Hessische Hausstiftung

Vier Liebesboten aus Kelsterbach

Die Hessische Hausstiftung in Darmstadt erwirbt wertvolle Figuren fürs Porzellanmuseum. Hergestellt wurden die Figürchen in einer Manufaktur in Kelsterbach.

Über die Phasen der Liebe machte man sich auch zu Zeiten von Ludwig VIII., dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt (1691–1768), viele Gedanken. Vier kulturhistorisch wertvolle Amoretten-Figuren, ein Neuankauf für das Darmstädter Porzellanmuseum, symbolisieren das Erblühen und Welken des himmlischen Gefühls, das am Valentinstag im Mittelpunkt steht.

Die kommissarische Leiterin des Schloss- und Porzellanmuseums, Alexa-Beatrice Christ, holt die vier zwischen 1761 und 1764 modellierten Figuren behutsam aus einer großen Holzkiste. Frisch gereinigt und von einem Fachmann aus Hochheim restauriert sind sie in Darmstadt eingetroffen.

Zu sehen ab 4. April

Hergestellt wurden sie im nahen Kelsterbach, das damals zu Darmstadt gehörte, und zwar in einer Manufaktur, die Ludwig VIII. von seinem Taschengeld finanzierte. Da diese nur knapp acht Jahre bestand, blieb die Produktion überschaubar, und die wenigen erhaltenen Objekte werden heute hoch gehandelt.

Stolz ist Alexa-Beatrice Christ darauf, dass im Darmstädter Porzellanmuseum die größte zusammenhängende Sammlung von Kelsterbacher Porzellan zu finden ist. Da haben die vier Figürchen gerade noch gefehlt. Sie sind „typisch Kelsterbach“, nämlich kompakt und knubbelig und entsprechen so gar nicht dem eleganten Rokoko-Ideal von damals. Ihr Modelleur Carl Vogelmann hat einen künstlerisch eigenständigen Stil entwickelt und mit Farben wenige, aber kräftige Akzente gesetzt.

Die Hessische Hausstiftung hat die Figuren fürs Porzellanmuseum erworben. Vorbesitzer ist ein Sammler aus dem Rheinland, der sie bei einer Auktion entdeckte und ihren Wert ahnte, obwohl sie stark verschmutzt waren. Jetzt ist das Quartett wieder vorzeigbar, bleibt dem Publikum aber noch eine Weile vorenthalten: Die Großherzoglich-Hessische Porzellansammlung öffnet erst am 4. April. (pyp)

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