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Alleine leben bleibt ein Traum

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Eine eigene Wohnung zu finden uns selbstständig zu leben bleibt oft ein Traum.
Eine eigene Wohnung zu finden uns selbstständig zu leben bleibt oft ein Traum. © imago stock&people

Eine eigene Wohnung, ein eigenes Leben: Was für die meisten Menschen Realität ist, bleibt behinderten Menschen oft verwehrt. Eine passende Wohnung zu finde ist oft schwierig, besonders mit einem geringen Einkommen.

Von Jöran Harders

Eine eigene Wohnung, ein eigenes Leben: Was für die meisten Menschen Realität ist, bleibt behinderten Menschen oft verwehrt. Eine passende Wohnung zu finde ist oft schwierig, besonders mit einem geringen Einkommen.

Zum Erwachsenwerden gehört eigentlich ganz selbstverständlich das Verlassen der elterlichen Wohnung und der Einzug in die eigenen vier Wände. Doch für junge Menschen mit einer geistigen Behinderung scheitert dieser Schritt in die Selbstständigkeit im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet immer häufiger an einer Schwierigkeit, die auf den ersten Blick banal erscheinen mag.

Auf staatliche Leistungen angewiesen

„Für Behinderte ist es fast unmöglich, auf dem freien Markt eine Wohnung zu finden, die sie auch bezahlen können“, sagt der Leiter des ambulant betreuten Wohnens der Stadt Offenbach, Johannes Hock. Das liegt einerseits daran, dass die Situation für Wohnungssuchende mit wenig Geld derzeit ohnehin nicht leicht ist – und geistig Behinderte sind in der Regel Geringverdiener oder sogar vollständig auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Andererseits gebe es bei Wohnungseigentümern auch große Vorbehalte gegenüber behinderten Mietern, beklagt Hock. Das hat auch Robert Maßholder beobachtet, der das ambulant betreute Wohnen im Wohnverbund Langen leitet. Dass einige von Hocks und Maßholders Klienten schon seit mehr als einem Jahr auf Wohnungssuche sind, sei aber nicht nur für die Betroffenen belastend, die dadurch gezwungen sind, bis ins Erwachsenenalter bei den Eltern zu wohnen, wie Maßholder betont. Es mache auch eine sinnvolle Arbeit im ambulant betreuten Wohnen unmöglich. „Das Konzept ist so ausgelegt, dass geistig Behinderte in ihrem eigenen Zuhause so begleitet und unterstützt werden, dass sie selbstständig und selbstbestimmt leben können, soweit es eben geht. Solange sie keine eigene Wohnung haben, können wir nicht viel mehr tun als zu versuchen, ihnen bei der Wohnungssuche zu helfen“, erläutert Maßholder. Hilfreich seien bei der Suche Partner wie die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) oder die Nassauische Heimstätte. Was Maßholder und Hock Sorgen macht, ist weniger die Zahl der Behinderten im ambulant betreuten Wohnen, die keine Wohnung finden. Denn diese ist mit drei Wohnungssuchenden in Offenbach und einem in Langen durchaus überschaubar. Das Problem sei vielmehr, die verschwindend geringe Chance, überhaupt geeigneten Wohnraum zu bekommen. Die wenigen angebotenen Mietobjekte seien darüber hinaus oft für die Zielgruppe auch nicht geeignet, bedauert Maßholder. Dabei müssten Wohnungseigentümer nicht befürchten, dass sie mit eventuellen Problemen alleine gelassen werden. Je nach Unterstützungsbedarf werden die Behinderten bis zu sechs Stunden pro Woche von einem Betreuer begleitet, der ihnen im Alltag hilft und auch als Ansprechpartner für den Vermieter da ist.

Soziale Isolation vermeiden

„Im Idealfall sollen unsere Klienten all das tun können, was Menschen ohne Behinderung auch tun. Nur dass wir im Zweifel da sind, wenn irgendetwas nicht klappt“, sagt Hock. Hilfestellung gibt es etwa beim Einkaufen, bei der Haushaltsführung, bei Behördengängen oder bei der Körperhygiene, aber auch bei der Gestaltung sozialer Beziehungen. Dieser letzte Punkt liegt Hock und Maßholder besonders am Herzen. „Ein Grundgedanke des ambulant betreuten Wohnens ist es zu vermeiden, dass geistig Behinderte völlig unter sich bleiben und wie in einem Ghetto leben. Die meisten Behinderten wünschen sich eine ganz normale Freizeitgestaltung, beispielsweise als Mitglied in einem Verein“, sagt Maßholder.

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