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Zum letzten Mal sitzt Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD) in seinem Amtszimmer.

Dreieich

Bürgermeister in Dreieich nimmt seinen Abschied

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Heute ist der letzte Amtstag von Bürgermeister Dieter Zimmer. Fast 18 Jahre lang stand der SPD-Mann an der Spitze der Stadt.

Der Kloß im Hals werde in den letzten Stunden immer größer, sagt Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer (SPD). Wen wundert’s? 40 Jahre lang stand sein Schreibtisch im Rathaus, nahezu 18 Jahre lang bestimmte er in dieser Zeit die Geschicke der Stadt. Nach zwölf Jahren als Bürgermeister sowie fünfeinhalb Jahren als Erster Stadtrat nimmt der 60-Jährige am heutigen Tag seinen Hut. Erst einmal gibt es im Bürgermeisterzimmer noch Kaffee und Kuchen mit den Vorzimmerdamen und seiner Frau, die heute Geburtstag hat – und dann wird es ernst: Zimmer muss die Schlüssel fürs Rathaus an seinen Nachfolger Martin Burlon (parteilos) übergeben.

„Es war eine Zeit, die jede Falte und jedes graue Haar wert war“, sagt der scheidende Bürgermeister. Wie emotional der Mensch Dieter Zimmer ist, merkt man ganz besonders in diesen Tagen, in denen er sich von liebgewonnenen Menschen und Gewohnheiten verabschieden muss. „Er hat seine Aufgabe als Bürgermeister intensiv, aktiv und mit Herzblut gelebt“, räumt auch der politische Gegner Hartmut Honka ein, der im Dreieicher Stadtparlament die CDU-Fraktion führt. Neinsagen sei ihm nie leicht gefallen, sagt Zimmer. Wegen des Spardrucks und der geforderten Haushaltskonsolidierung habe er dieses Wort aber allzu oft gebrauchen müssen, denn manche Entscheidungen seien „alternativlos“ gewesen.

Freiwillig räumt Zimmer seinen Schreibtisch nicht. Er hätte gerne noch eine Wahlperiode drangehängt, bekennt er im Gespräch mit der FR. Doch die Gesundheit zwang ihn dazu, die Ärzte gaben ihm im November 2017 die „rote Karte“.

Die letzte Magistratspressekonferenz, in der Zimmer seinem Nachfolger Burlon schon seinen Platz anbietet, die letzten Umzugskisten, die sich gerade noch im Amtszimmer stapeln. Unterlagen für den Kreistag seien da unter anderem drin, sagt Zimmer. Dort will er nämlich nach wie vor politisch aktiv sein. Aber in parlamentarischen Ämtern in der Stadt werde man ihn vergeblich suchen, sagt er. Und er werde seinen Nachfolger nicht ungefragt mit guten Ratschlägen bombardieren, werde sich als Altbürgermeister sicher nicht öffentlich in die Lokalpolitik einmischen.

Dreieich: Dieter Zimmer will sich für Vereine engagieren

Ins soziale Leben der Stadt will er sich aber nach wie vor einbringen. Schließlich sei ihm das Sozialdezernat schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen. „In diesem Bereich spielt die Musik für das Zusammenleben in einer Gesellschaft.“ Immer wieder werde ihm das große soziale Angebot in Dreieich bestätigt, und darauf sei er schon ein bisschen stolz.

Von Zimmers sozialer Ader werden nun in erster Linie Vereine und Kinder profitieren. In die Feuerwehr Offenthal, in der er seit seinem zwölften Lebensjahr Mitglied ist, will er wieder stärker einsteigen, genauso wie in die Arbeitsgemeinschaft Offenthaler Ortsvereine. In der Vorwoche habe er spontan zugesagt, eine Lernpatenschaft an einer Grundschule zu übernehmen, und auch die Hausaufgabenhilfe im Sprendlinger Norden kann künftig auf ihn zählen. „Aber alles mit Maß. Ich will nicht wieder einen fremdbestimmten vollen Terminkalender haben“, sagt er. Apropos fremdbestimmt: Seine Frau habe jetzt sechs Tage Rom gebucht, und das sei in knapp 18 Jahren die erste Reise, die er zusagen konnte, ohne in den Terminkalender zu schauen.

Ausgerechnet in „seinem“ Sozialbereich bleibt aber ein Makel. Er hätte mehr Kindergartenplätze schaffen müssen, greift sich Zimmer selbst an die Nase. „Aber die Glaskugel, die mir die Entwicklung voraussagt, war nicht da.“ Das kreidet ihm auch Honka an: „Dass wir eine lange Warteliste in den Kindergärten bekommen haben, liegt an seiner Amtsführung als Sozialdezernent.“ Trotzdem bedankten sich die Teams der 18 städtischen Kindertagesstätten in den vergangenen Wochen kulinarisch bei ihm: Der Bürgermeister durfte dort gemeinsam mit den Kindern zu Mittag essen.

Auch bei der Auseinandersetzung um das Großprojekt internationale Fußballakademie in der Lettkaut sei viel Porzellan zerschlagen worden, sagt Honka und ärgert sich, „dass das Parlament vieles nur aus der Zeitung erfahren hat“. Er wolle seine Verantwortung nicht kleinreden, sagt Zimmer, bedaure es aber, dass es ihm nicht gelang, „dieses für die Stadt so gute Projekt umzusetzen“.

Er sei ein Bürgermeister mit SPD-Parteibuch gewesen, aber kein SPD-Parteisoldat, sagt Zimmer. Und es gräme ihn nicht, dass sein Nachfolger parteilos sei. „Burlon kennt die Stadt, die Verwaltung, die Probleme, die Herausforderungen, und macht es trotzdem.“

Die wichtigsten Informationen zum neuen Bürgermeister

Martin Burlon (43)tritt am Donnerstag, 14. Februar, sein Amt als neuer Bürgermeister von Dreieich an.

Der Parteilosewurde kurz vor Weihnachten 2009 zum Ersten Stadtrat gewählt und stellte sich am 28. Oktober vorigen Jahres zur Wahl als Bürgermeister.

Schon im ersten Wahlgangsetzte sich Burlon überraschend klar mit 59,2 Prozent gegen die drei Mitbewerber Bettina Schmitt (CDU), Christan Kurz und Thomas Schüller (beide parteilos) durch. ann

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