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Schnauzer-Mischling Lea ist eine erfahrene Friseur-Gängerin.

Groß-Gerau

Waschen, schneiden, legen

Die Besucher von Petra Stegmayers Friseursalon sind manchmal ziemlich einsilbig. Und sie wedeln mit dem Schwanz. Kein Wunder: Die Groß-Gerauerin leitet einen Hundesalon.

"Wuff." - "Grrrr." - "Knurr." Die Besucher von Petra Stegmayers Friseursalon sind manchmal ziemlich einsilbig. Und sie wedeln mit dem Schwanz. Kein Wunder: Die Groß-Gerauerin leitet den "Hundesalon Schnüffel". Zwei Stunden lang stillhalten, während Kamm, Schere und Trimmmesser durchs Fell sausen, ist ganz schön schwierig. Aber Lea, der zwölf Jahre alte Berner Sennen-/Schnauzer-Mischling von Kundin Sonja Stefan, hat Geduld. Zwei, drei Mal pro Jahr schaut die Groß-Gerauerin mit ihren Hunden Lea und Paula bei Petra Stegmayer vorbei, damit die Vierbeiner wieder schick aussehen.

Das scheint diesmal dringend nötig zu sein. "Du siehst ja aus wie ein explodierter Handfeger", sagt Petra Stegmayer und schüttelt Lea zur Begrüßung die Pfote. "Hallo."

Zwei Hundesalons gibt es allein in der Groß-Gerauer Innenstadt. Stegmayer, ehemalige Bekleidungsfertigerin, hat ihren im April 2007 eröffnet. 250 regelmäßige Kunden aus dem ganzen Kreisgebiet zählt ihre Kartei mittlerweile. Vom Pudel bis zum Malteser oder dem Shi-Tzu, einem tibetischen Tempelhund. Mischlinge sind in der Mehrzahl. Aber sogar ein verwahrloster Hase war schon bei ihr zu Gast.

Fell soll nicht verfilzen

Das Ambiente ist für ein Friseurstudio allerdings ungewöhnlich: Es gibt kaum Spiegel, unter der Kasse steht ein Wassernapf. Auch den neuesten Tratsch kann Stegmayer mit ihren Kunden nicht austauschen. "Jeder Hund ist anders", sagt die 48-Jährige. Fleur, eine Foxterrier-Dame, heult während jeder Rasur wie ein Wolf. Oskar, der Jack-Russell-Terrier, will meist gar nicht wieder gehen. Paula jagt schwanzwedelnd Bürste und Kamm. Und Loisl, ein Jagdterrier, hat zur Beruhigung der angespannten Nerven immer einen Stoff-Frosch beobachtet. Schließlich bedeutet der Besuch bei der Hundefriseurin für die Vierbeiner in erster Linie Stress.

Aber Lea bleibt gelassen. Die bereits angegraute Hundedame kennt das Prozedere seit Jahren. Zur Not wartet Frauchen Sonja Stefan geduldig im Hintergrund. Das hilft. "Unruhe überträgt sich oft vom Besitzer aufs Tier - und umgekehrt", sagt Petra Stegmayer.

Auf dem Frisiertisch wird Lea angeleint, damit sie nicht ausbüxen kann, dann entfernt Stegmayer mit dem Trimmmesser das abgestorbene Deckhaar. Das Fell würde sonst verfilzen und zum Tummelplatz für Zecken und Parasiten.

Zur Ablenkung gibt´s zwischendurch immer wieder Hundekekse. "Weh tut das Trimmen aber nicht", betont Petra Stegmayer. Brust, Beine und Po werden geschoren, aus den Ohrlöchern zupft sie Haare, damit sie sich nicht entzünden. In Frankfurt hat Stegmayer Lehrgänge zur Hundepflege besucht, daheim warten ihre eigenen Vierbeiner: Olli, ein Yorkshire, und Scully, ein Australian Shepherd.

Mit der Schere wird Leas Damenbart zurechtgestutzt, zwischen den Zehen der Filz weggeschnitten. "Damit Lea nicht auf dem Filz ausrutscht oder sich Blasen läuft", sagt Stegmayer. Die Hündin schaut skeptisch - und gähnt. Im Grunde, sagt Sonja Stefan, gefalle Lea der Friseurbesuch. Hinterher müsse sie sich seltener kratzen. Und weil die sogenannte Unterwolle nicht gekürzt wird, bleibt auch die Erkältungsgefahr gering. Nur die anschließende Dusche mit Balsam und Hundeshampoo ärgert den Mischling. Neue Geschmeidigkeit und Glanz fürs Fell? Lea könnte drauf verzichten.

Schnell noch unter den Föhn, dann ist die Hündin wieder schick für neue Schlammpfützen. Komplimente wird sie in den nächsten Tagen allerdings nur von Menschen erhalten, Rüden beeindruckt der Besuch beim Hundefriseur nicht. Bei Hunden entscheidet vor allem der Geruch über das Liebesglück. (ers)

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