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„50 000-Einwohner-Marke ist zu knacken“

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Jürgen Hoffmann (SPD) hat Lusr auf eine zweite Amtszeit.
Jürgen Hoffmann (SPD) hat Lusr auf eine zweite Amtszeit. © Rolf Oeser

Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) spricht im FR-Gespräch über die Entwicklung der Stadt, Probleme in Nieder-Roden und einen McDonald's.

Von Chritoph Manus

Rodgaus Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) spricht im FR-Gespräch über die Entwicklung der Stadt, Probleme in Nieder-Roden und einen McDonald's.

Herr Hoffmann, als Sie vor drei Jahren Bürgermeister von Rodgau wurden, hofften viele auf ein Ende der Stagnation und auch auf einen wirtschaftlichen Aufbruch. Sie haben die Wirtschaftsförderung zur Chefsache erklärt. Wieso hat sich trotzdem kein größeres Unternehmen angesiedelt?

Wirtschaftsförderung ist etwas, was langfristig aufgebaut werden muss. Es geht nicht darum, dass man einzelne Firmen hierher holt. Ich bin stolz darauf, dass wir hier eine gute Mischung mittelständischer Firmen haben. Das hat dazu geführt, dass wir bei der Gewerbesteuer in der Krise keine größeren Einbrüche hatten. Unsere Bemühungen werden in der nächsten Zeit Früchte tragen. Man braucht einen langen Atem.

Der Investor VGP plant bei Dudenhofen auf 23 Hektar ein großes Logistikzentrum. Wann könnten auf dem Gelände die ersten Arbeitsplätze entstehen?

Ich stelle mir vor, dass wir 2015 mit spürbaren Veränderungen rechnen können. Etwa 1000 Arbeitsplätze könnten geschaffen werden. Logistik muss nicht Spedition heißen. Wir reden von Leichtproduktion, Handel und werthaltiger Logistik. Das ist weiß Gott nichts Schlechtes.

Unternehmen wie Kerry und XXXL Lutz haben ihre Standorte in Rodgau aufgegeben. Die DHL wird nach dem Bau des Paketzentrums in Obertshausen wohl auch Beschäftigte abziehen. Was machen andere Kommunen besser?

Das waren Unternehmensentscheidungen. Jedes Ende ist auch die Chance für einen Neuanfang – und die werden wir nutzen.

Was heißt das? Sehen Sie die Möglichkeit, dass Unternehmen ihre Fläche erweitern?

Ja, aber es gibt aber auch Optionen für neue Unternehmen hier tätig zu werden.

Rodgau hinkt bei den Gewerbesteuereinnahmen stark hinter Neu-Isenburg oder Dreieich hinterher. Wie könnte der Abstand kleiner werden?

Die Gewerbesteuereinnahmen sind zu niedrig, keine Frage. Wir müssen die immensen Flächenpotenziale, die wir haben, sinnvoll nutzen. Dafür brauchen wir eine klare Ansage, wie sich unsere Stadt in Zukunft entwickeln soll, einen Masterplan. Wir müssen klar definieren, wie Rodgau in Zukunft aussehen soll.

Löst die Stadt ihr Einnahmeproblem nicht, wird sie sich Alleinstellungsmerkmale wie den kostenlosen Kindergartenbesuch nicht lange leisten können.

Die freien Kindertagesplätze kosten uns sehr viel Geld. Sie bieten uns aber auch einen Standortvorteil. Sie helfen uns, die stabilen Einnahmen aus der Einkommensteuer auszubauen. Wir haben die Weichen gestellt für ein weiteres Wachstum unserer Stadt mit neuen Baugebieten in Jügesheim, Hainhausen, Dudenhofen und an der Schweriner Straße in Nieder-Roden.

Wie stark sollte Rodgau noch wachsen?

In den 70er Jahren gab es den Wortmann-Plan für eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern. Das ist aus heutiger Sicht überhaupt nicht erstrebenswert. Es geht darum, die Stadt als attraktives Gesamtgebilde lebens- und wohnenswert zu machen.

Könnte die Stadt die 50 000-Einwohner-Marke knacken?

Das ist nicht unrealistisch. Die Frage ist, wann man das will. Allein im Gebiet zwischen Jügesheim und Hainhausen könnten einige Tausend Bürger wohnen.

Verkehrlich wäre die Infrastruktur da.

Ja, wir sollten die Flächen entwickeln, die östlich der Rodgau-Ring-Straße liegen. Das sollte so geschehen, dass die Stadtteile miteinander verbunden werden.

Wieso wollen Sie das Baugebiet N 39 im Südwesten Nieder-Rodens nicht entwickeln?

Das ist einfach eine Frage der geografischen Betrachtung. Der Fokus der Stadtentwicklung sollte zwischen den Stadtteilen liegen. Die Stadt könnte im Westen zusammenwachsen.

Die Kooperation war anderer Meinung. Sie hat Ihnen den Wind aus den Segeln genommen.

Das empfinde ich überhaupt nicht so. Ich bin niemand, der mit dem Kopf durch die Wand möchte. Mit geht es darum, erstmals in dieser Stadt über die strategische Entwicklung zu sprechen.

Auch 36 Jahre nach der Gebietsreform hat Rodgau kein Zentrum. Bleibt Rodgau ein Zusammenschluss von Stadtteilen?

Dass wir nach außen noch immer nicht als Stadt wahrgenommen werden, macht mich etwas traurig. Das ist schade. Sonst könnten wir ganz anders auftreten.

Wer zum ersten Mal nach Rodgau kommt, fragt sich, wo das Zentrum ist.

Ob es jemals ein Zentrum dieser Stadt geben wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Das hängt von den Menschen in dieser Stadt ab. In Jügesheim könnte eine Mitte entstehen. Ein Einkaufszentrum mit attraktiven Geschäften würde auch das Wohnen im Stadtteil attraktiver machen.

Rund um einen autofreien Platz?

Wenn die Ladenbesitzer kommen und sagen: Halt uns die Autos weg, damit meine Kunden kommen, ist die Entscheidung reif.

Wann könnte die Umgestaltung des Jügesheimer Zentrums beginnen?

Ich will noch dieses Jahr einen Vorschlag machen. Noch sind wir in intensiven Gesprächen mit Einzelhändlern und Eigentümern.

Die Pläne zur Stadtentwicklung werden besonders in Nieder-Roden skeptisch gesehen. Dort fühlen sich viele abgehängt.Größtes Problem ist der Puiseauxplatz.

Der Platz hat einen baulichen Fehler. Er ist nach außen nicht einsehbar, er hat sehr enge Zugänge. Wir brauchen auf alle Fälle noch einen Anziehungspunkt dort. Ziel ist, dass dort wieder ein Supermarkt vertreten ist, der die notwendige Kundenfrequenz bringt.

Haben Sie denn Gründe zur Zuversicht?

Wir sind in Gesprächen mit mehreren Unternehmen.

Große Hoffnungen setzen viele auf den Bau des Medicums. Doch dort geht nichts voran.

Im August soll es mit dem Parkhaus weitergehen. In der Folge kann auch der Bau des Medicums beginnen.

Das Projekt entfernt sich von der ursprünglichen Idee. Nun soll fast die Hälfte der Fläche Wohnraum werden. Was ist schiefgelaufen?

Da ist gar nichts schiefgelaufen. Es war von Anfang an klar, dass das Gebäude auch für nicht medizinische Zwecke genutzt werden kann. Es ist immer noch Platz für 14 Praxen.

Es gibt Pläne gegenüber dem Badesee einen Supermarkt und einen McDonald‘s anzusiedeln. Braucht Rodgau einen McDonald‘s?

Ich als Vegetarier brauche ihn nicht. Von jungen Menschen werde ich aber regelmäßig danach gefragt. Ob er dort entsteht oder wo anders ist die Frage. Es wäre unter Umständen nicht gut für den Puiseauxplatz, wenn dort ein Fast-Food-Restaurant und ein Vollversorger entstehen. Das Gebiet wäre auch für Wohnungsbau geeignet.

Sie haben bereits angekündigt, wieder als Bürgermeister antreten zu wollen. Wieso?

Weil es mir Riesenspaß macht. Ich will die Weichen stellen, dass die Stadt in die richtige Richtung geht. Ich würde den Weg gerne noch länger begleiten.

Hat die SPD Sie denn schon aufgefordert?

Nein, ich habe lediglich gesagt, dass mein Wille besteht. Erforderlich ist natürlich, dass auch die Partei meine Kandidatur trägt.

Wie groß sehen Sie denn den Rückhalt in der eigenen Partei?

Kooperation und SPD stehen hinter mir. Ich bin der Partei an erster Stelle und auch der Kooperation sehr dankbar für die konstruktiv begleitende Kritik.

Es kracht auch mal?

Keine Frage. Da wo Menschen aufrichtig und ehrlich diskutieren, wird es auch mal kontrovers.

Interview: Christoph Manus

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