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Rund um das Doktorhaus sollten drei Einzelgebäude entstehen, meint die Interessengemeinschaft. 

Rodgau

Alternativplanung fürs Doktorhaus in Rodgau

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Die Interessengemeinschaft „Bauvorhaben am Doktorhaus“ in Rodgau ist selbst kreativ geworden und zeigt jetzt auf, wie die Bebauung rund um das Kulturdenkmal aussehen sollte.

Runde zwei im Streit um die Bebauung rund um das Kulturdenkmal Doktorhaus im Rodgauer Stadtteil Dudenhofen, das so heißt, weil dort einst der Gemeindearzt wohnte und praktizierte. In Runde eins gründete sich eine Interessengemeinschaft, die dann an Infoständen und per Plakaten auf die „Nachverdichtung ohne Rücksicht auf Verluste“ aufmerksam machte. Nun ließ die Interessengemeinschaft ihrer Kritik auch Taten folgen: Ein Architekt hat ihre Bebauungsvorstellungen in eine Alternativplanung einfließen lassen. Der Kompromissvorschlag, der statt 36 Wohneinheiten nur noch 21 vorsieht, ging am Montag dem Magistrat und den Stadtverordnetenfraktionen samt Anschreiben zu.

Die Vorgeschichte des Streits: Die Anwohner des Kulturdenkmals wehren sich gegen die massive Bebauung, die die ErBa Bau- und Immobilien GmbH aus Obertshausen im Mindestabstand zu ihren Häusern und Gärten plant. Der Investor sieht für das Doktorhaus drei Wohnungen sowie rundherum einen U-förmigen Komplex mit 33 Wohnungen und drei Vollgeschossen plus Dachgeschoss vor. Die Anrainer ärgern sich, dass sie damit auf eine 40-Meter-Front schauen, die fast 14 Meter hoch ist. Sie monieren, dass die Geschoßflächenzahl des Bauvorhabens bei 1,4 liegt – und damit weit über dem Wert von 1,2, der als Obergrenze in der Baunutzungsverordnung definiert ist. Die Geschossflächenzahl gibt an, wie viel Quadratmeter Geschossfläche je Quadratmeter Grundstücksfläche zulässig sind.

Die Interessengemeinschaft werde auch die rechtliche Auseinandersetzung nicht scheuen, „falls dies nötig sein sollte, um den aktuellen Entwurf zu verhindern“, heißt es im Anschreiben an Magistrat und Fraktionen.

Die Interessengemeinschaft „Bauvorhaben am Doktorhaus“ hat mittlerweile mehr als 200 Unterschriften gegen die geplante Bebauung gesammelt.

Gestern Abend wurden vornehmlich in Dudenhofen, aber auch vor vielfrequentierten Einrichtungen in den anderen Stadtteilen Plakatständer aufgestellt, die auf eine Info-Veranstaltung am Samstag , 17. August, hinweisen.

In einem Pavillon vor dem Doktorhaus sollen Bürger zwischen 13 und 16 Uhr über das Bauvorhaben, aber auch über die generelle Baupolitik in Rodgau informiert werden. ann

Mit ihrem Alternativvorschlag macht die Gruppierung jetzt klar, dass sie nicht gegen Nachverdichtung und auch nicht generell gegen die Bebauung des 2530 Quadratmeter großen Areals an der Nieuwpoorter Straße ist, wohl aber gegen die geplante Bebauungsdichte und -höhe. „Wir sind sehr kompromissbereit“, sagt Isabel Friedrich, Sprecherin der Interessengemeinschaft.

Deren Alternativplanung sieht keinen U-förmigen Gebäudeblock, sondern drei Gebäude als Einzelbebauung rund um das Doktorhaus vor. Eines der drei Mehrfamilienhäuser, das an der Straße steht, könnte dreigeschossig errichtet werden, die anderen beiden im hinteren Bereich sind zweigeschossig geplant. Inklusive der drei Wohnungen im Doktorhaus ergäben sich so 21 Wohneinheiten.

Die Autos sollen in beiden Planungsvarianten in Tiefgaragen verschwinden. Bei der Planung von ErBa Bau sind aber sogenannte Duplexstellplätze vonnöten, bei denen zwei Autos übereinander parken. Die Anwohner befürchten, dass die meisten künftigen Bewohner ihre fahrbaren Untersätze lieber auf der Straße parken als zeitaufwendig in der Doppelstockgarage zu stapeln.

Rund 1500 Euro hat die Interessengemeinschaft laut Friedrich bisher in eine anwaltschaftliche Erstberatung, Plakate und Flyer investiert – sowie in ein 1,70 mal 1,20 Meter großes Banner mit dem Wortlaut „Maximaler Profit versus Angemessenheit“, das am Samstag aufgehängt werden soll.

Die Anwohner hätten ihre Einwendungen ja schon im Rahmen der Offenlage des vorhabenbezogenen Bebauungsplans äußern können, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP). Die Frist sei sogar extra verlängert worden. „Durch informelle Veranstaltungen wird nun versucht, den formellen Normgeber, also die Stadtverordnetenversammlung, zu beeinflussen“, ärgert er sich. Im Übrigen seien die dreieinhalb Geschosse der ErBa-Planung mit den Ämtern abgestimmt. Man solle doch erst einmal die Abwägungsentscheidung abwarten.

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