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Die beiden Landwirte Norbert und Steffen Zöller hoffen auf Bürger, die bei ihnen noch Blühflächen für Insekten kaufen. 

Seligenstadt

Ackerland für jedermann zugunsten der Insekten

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Der Zöllerhof in Seligenstadt verkauft Patenschaften für Blühflächen, auf denen sich dann Insekten tummeln können. Die Landwirte verdoppeln die Flächen.

In Seligenstadt kann jeder in den Frühjahr- und Sommermonaten zum Insektenhelfer werden. Möglich macht das die Landwirtsfamilie Zöller, die Bürgern anbietet, sich in einer Art Patenschaft an Blühflächen für Insekten zu beteiligen. Die Initiatoren verdoppeln die von den Insektenhelfern auf ihren Äckern gekauften Blühflächen dann auf eigene Kosten.

Die „Aktion Insektenhelfer“ geht gerade ins zweite Jahr. Im Vorjahr erwarben rund 200 Bürger Beteiligungen an der Ansaat von Blühflächen auf Ackerland. Die beiden Vollerwerbslandwirte Norbert Zöller und sein 27-jähriger Sohn Steffen hatten eine solche Resonanz nicht erwartet. „Wir hatten im Vorfeld mit 1,5 Hektar gerechnet, aber es sind sechs Hektar geworden“, sagt Norbert Zöller. Sie mussten deshalb sogar Flächen umbrechen, die bereits mit Gerste eingesät waren, um Platz für die Blühpflanzen zu schaffen.

Nachfrage geringer

Diesmal ist die Nachfrage geringer. Die Zahl der Käufer liege bei etwas mehr als der Hälfte, sagt Zöller, und nennt Gründe für den Rückgang: Im Vorjahr sei das Thema Insektenschutz in der öffentlichen Diskussion gewesen, dieses Jahr überlagere das Thema Corona alles.

Trotzdem gebe es viele, die 2019 kleiner eingestiegen seien und dieses Jahr eine größere Flächeneinheit übernähmen. Zöller hält sechs Hektar vor, verkauft hat er bisher vier Hektar Blühflächen. „Es ist noch möglich, sich für eine Beteiligung anzumelden“, wirbt er deshalb für sein Herzensprojekt. Ende kommender Woche will er die erste Saatgutmischung aussäen, nach den Eisheiligen – die Kalte Sophie kommt am 15. Mai – folgt eine zweite Charge.

Die Aktion

Blühflächen für Insektenkönnen beim Zöllerhof, Diebweg 1, in Seligenstadt erworben werden. Die Landwirtsfamilie verdoppelt diese Fläche dann jeweils kostenlos.

Die kleinste Blühfläche,die Bürger kaufen können, ist zehn Quadratmeter groß und kostet 19 Euro pro Jahr.

Für 50 Quadratmetersind jährlich 50 Euro zu berappen, für 100 Quadratmeter 80 Euro und für 500 Quadratmeter 300 Euro.

Das größte Areal,für das eine Patenschaft übernommen werden kann, ist 1000 Quadratmeter groß. Dafür verlangt der Zöllerhof pro Jahr 400 Euro.

Telefonischist die Landwirtsfamilie unter 0151-121 93 754 erreichbar. ann

Das Saatgut gibt es im Landhandel vorgemischt mit zehn bis zwanzig verschiedenen Blühpflanzen zu kaufen. Jeder Saatguthersteller habe eigene Mischungen, erläutert Norbert Zöller. „Im vergangenen Jahr haben wir verschiedene Mischungen ausprobiert“, sagt er. „In einer waren beispielsweise Erbsen, in einer anderen waren Malven“. Aber gerade die Malven sind Bauer Zöller ein Dorn im Auge, weil sie sich explosionsartig vermehren und so schon im Folgejahr zum Unkraut werden können. In diesem Jahr hat er das Saatgut über den hessischen Bauernverband bezogen, der eine gute Mischung in Auftrag gegeben hatte.

Große Vielfalt

Der Tisch wird für die Insekten reich gedeckt sein: Fenchel, Dill, Ringelblume, Sonnenblume, Schwarzkümmel, Seradella, Koriander, Wicke, Phacelia, Esparsette und unterschiedliche Kleearten werden ausgesät. „Unsere Blühflächen sehen nicht wie eine Blumenwiese aus“, erklärt der 57-Jährige. Kleinblütige Pflanzen werden dominieren. „Insekten haben halt ein anderes Bedürfnis als der Mensch.“

Es sind viele verschiedene Arten, die sich schon im Vorjahr auf den Blühwiesen getummelt haben. Zöller hat ab und zu den Fotoapparat gezückt und die Insekten vom Fachdienst Umwelt beim Kreis Offenbach bestimmen lassen. Unter anderem wurden auf diese Weise die Rübsen-Blattwespe, der Eulenfalter und das grüne Heupferd ermittelt.

In Fruchtfolge integriert

Die Kaufpreise für die Blühflächen haben die beiden Landwirte nicht erhöht – obwohl der Gewinn im Vorjahr wegen der großen Hitze äußerst mager ausfiel. Der viel zu trockene Sommer zwang die Zöllers damals dazu, 90 Prozent der Blühflächen vom Brunnen aus und mit dem Wasserfass zu bewässern. „Das ist auch in diesem Jahr das Restrisiko, das uns bleibt“, sagt der Landwirt. „Das habe ich bei allen anderen Kulturen auch.“

Die Blühflächen werden in die Fruchtfolge des Zöllerhofs integriert. Im Mai wird der Zöllerhof die Insektenhelfer zu einer Informationsveranstaltung einladen, damit jeder auch weiß, wo genau sich seine Blühfläche befindet.

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