Kino waren zwei Elternpaare mit jeweils einem Kind in der Vorführung und zwei Damen, die altersmäßig zwar weit weg vom Schnuller waren, aber sich davon nicht abschrecken ließen. Für Betreiber Ugazio ist das ein guter Auftakt, sagt er. „In der Schweiz gibt es das unter der Bezeichnung Nucki-Kino schon lange. Mich hat eine Besucherin auf die Idee gebracht, das auch zu machen. Wir probieren das in Langen jetzt mal aus und wollen ungefähr drei bis vier Termine im Winterhalbjahr bieten, das hängt auch vom Filmangebot ab. Wenn die Besucher es annehmen, ist es gut, wenn nicht, dann nicht,“ so Ugazio. Die Matinee-Vorstellungen am frühen Sonntag laufen generell nur zwischen Oktober und Ostern; wenn es warm ist, wollen die Leute nicht ins Kino, sagt Ugazio. Im kommenden Herbst und Winter will er sonntags auch Kino mit Frühstück veranstalten.

Andrea und Martin Fischer mit ihrer zweijährigen Tochter Isabell sind ebenfalls erfreut über das neue Angebot. Andrea Fischer erinnert sich aber auch daran, dass es unter den alten Kinobetreibern ebenfalls ein Kinderkino gab. mit günstigerem Eintritt. Nun hat die dreiköpfige Familie zusammen 18 Euro gezahlt. Für die Eltern Fischer ist entscheidend, dass nicht total abgedunkelt ist, weil man sich dann leichter ums Kind kümmern kann, falls nötig, und dieses sich auch besser orientieren könne. Und die Länge – besser: Kürze – der Filme sei auch wichtig, sagen die beiden jungen Eltern, denn Kinder hätten halt nicht die Konzentrationsfähigkeit wie Erwachsene. Das beweist dann auch ihre kleine Isabell, die zwar während des Films immer wieder einzelne Bilder mit begeisterten Ausrufen kommentiert, aber irgendwann dann doch so unruhig ist, dass die drei früher gehen. Auch vor diesem Hintergrund war es, trotz ermäßigtem Familienpreis, sicher kein billiges Vergnügen.

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