+
Unter einer weißen Decke warten die Baumstämme auf ihren Abtransport.

Mörfelden-Walldorf

Im Winterwald auf der Sonnenseite

Nicht nur die Sägewerke aus dem Odenwald und Spessart kaufen Bäume aus dem Mörfelden-Walldorfer Forst. Bis nach China werden höherwertige Stämme verschifft, um zu Möbeln oder Dachbalken zu werden.

Wäre Wolfram Hammes ein gehässiger Mensch, würde er vielleicht im Stillen seinen Kollegen in den Mittelgebirgen eine lange Nase drehen. So aber freut sich der Leiter des Groß-Gerauer Forstamts nur über die aktuelle Wetterlage: "Wir haben ideale Bedingungen für die Holzernte", sagt Hammes, "der Boden ist nicht zu tief verschneit, aber gefroren, so dass wir beim Abtransport der Stämme aus dem Wald keine Schäden anrichten."

Bestellungen aus China

Dagegen haben die Förstereien in den bergigen Lagen mit Schneemassen zu kämpfen. "Die können ihr Holz momentan nicht abfahren", sagt Hammes, "wir schaffen das, weil es hier relativ eben ist und nicht so viel Schnee liegt." Entsprechend verstärkt ist die ohnehin wegen der Konjunkturprogramme belebte Nachfrage - Bau- und Schnittholz finden großen Absatz. Nicht nur die Sägewerke aus dem Odenwald und Spessart kaufen Bäume aus dem Mörfelden-Walldorfer Forst. Bis nach China werden höherwertige Stämme verschifft, um zu Möbeln oder Dachbalken zu werden.

"Wir sind ausverkauft", meldet Hammes. Die Lagervorräte seien leergefegt. Allerdings werden deshalb jetzt nicht mehr Bäume geschlagen als im Waldwirtschaftsplan festgelegt. Im sogenannten Hauungsplan steht genau, wie viel Holz pro Jahr geerntet wird. "Wir dürfen nur so viel einschlagen wie auch wieder nachwächst." Deutschland zeichne sich seit langem durch eine nachhaltige Waldwirtschaft aus und könne weiter exportieren. Den Waldarbeitern, die derzeit im Wald von Mörfelden-Walldorf mit der Kiefernernte beschäftigt sind und in den nächsten Tagen mit einem großen Harvester des Holz verarbeiten, macht die Kälte nicht so viel aus. "Die Arbeit hält warm, aber für die Pausen brauchen wir dann warme Unterkünfte", sagt Revierförster Karl Liebetrau. Auch die Tierwelt leidet noch nicht allzu sehr unter dem Frost. Weil die Bucheckern im vorigen Jahr besonders üppig wuchsen, stehen Dam- und Schwarzwild so gut im Futter, dass die Forstamtsmitarbeiter noch nicht zufüttern müssen - die Tiere können von ihren Fettreserven zehren, das Damwild findet darüber hinaus noch gefrorene Beeren.

Keine Angst vor Schneebruch

Allergiker, die hoffen, dass die Eichenprozessionsspinner jetzt zuhauf erfrieren, holt Wolfram Hammes auf den frostigen Boden zurück. "Für die Waldschädlinge ist die Kälte eher günstig", erklärt er, "die sind im Überdauerungsstadium und haben ihren Energiestoffwechsel total heruntergefahren - je kälter es ist, desto weniger Energieverlust haben sie."

Schmuddelwetter mit Energieschwankungen macht den Larven eher zu schaffen. Und der Eichenprozessionsspinner überwintert ohnehin nur als Ei, "dem macht die Kälte nichts aus", sagt der Fachmann.

Für die zweibeinigen Lebewesen im Wald, die Spaziergänger, sind die Bedingungen bei richtiger Verpuppung mit Winteridyll ohnehin ideal. Angst vor Schneebruch muss niemand haben. "Der meiste Schnee wird von den Ästen geweht, wir haben nur eine geringe Last auf den Bäumen." (ers)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare