+
Chillen und Grillen: Nicht alle halten sich wie diese Gruppe an die Baderegeln.

Mörfelden-Walldorf

Angst vor „Horrorszenario“: Griller und Shishas sorgen für Aufregung am Walldorfer Badesee

Ein 16 Monate altes Mädchen erleidet am Badesee Verbrennungen zweiten Grades. Der Verein bemängelt fehlende Aufsicht.

Immo Rombach ist stinksauer und will die Stadt Mörfelden-Walldorf verklagen: Aus einem schönen Badeausflug am bisher heißesten Tag des Jahres wurde für ihn und seine Familie ein Fiasko. Zum ersten Mal in diesem Sommer war der Vater aus Dreieich mit seiner Frau und der 16 Monate alten Tochter am Mittwoch zum Walldorfer Badesee gekommen.

Seit dieser Saison ist das Gewässer im Kreis Groß-Gerau zur Badestelle umgewidmet. Das heißt, es kostet keinen Eintritt bis auf die Parkgebühren, andererseits fehlt aber auch die Badeaufsicht. Seither soll sich das Verhalten mancher Badegäste zum negativen verändert haben. Um 12 Uhr rückte laut Rombach „eine Mannschaft“ junger Leute an und begann am Südhang zu grillen und Alkohol zu konsumieren. Auch an anderen Stellen am Waldrand hätten Besucher ihre Grills ausgepackt, manche hätten auch Shisha geraucht. „Es war eine Katastrophe“, sagte Rombach der FR. Andere Badegäste hätten ihre Liegeplätze verlegt, auch die Rombachs nahmen Abstand.

Badegäste in Walldorf sind entrüstet

Als die Familie um 17 Uhr gehen wollte, geschah das, was Rombach entrüstet: Seine Tochter trat in die glühende Kohle einer Shisha, die dort vergraben worden war. „Die Glut brannte sich in Füße und Oberschenkel“, sagt Rombach. Mit Verbrennungen zweiten Grades mussten sie das Kind zum Arzt bringen, berichtet der Vater. Als er sich bei der Stadt beschwerte, habe man ihn abgewiesen.

Auf Anfrage der FR sagte der Leiter des für den See zuständigen Sport- und Kulturamts, Ralf Baitinger: „Es ist tragisch, was dem Kind passiert ist, und dass wild gegrillt wird, ist falsch.“ Offenes Feuer sei außer in der dafür vorgesehenen Grillzone verboten. Wenn dies aber jemand heimlich tue, sei es eine privatrechtliche Angelegenheit und habe nichts mit einer Wasseraufsicht zu tun.

Der Walldorfer See ist täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet. Die Parkgebühren liegen bei 7 Euro pro PKW.

Ein Wald grenzt an den See. Es gibt einen Nichtschwimmerbereich mit Badestrand, einen FKK-Bereich und einen Abschnitt für Angler. Auch Kiosk, Beach-Volleyball-Platz, Tischtennis und Grillstelle sind vorhanden.

Erreichbarist das 30 Hektar große Gelände über die Aschaffenburgerstraße in Mörfelden-Walldorf. cka

Die Stadt beschäftige seit Jahren ein privates Sicherheitsunternehmen, das die Parkgebühren kassiere und Reviergänge mache. Eine Badeaufsichtspflicht habe die Stadt hingegen seit der Umwidmung zur Badestelle nicht mehr. Diese hätte nach neuen Gesetzesauflagen eine halbe Million Euro im Jahr gekostet, die die Kommune nicht zahlen könne. Bis voriges Jahr übernahm die Interessengemeinschaft Rettungsdienst Badesee Walldorf (IRBW) die Badeaufsicht. Der Verein ist am See mit einer Wache ansässig und gibt dort Schwimmunterricht. An Spitzentagen seien früher 60 Helfer im Einsatz gewesen, um die Sicherheit der bis zu 3000 Badegäste zu gewährleisten, berichtet ein Mitglied des Vereins, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zwei davon hätten dies gegen Lohn, die anderen stundenweise und ehrenamtlich gemacht. Auch habe man zwei Boote besessen, um schnell zur 300 Meter entfernten anderen Uferseite gelangen zu können. Die Boote gebe es nun auch nicht mehr, der Verein verfüge lediglich über ein Kanu, mit dem er im Notfall auf den See paddeln kann.

Noch mehr Gäste in Walldorf am Sonntag

Laut Baitinger laufen derzeit Gespräche mit der IRBW, wie eine eingeschränkte Aufsicht gestaltet werden könnte. Das Problem: „Ein bisschen Aufsicht gibt es nicht“, sagt Baitinger. Sobald man den Eindruck erwecke, es existiere eine Aufsicht – zum Beispiel durch Boote –, hätten die Badegäste ein Recht darauf und die Stadt müsse haften. Auch die IRBW könne die Auflagen derzeit nicht erfüllen.

Lesen Sie auch:  Großeinsatz der Polizei: 200 Menschen stürmen Badesee

Der 254 Mitglieder starke Verein hat laut seiner Webseite seit der Gründung 1971 insgesamt 187 Menschen vor dem Ertrinken gerettet, allein 14 in der vergangenen Saison. Nach Aussagen eines Vereinsmitglieds breitet sich die Grillzone jetzt aus, Scherben lägen herum. Früher habe man auch Nichtschwimmer angehalten, nicht in den Schwimmerbereich zu wechseln. Indes vergleicht Baitinger die Situation mit dem Rhein. Auch dort sei Baden nur auf eigene Gefahr möglich. Dieses Jahr habe man am See „die ruhigste Saison seit Jahren und kein Sodom und Gomorra“.

Am Sonntag ist der benachbarte Langener Waldsee wegen des Ironman gesperrt. Dann werden zusätzliche Badegäste an den Walldorfer See kommen. Für Rombach ist es ein Horrorszenario, dass durch ein Grillfeuer ein Brand entsteht und er mit seiner Tochter ins Wasser flüchten muss. „Wer rettet uns dann?“

Hanau:  Hitze treibt Leute in die Freibäder in Hanau

Paderborn:  Mann springt vom Baum in Badesee - dann reißt es seinen Unterarm ab

Mörfelden-Walldorf: Exhibitionist lauert Frau in Wald auf*

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare