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Reinhard Pietschmann (links) und Thorsten Weiland von der HSG Nieder-Roden.

Rodgau

Abenteuer dritte Liga

Die Nieder-Röder Handballer spielen seit dieser Saison in der dritten Bundesliga. Das bedeutet weite Wege und viele neue Erfahrungen als Amateure gegen Profis. Und: Billig ist das Ganze nicht.

Von Dirk Rüsing

Im Foyer der Sporthalle Nieder-Roden hängt eine Deutschlandkarte. Rote Nadeln markieren darauf Rodgau und weitere 14 Orte. Dorthin muss die erste Mannschaft der Handballspielgemeinschaft (HSG) Nieder-Roden in dieser Saison zu Auswärtsspielen reisen. Das Team spielt nun in der dritten Handball-Bundesliga und die Gegner sind weit entfernt. Über 360 Kilometer weit reisen die Spieler etwa am Samstag zur Begegnung mit dem SV Lehrte nahe Hannover. „Wir fahren mittags mit dem Bus los und kommen in der Nacht wieder zurück“, sagt Thorsten Weiland, der sich um die sportlichen Belange der Mannschaft kümmert.

Für ein Amateur-Team sei das nur machbar, weil die Spiele samstags angesetzt sind. Wenn die Saison im Mai endet, werden die Handballer aus Nieder-Roden rund 8000 Kilometer im Bus zurückgelegt haben. „In der Oberliga sind wir nur 1600 Kilometer gereist“, sagt Reinhard Pietschmann, der die Sponsoren betreut. Diese sind nun wichtig für die HSG, zu der sich die Handballabteilungen der Sportgemeinschaft und der Turngemeinde 2006 zusammengeschlossen haben.

Spieler aus der eigenen Jugend

Das Projekt dritte Liga ist nicht billig. Pietschmann sagt, die Saison der ersten Mannschaft koste etwa 20.000 Euro mehr als die vergangene Aufstiegssaison. Mehrkosten entstehen durch die Reisen und durch das ständige Reinigen der Sporthalle. Letzteres ist bedingt durch eine Auflage des Deutschen Handball-Bunds. „Bei Drittliga-Spielen muss das Nutzen von Harz erlaubt sein“, sagt Weiland. Durch Harz können Spieler den Ball besser kontrollieren. Es verklebt aber den Hallenboden und muss aufwendig entfernt werden. „Wir haben uns gut überlegt, ob wir das Projekt dritte Liga stemmen können“, sagt Pietschmann. Der Aufstieg stand früh fest. So war genug Zeit, das Unternehmen vorzubereiten.

„Wir spielen mit der Aufstiegsmannschaft“, sagt Weiland. Es gehöre zur Club-Philosophie, auf eigene Spieler zu setzen. So stehen im aktuellen Kader überwiegend Spieler aus der eigenen Jugend. So aufgestellt müssen die HSG teilweise gegen Vollprofis antreten. Auch Weiland bekommt von Spielervermittlern, „Profis aus dem Ostblock“ angeboten. „Sie kommen für uns nicht in Frage“, sagt er. Die HSG zahle nur Trainings- und Kilometergeld und eine Punkteprämie. „Wir motivieren unsere Spieler über die Spielklasse.“ Bei der HSG soll die erste Mannschaft Ziel und Ansporn für den Nachwuchs sein. Zwölf Jugendteams hat der Club. „Das ist der Fundus, aus dem wir schöpfen“, sagt er.

Der Aufstieg in die dritte Liga habe in Nieder-Roden für Begeisterung gesorgt. Dafür spreche der Verkauf von VIP-Karten, die es in dieser Saison gibt. Bei Heimspielen sei die Tribüne regelmäßig mit 300 Zuschauern besetzt. Selbst zu den Auswärtsspielen reise ein „harter Kern“ von Fans mit. Trotz aktuellem Tabellenplatz 14 und nur sechs Punkten auf dem Konto glaubt er, „dass wir die Klasse halten können“. Sollte es aber zum Abstieg kommen, wäre auch dies kein Beinbruch, so Pietschmann.

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