Rüsselsheim

Wackelprüfung nicht bestanden

Hinterbliebene werfen der städtischen Friedhofsverwaltung Willkür vor.

Den Besuchern der weitläufigen Grünanlage des Waldfriedhofs sprangen in diesen Tagen gelbe, orangene und grüne Aufkleber auf den Grabsteinen ins Auge. Unmissverständlich wird da zum Ausdruck gebracht, dass der Grabstein nicht mehr sicher steht oder dass diese Grabstelle als ungepflegt gilt und abgeräumt und eingeebnet wird, wenn nicht Abhilfe geschaffen wird.

Indes ist die Verteilung der Aufkleber für die Hinterbliebenen nicht immer nachvollziehbar. "Durchgaloppiert wie vom Pferd getreten" seien die Bediensteten der städtischen Friedhofsverwaltung, berichtet da ein Mitarbeiter eines privaten Grabpflegedienstes. Gar willkürlich nennt er das Vorgehen bei der Wackelprüfung der Grabsteine und der Auswahl ungepflegter Erdgräber. Offenbar seien den Bediensteten hier und da die passenden Aufkleber ausgegangen und einfach die der anderen Kategorie verwendet worden. Um seine Ansichten zu untermauern, packt er mehrere als umsturzgefährdet gekennzeichnete größere Steine an, versucht zu rütteln - und es bewegt sich nichts.

Hier ein von Bodendeckern überwuchertes und deswegen gekennzeichnetes Grab, nebenan kein Aufkleber trotz ähnlichen Pflegezustands, dort schließlich ein bereits gut drei Meter hoher Baum auf einer Ruhestätte, ebenfalls ohne Beanstandung. Sicherheitstest, so die Einschätzung des Grabpflege-Dienstleisters, dürfte es schon seit zehn Jahren nicht mehr gegeben haben.

Den Vorwurf der Untätigkeit weist die Sprecherin der Stadt entschieden zurück. Jährlich werde die Sicherheit von Grabsteinen geprüft, hält Silke Fey von der Pressestelle fest. In Etappen werde im Zeitraum August bis Oktober die Standfestigkeit getestet, andernorts kommen Rüttelmaschinen zum Einsatz, in Rüsselsheim werden die Grabmäler manuell geprüft.

Mit den Aufklebern erreiche man die Hinterbliebenen in der Regel schnell, berichtet Silke Fey. Soweit ihre Adresse bekannt sei, würden sie schriftlich vom Zustand des Grabs unterrichtet. Sollte niemand erreichbar sein, würden nach angemessener Frist die als unsicher eingestuften Grabsteine zur Vermeidung von Unfällen umgelegt.

Bezüglich des Begriffs abräumen beruhigte Fey: Keineswegs würden Gräber beseitigt, da ja Verträge vorlägen. Vielmehr bedeute dies, dass der Oberflächenbewuchs entfernt und die Grabstelle neu gestaltet werde. Dies solle vor allem verhindern, dass Wildkräuter aussamen und sich ausbreiteten. Für diese Kosten müssen Nachkommen aufkommen - sofern sie erreichbar sind. Für den drei Meter hohen Baum gelte, dass er zu gegebener Zeit zurückgeschnitten werden müsse. (eda)

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