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Alte Fähigkeiten neu erleben

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Hilfe beim Essen
Hilfe beim Essen © dpa

Mitten in der Neu-Isenburger City entsteht ein Altenpflegeheim für 48 an Demenz erkrankte Menschen.

Von Achim Ritz

Nach rund zehnjähriger Planung mit vielen Hindernissen haben die Stadt Neu-Isenburg und die Innere Mission Darmstadt jetzt einen Erbpachtvertrag zum Bau eines neuen Altenpflegeheimes in der Ludwigstraße unterzeichnet. Pfarrer Klaus Bartl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Innere Mission, glaubt an einen ersten Spatenstich im April des nächsten Jahres. Das knapp fünf Millionen Euro teure Heim für Senioren soll im Mai 2012 eröffnen.

Die Planungen verzögerten sich nach Darstellung von Klaus Bartl, weil die Stadt und die Innere Mission zunächst ein Grundstück in der Nachbarschaft des Altenpflegeheims in der Erlenbachaue ins Auge gefasst hatten. Doch diese Planung habe unter anderem wegen Bedenken von Anwohnern nicht realisiert werden können. Das Pflegeheim für an Demenz erkrankte Menschen soll jetzt mitten in der Stadt in der Ludwigstraße 55, wo sich einst das Olympia-Kino befand, entstehen. In dem dreigeschossigen Gebäude können 48 Senioren in vier Hausgemeinschaften wohnen. Pro Einheit gibt es einen Gemeinschaftsraum mit Wohnküche und für alle ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad.

Die Stadt greift der Investorin Innere Mission bei der Finanzierung des Heims gleich doppelt unter die Arme. Einerseits erhält die Stiftung das zwischen Waldstraße und Ludwigstraße gelegene Grundstück – der Wert wird auf 1,2 Millionen Euro geschätzt – im Erbbaurecht und zahlt dafür 99 Jahre lang monatlich 250 Euro. Andererseits überweist die Stadt rund eine Million Euro. Durch diesen Zuschuss wird sich künftig der Tagessatz für die Bewohner um bis zu 4,50 Euro reduzieren.

Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) legt Wert darauf, dass „dieses qualitativ hochwertige Projekt für die Menschen erschwinglich ist“. Er ist froh darüber, dass die Planung jetzt unter Dach und Fach ist. Und Hunkel weist auf den zentralen Standort in der City und die Nachbarschaft zum Altenpflegeheim An den Platanen hin. Die gute Lage fördere zudem die Integration und Vernetzung der Einrichtung.

Das Konzept des „Altenpflegeheimes der vierten Generation“ bezeichnet die Innere Mission als modern und in der Region einzigartig. Ziel sei es, dass Menschen mit Demenz im Alltag zufriedener würden und ihre Lebensqualität steige. Die Hausgemeinschaften orientieren sich nach Angaben von Sylvia Spira, künftige Leiterin des neuen Heimes, am Leben zu Hause. Selbstverständlich dürften die Senioren eigene Möbel in ihre Zimmer stellen. Die Innere Mission will die Biografien der Menschen berücksichtigen und auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Auf die Frage, ob auch Hund, Katze oder Wellensittich erlaubt seien, sagt Spira, dass dies im Einzelfall entschieden werden müsse.

Die dementiell Erkrankten sollen im neuen Haus ein anregendes Umfeld finden, in der auch Erinnerungen geweckt werden. Oft sei es bei Demenzkranken laut Spira so, dass sie verzweifelt und frustriert seien, weil sie beispielsweise keinen Apfel mehr allein schälen oder nicht mehr bügeln könnten. Diese alten Fähigkeiten neu zu erlernen, bringe Erfolgserlebnisse. Vorgesehen sei in den Hausgemeinschaften auch das gemeinsame Vorbereiten der Mahlzeiten.

Die Sozialarbeiterinnen und Betreuer möchten den Bewohnern helfen, ihren Alltag zu strukturieren, und sie wollen ihnen Sicherheit geben, damit Ängste vermieden werden.

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