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Der Aktivist und der Denker

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Von: Madeleine Reckmann

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Peter Düll (l.) und Peter Illert
Peter Düll (l.) und Peter Illert © rolf oeser

Peter Illert und Peter Düll sind seit 30 Jahren Mitglied der Grünen in Dreieich - obwohl sie ein ganz unterschiedliches Politikverständnis haben.

Der eine ist bei Protesten gegen Waldrodungen wie für die neue Nordwest-Landebahn immer dabei und so etwas wie der ewige Aktivist, der andere hat zur Durchsetzung seiner Überzeugungen den Marsch durch die Gremien gewählt und gilt eher als Denker seiner Partei.

Peter Illert und Peter Düll haben außer ihrem Vornamen weitere Gemeinsamkeiten. Beide haben ein inniges Verhältnis zu Bäumen und führen ein Leben ohne Auto. Und beide sind seit 30 Jahren Mitglieder des Dreieicher Bündnisses 90/Die Grünen und verkörpern Parteigeschichte. „Das sind Leute, die es geschafft haben, die Partei zusammenzuhalten und neue Leute zu interessieren“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Roland Kreyscher anlässlich der Feier zum 30-jährigen Bestehen am Wochenende. Und es sind Leute, die sich in all ihrer Unterschiedlichkeit mit Leib und Seele für die Partei einsetzen.

Der 49 Jahre alte Peter Illert, Behindertenassistent, hat eher eine kreative Ader und malt Plakate und Transparente für die Grünen, Robin Wood und Bürgerinitiativen. An der Mahnwache gegen den Bau der neuen Nordwest-Landebahn in Kelsterbach hängen allein 30 oder 40 Plakate aus seiner Werkstatt. Er ist bei fast allen Mitgliederversammlungen dabei und bereitet Partei-Veranstaltungen vor.

Peter Düll, 68 Jahre alt und Bankkaufmann im Ruhestand, zieht dem Kampf im Wald die Aufbauarbeit vor. In seiner Freizeit hilft er bei Aufforstungen des Deutschen Alpenvereins und versteht sich im Beschneiden von Obst- und Olivenbäumen. Früher war er für die Grünen der Mann der Ämter und die „treue Seele der Partei“, wie Parteifreunde es ausdrücken: Düll war Schiedsmann und im Ortsbeirat Buchschlag, Stadtverordneter, Fraktionschef und Stadtrat; er verwaltete die Finanzen von Partei und Fraktion und bestimmte die politische Linie mit. Dass er Ende der 80er Jahre als Herr Müll angesprochen wurde, als die Grünen für die Schließung der Mülldeponie Buchschlag kämpften, amüsiert ihn noch heute. „Grüne Ideen durchsetzen, dafür stehe ich immer noch“, sagt Düll. 1989 war er einer der ersten, der sich eine Solaranlage aufs Hausdach bauen ließ. Sie funktioniert noch.

Mehr Stimmen als die SPD

Dass die Grünen-Partei in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative gegen die Südumgehung nach über 30 Jahren die Südumgehung Buchschlag/Sprendlingen verhindern konnte, darauf sind die Grünen-Mitglieder stolz. Weitere Erfolge: Die Grünen setzten durch, dass die Dreieichbahn nicht eingestellt, sondern aufgewertet wurde. Ein Teil des Hengstbachs wurde renaturiert. Düll ist zuversichtlich, dass der restliche Bach noch drankommt. Der wichtigste Erfolg ist für den früheren Bankkaufmann jedoch, dass die Grünen in Buchschlag bessere Wahlergebnisse als die SPD einfahren. Für Illert ist es wichtig, dass die Parteimitglieder trotz aller Gegensätze immer wieder neu um ihre Ziele ringen. „Und respektvoll bleiben“, sagt er. Bei aller Unterschiedlichkeit.

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