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Kreis in 36 Kapiteln

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Auch an das Gordon-Bennett-Rennen wird erinnert. reichwein
Auch an das Gordon-Bennett-Rennen wird erinnert. reichwein © Jochen Reichwein

Neue Auflage des Jahrbuchs präsentiert Region hoher Lebensqualität

Hochtaunus - Dreihundertneunzehn Seiten dick, 866 Gramm schwer und trotzdem leicht zu lesen: Das neue Jahrbuch des Hochtaunuskreises liegt auf dem Büchertisch. Die 31. Auflage wurde am Sonntag im Ludwig-Erhard-Forum des Landratsamtes vor großem Publikum vorgestellt. Gekommen war außer den 35 Autorinnen und Autoren fast die gesamte politische Prominenz aus dem Hochtaunuskreis, darunter Bürgermeister, Kreistagsabgeordnete sowie Vertreter kultureller und touristischer Verbände, von Vereinen und Einrichtungen. Laura di Salvo, Journalistin des Hessischen Rundfunks, hatte die Moderation übernommen, was ihr auf charmante und lockere Art gut gelang, wenngleich sie sich gleich zu Beginn für das Wetter, das sie mitgebracht hatte, entschuldigte, das war eher schmuddeliger Art.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) sagte, das Buch trage zwar die Jahreszahl 2023 im Titel, setze aber einen Schlussstrich unter das zu Ende gehende Jubiläum von „50 Jahre Hochtaunuskreis“. Nachdem in den letzten Bänden meistens alle 13 Kommunen des Kreises behandelt worden seien, habe man bei der neuen Ausgabe bewusst den Fokus auf Bad Homburg als regionales Zentrum gelegt. Bad Homburg sei mehr als ein weit über seine Grenzen hinaus renommierter Kur- und Badeort, nämlich auch ein Ort der Wahl zahlreicher Institutionen von regionaler und internationaler Bedeutung.

In seinem Vorwort zum Buch erinnert Krebs an Persönlichkeiten wie die Landgrafen, Hölderlin und Kleist, die Bad Homburg kulturell besonders geprägt haben, aber auch an die Strahlkraft, die die aufstrebende Stadt im 19. Jahrhundert als „Kurbad der Reichen und Schönen“ entwickelt habe. Wer das Buch lese, werde auch sein Credo, Bad Homburg und den Hochtaunuskreis als eine Region zu definieren, „in der man gerne lebt“, nachvollziehen. Das werde in jedem Beitrag des Bandes deutlich. Dort, wo man lebe, auch gerne zu leben, sei in der heutigen Welt keine Selbstverständlichkeit mehr, sagte der Landrat im Hinblick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, den man in dieser schrecklichen Form nie für möglich gehalten habe. Bei dieser Gelegenheit war es Krebs auch ein Bedürfnis, allen Bürgern und Organisationen für ihre Hilfsbereitschaft gegenüber den in den Hochtaunus gekommenen Geflüchteten zu danken. Doch auch kommunalpolitisch sei das Jahr 2022 lokal wie regional spannend gewesen, aber auch ein Beleg dafür, dass Demokratie noch funktioniert. Dass Frankfurts Bürger ihren Oberbürgermeister abwählen, habe er nicht für möglich gehalten. So gesehen sei es ihm um die Demokratie nicht bange.

AUS FRANKFURTS SCHATTEN HERAUSTRETEN

HR-Moderatorin Laura di Salvo hinterfragte die Inhalte des Buches mit zwei kleinen Talkrunden, für die sie Autoren einiger Beiträge sowie Protagonisten zusammenrief - „Tennis-Wunderkind“ Mara Guth aus Usingen, den jungen Cellisten der Kronberg Academy Manuel Lipstein, Automotive-Fabrikantin und Reiterin Carola Grünewald aus Grävenwiesbach und Dieter Dressel aus Bad Homburg.

Mehrfach wurde geäußert , es sei an der Zeit, dass der Hochtaunuskreis aus dem Schatten Frankfurts heraustrete. Wo immer auf der Welt man gefragt werde, wo man herkomme, müsse man „in der Nähe von Frankfurt“ dazusagen. Dass die Region durchaus bekannt sei, erzählte in lockerer Runde der mit seinem Cello durch die Welt reisende Manuel Lipstein: In New York sei er von einem Taxifahrer gefragt worden, wo er herkomme. Er habe bescheiden „aus dem Hochtaunuskreis in der Nähe von Frankfurt geantwortet“, was dem Taxler aber zu ungenau gewesen sei, er wollte schon wissen, wo genau sein Fahrgast herkommt. „Ich habe ihm gesagt aus Kronberg, das er wahrscheinlich aber nicht kenne, das war aber falsch“. Natürlich kenne er Kronberg, er sei schließlich Cello-Fan.

Das Gordon-Bennett-Rennen faszinierte besonders. Di Salvos Frage an Dieter Dressel, ob er Ausfahrten und Begehungen entlang der Rennstrecke organisiere, beschied Dressel abschlägig: „Nein, wir sind ein Automobilclub und kein Wanderverein.“

Historie des Schlosses und der Industrie

Von 36 Kapiteln sind 24 Bad Homburg, seiner historischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung gewidmet, zwölf Kommunen aus dem übrigen Hochtaunuskreis.

Professor Barbara Dölemeyer definiert Bad Homburg als „Behördenstadt am Taunusrand“, während Iris Koban über das Forschungskolleg Humanwissenschaften berichtet. Die Geschichte des Schlosses wird von Katharina Bechler ebenso erzählt wie die des ersten, damals von einer Million Zuschauer besuchten Autorennens auf deutschem Boden, des „Gordon-Bennett-Rennens“ von 1904 im Beitrag Dieter Dressels. Industriegeschichte, von Peters Pneu bis zum „Homburger“, findet sich gleich in mehreren Kapiteln.

Im zweiten Teil beleuchtet das neue Jahrbuch die „Geschichte und Kultur im Taunus“. Hier berichtet Karl Breitung über „Schneeschuhe mit Stab“ und die Anfänge des Wintersports im Taunus, Hanspeter Borsch unternimmt den Versuch einer Deutung des Kronberger Wappens, der Königsteiner „Kirchner-Kubus“ als Hauptwerk der deutschen Wandmalerei im 20. Jahrhundert wird von Alexandra König beschrieben und Frank Saltenberger erforschte die Baugeschichte des fürstlichen Marstalls in Usingen. as

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