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Kreis Groß-Gerau

Der vergessene Landrat

Nur wenige Tage war Wilhelm Hammann nach Kriegsende Landrat des Kreises Groß-Gerau. Er rettete im KZ Buchenwald rund 400 Kinder vor der Ermordung. Der Staat Israel hat ihn als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Wer ist Wilhelm Hammann? Das werden sich viele Menschen im Kreis Groß-Gerau gefragt haben, als 1984 bekannt wurde, dass dieser Mann vom Staat Israel als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet worden ist. Dabei war der gebürtige Biebesheimer erster Landrat des Kreises Groß-Gerau nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Bis dahin galt Wilhelm Seipp (SPD) als erster Verwaltungschef im Kreishaus nach 1945.

Doch wer ist der Mann, den die US-Amerikaner als Besatzungsmacht im Juli 1945 auf Vorschlag der Bürgermeister aus dem Kreis zum Landrat beriefen? Geboren am 25. Februar 1897 ist Wilhelm Hammann viele Jahre Lehrer in Wixhausen. Geprägt von Kriegseinsätzen in Belgien und Russland engagiert er sich bei den Kommunisten und zieht 1927 für die KPD als Abgeordneter in den Hessischen Landtag ein, wo er schließlich Fraktionssprecher wird.

Bereits im Juni 1932 wegen Rädelsführerschaft bei Auseinandersetzungen um die Absetzung des der KPD angehörenden Mörfelder Bürgermeisters Zwilling und des Beigeordneten Bitsch wird Hammann zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er kommt aber schon sieben Wochen später frei, weil er erneut in den Landtag gewählt wird.

Drei Mal wird er von den Nazis verhaftet, schließlich 1935 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1938 wird Hammann von der Darmstädter Gestapo als „Schutzhäftling Nummer 1224“ ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Als Blockältester, der in der illegalen Gefangenenorganisation mitmischt und Schulunterricht für Kinder organisiert, gelingt es ihm im April 1945 unter Lebensgefahr, rund 400 Kinder vor der Ermordung durch die SS-Lagerwachen zu retten. Darunter sind 159 Juden, was der israelische Staat später mit der Ernennung zum „Gerechten unter den Völkern“ würdigt und ihm einen Baum an der Gedenkstätte Yad Vashem pflanzt.

Engagierter Kommunist

Im Mai 1945 kehrt Hammann in den Kreis Groß-Gerau zurück. Am 17. Oktober 1945 wird er offiziell zum Landrat auf Lebenszeit ernannt, doch schon wenige Tage später auf Verlangen der US-Militärregierung suspendiert. Der Grund dafür lässt sich nicht mehr klären, schreibt Hammann-Biograf Bernd Heyl. In einer Verhandlung vor dem Militärgericht in Darmstadt wird der seit Dezember 1945 inhaftierte Hammann im Februar 1946 freigesprochen.

Doch knapp einen Monat später sitzt er wieder in Haft, diesmal im ehemaligen KZ Dachau unter dem abstrusen Vorwurf „Verbrechen gegen die Menschlichkeit im KZ Buchenwald“. Bis zum Mai 1947 halten ihn die Amerikaner dort fest – unter Nazis, seinen früheren Peinigern. Erst eine internationale Aktion seiner ehemaligen KZ-Mithäftlinge verhilft Hammann zur Freiheit. Ein Verfahren wird nie eröffnet. Allerdings wird ihm bei der Entlassung eine Bescheinigung über sein antifaschistisches Engagement ausgehändigt.

Hammann engagiert sich schließlich als ehrenamtlicher KPD-Sekretär und ist Sprecher der KPD-Kreistagsfraktion. Am 26. Juli 1955 verunglückt er tödlich: Er prallt bei Königstädten mit seinem Wagen gegen einen liegengebliebenen US-Panzer. (wig)

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